, nicht unwürdig erschienen . » Ja . Ich war wüthend und ärgerlich . Darum schrieb ich das . « Er las mit Emphase folgenden Erguß verkniffenen Größenwahns : » Ein feiger Narr der Leidenschaft , Verblendet taumelte ich hin . Nun hat sich endlich aufgerafft Mein wundzerriebener Mannessinn . Du könntest mich vernichten , Weib ? Ich selber war ' s , der mich zerstört . Dem Weib im parfümirten Leib Kaum eine Seele angehört . Dein seelenloser eitler Schwatz Hat nie verdunkelt mein Gemüth . Der Liebe Opferqual mein Schatz , Hätt ' mich auch ohne Dich durchglüht . An eigner Seelenschönheit siech , Hinfiebern wir in holdem Wahn , Bis wir ein Herz in jedem Viech , In jedem Kothe Perlen sahn . Nun laß den Satan los in Dir , Weil Einer Dich als Engel nahm ! Nur wisse eins , ich warne hier : Der Löwe ist nicht immer zahm . Und wisse jeder weise Wicht , Den meine Narrheit tief entzückt : Ein Schaf macht solche Streiche nicht , Der Löwe nur ist oft verrückt . Ich lache ob den abgeschmackten Laffen , Die mich anglotzen mit den Bocksgesichtern . Ich lache ob den Füchsen , die so nüchtern Und hämisch mich beschnüffeln und begaffen . « So , Heinrich Heine , klang Dein gelles Lachen , Als Dich des Pöbels fader Hohn erniedert , Als alberner Verderbniß Höllenrachen , Der Dummheit Heuchelei , Dich angewidert . Wer edel denkt , wird ewig unterliegen , Wer Liebe sucht , der Selbstsucht Wollust finden . Und doch wird nie das Böse ihn besiegen , Weiß er den Thorenschmerz zu überwinden . Nichts lebt , was würdig ist geliebt zu werden Mit eines Künstlerherzens heiliger Reinheit . Betrogen wird , wer je vertraut auf Erden Dem Wahn , man ändere menschliche Gemeinheit . Doch nicht das Lachen kann Dir Ruhe bringen . Es stärke sich Dein Stolz durch Selbstbetrachtung ! Und jede Bosheit wirst Du niederringen Durch Deines Mitleids göttliche Verachtung . Sie hörte aufmerksam zu , indem sie die Hand an den Mund und brachte und leicht am Zeigefinger knabberte . Dabei sah sie ihn mehrmals strahlenden Auges an . » Durch Deines Mitleids göttliche Verachtung ! « wiederholte sie halb für sich . » Spricht wie ein Heiliger . Sieh mal hier ! « sprang sie plötzlich auf und hüpfte an die Kommode , von der sie eine Schnur mit aneinandergereihten Georgsthalern nahm . » Gefallt Dir das ? « Er ließ sie sinnend durch die Hand gleiten . » St. Georg - glaubst Du an solche Heilige noch ? « » Jo , « sagte sie ernsthaft . » Nein , mein Kind , die Heiligen helfen nichts . « » Glaubst Du denn auch nicht an Christus ? « » O ja , Christus lebt noch immer in jedem seiner Jünger . Jeder , der gut ist und liebevoll , wird gekreuzigt als ein Stück Christus . « » Muß denn Jeder dabei gekreuzigt werden , wenn er liebevoll ist ? « » Hm , ja . - Er kann aber trotzdem viel glücklicher sein , als die Andern . Denn Mitleid und Erbarmen machen glücklich . Damit kommt man über Vieles weg , wenn man statt zu verurtheilen sagt : Wer sich rein fühlt , werfe den ersten Stein auf sie . Und das wirkt auch allein . Die Sünderin hat sicher nicht mehr gesündigt . « » So , hm ? « machte sie . » Man sagt doch aber , selbst die Gerechten fielen zehnmal an einem Tag . « » Das ist anders zu verstehn . Den strengen Maßstab von Christus kann doch kein Mensch erfüllen . Er predigt : Wer die Ehe bricht , der soll des Todes sterben sagt das Gesetz . Ich aber sage euch , wer nur ein Weib fleischlich begehrt , der soll des Todes sterben . Und wenn das Gesetz den Todtschläger tödtet , so soll schon der des Todes sterben , der seinen Nächsten haßt . Wer sollte da nicht wohl zehnmal des Tages fallen ! « » Oder sonst was gut ' s , « murmelte sie gedankenlos und kante an ihrem Finger , indem sie ihn verstohlen anschielte . » Also heut zum letztenmal ! « murmelte er . » Nun wirst Du ruhn für immer , Du müdes Herz . Hin ist der Wahn , der letzte , Den ewig ich geglaubt . Beruhige Dich ! Laß diese Verzweiflung sein die letzte ! Kein Geschenk hat Für uns das Schicksal als den Tod . Verachte Die grenzenlose Nichtigkeit des Ganzen . « Diese Leopardischen Verse , die er halblaut vor sich hin gesummt , schienen ihrer Stimmung besonders zuzusagen . Denn sie stürzte eiligst zu ihrem Koffer und entnahm demselben ein schwarzes Büchlein , worauf Poesie , zu lesen stund . » Ach bitte , schreib mir das ein ! « » Was , hier ? « Er nahm das Büchlein und entfaltete es . Nur wenige Seiten beschrieben . Auf der ersten , die er aufschlug , fiel ihm ein kleines Lied entgegen , das er ihr einst gestiftet . Darunter : » Erinnerung an E.R. « » Das hat mir zu gut gefallen , « erklärte sie mit lieblichem Erröthen . - Dann kam da ein Gedicht auf Passau » mit dem großen heiligen Dom « und dem rauschenden Inn . » Von wem ist denn das nun ? « » Von mir , « sagte sie lächelnd . » Oho ! Und was haben wir denn hier ? Entfaltet gleichsam einer Rose , Schaust Du aus lustigen Augen in die Welt hinein . Ich rufe jetzt auf Wiedersehn , Heut wo wir Zwei am Scheidewege stehn , Ich schließe Dich in mein Herzkämmerlein . Reimen thut sichs zwar nicht , aber ' s ist wahr . Donner und Doria , welch ein Poet ! Der scheint ja eine fabelhafte Leidenschaft für Dich zu haben !