steckte die Hand fest in die Tasche . Jetzt kamen fröhlich lachende Stimmen näher , ach nein , so lachte sie niemals , ein junges Mädchen kichert und plaudert mit der älteren Frau , die neben ihr geht und nicht ernst bleiben kann bei der Geschichte , welche das lustige Ding atemlos herplappert , die Frau preßt das Tuch vor den Mund und krümmt sich zusammen vor Lachen . » Warten wir auf Madeleine ? « fragte die ältere , als sie durch das Tor gingen und an Leopold vorbeikamen , » das müssen Sie ihr auch erzählen , es ist zu komisch . « » Nein , gehen wir nur , Madeleine wurde im letzten Augenblick noch zu Madame gerufen , und dann - vielleicht schadet das Lachen auch ihrer Schönheit wie das Weinen , denn sie weint nicht , damit sie ihr Gesicht ... « Mehr konnte der Mann nicht hören . Freilich , das war sein Weib , das weder lachte noch weinte , damit ihr Gesicht kein Fältchen bekommt . Das schöne Fleisch galt ihr mehr als Freude oder Leid , ihre Schönheit kam immer zuerst , sie war also geblieben , wie sie ehemals gewesen - das schlug wie der Blitz in seine Zukunftsgedanken , mit ihrer Schönheit , die ihm doch stets vor Augen schwebte , hatte er nicht gerechnet , da oben gedeiht sie leichter als daheim bei Mann und Kind . Seine Hand fuhr aus der Tasche , er rückte sich den Hut tiefer in die Stirne , denn ein Windstoß kam um die Ecke gerast , flog pfeifend durch die Hauseinfahrt und wirbelte seine langen Haare über die Hutkrempe . Der leere Rockärmel baumelte hin und her , und der schlottrig-weite Rock bauschte sich auf oder legte sich eng an seine abgemagerten Glieder , je nachdem sich der Wind drehte . Wie er nun so dastand , gegen den Sturm ankämpfte und mit seinem einen Arm Hut und Stock zu halten suchte , da wehte es ihn mit einmal heiß an , er tappte dorthin , wo er ihre Stimme vernahm , er wischte sich den Staub aus den Augen und suchte sie zu sehen , die ihn halblaut bat : » Geh aus dem Wege , Leopold ! « » Der ... wird ... ich hab ... mein Jesus ! ... Lene ... « » Mache kein Aufsehen . « » Weib , komm , ich bitte dich ! « stammelte der Mann . » Was willst du ? « Sie gingen aus dem Tor , bogen hinaus auf die Straße , der Sturm war ihnen jetzt im Rücken und trieb sie vorwärts , immer noch wehrte sich der Leopold gegen seine Haare , die ihm in die Augen flogen , gegen seinen Rock , der sich über die Brust bis unter das Kinn hinauf blähte , und gegen den leeren flatternden Ärmel , den der Wind sogar in das weiße Gesicht des jungen Weibes schlug . Die Lene hatte sich eng in ihr langes Umschlagetuch gehüllt , der kleine festanschließende Hut und der straffgespannte Schleier ließen an keinem Härchen ihres glatten Scheitels rühren , die schlanke Gestalt war selbst mitten im Sturm ebenmäßig zusammengehalten , unbewegt . » Was willst du ? « frug sie , leicht Atem holend , während er mit weitgeöffnetem Munde neben ihr her schwankte . » Dich ... sehen ... fragen ... wann ... du heimkommst . « Sie blieb stehen , ließ ihre Augen über den zerfahrenen Mann laufen und sagte dann verlegen : » Zu dir ? « » Zu deinem Buben , zu mir ... zu uns allen « , keuchte er . Sie besann sich , drückte die Wange sacht an die Achsel , ihre weißen Zähne funkelten , daß er sie deutlich sah , und dann zischelte sie : » Zu der Hanne ? « » Was meinst ? ... Ich bitte dich ... bleib stehen ... ich kann nimmer weiter ... Was meinst ? « bat der Leopold dringend . » Ob Platz war für mich neben der andern « , sagte sie und schlug die Augen nieder . » Lene ! ... Haben sie die sündhafte Lüg zu dir auch g ' tragen ... und kannst du das glauben , du ? « » Lebst du nicht mit ihr ? « » Ich lebe mit ihr , ja , aber nicht so , wie die Leute meinen , dazu könnt ich doch eine Schlechtere finden ! « schrie der Leopold . » Freilich . « » Das Mädel ist ehrlich und brav , das weißt du doch genau von jeher . « » Ja , ja « , beschwichtigte die Lene , » braver wie ein Weib , das ihrem Manne durchgeht , gelt ? « frug sie forschend . » Ach laß ... höre mich an ... die Hanne ... « » Paßt besser für dich ! « unterbrach ihn die Lene und schaute lauernd zu ihm auf . » Für mich ... der arme Narr ! ... Hast sie mir darum hingesetzt ? Meinst , der Weis Leopold ist billig worden , weil der Markt aus ist ? Also darum hab ich sie statt dir gefunden ? « » Hast sie aber doch behalten . « » Lene ... zuerst ... Aber wie soll ich dir da im Wind das erzählen . Weißt du , wie schlecht bei uns unten oft das Gerede ist ? Sag , Weib , wer könnt an eine andere denken , wenn er dich hat ? « » Gehabt hat « , murmelte sie . » Frag die Hanne , was ich damals gesagt hab , wie ich bei der Nacht heimkommen bin und gemeint hab , du machst mir die Kucheltür selber auf ... frag ... « » Mit dem Weibsbild habe ich nichts zu reden « , unterbrach sie ihn . » Ah ! ... Das mußt du doch nicht sagen . Du sollst ihr danken dafür ,