« » Nein , Johanna , falsch is sie nu grade nich . Und sie hat dir auch öfter aus der Patsche geholfen . Du weißt schon , was ich meine . « » Gott , warum ? Weil sie selber mit drinsaß und weil sie sich ewig ziert und wichtig tut . Wer so dick ist , ist nie gut . « » Jott , Johanna , was du nur redst . Umgekehrt is es , die Dicken sind immer gut . « » Na meinetwegen . Aber das kannst du nicht bestreiten , daß sie ' ne lächerliche Figur macht . Sieh doch nur , wie sie dahinwatschelt ; wie ' ne Fettente . Und immer bis oben ran zu , bloß weil sie sich sonst vor anständigen Leuten gar nicht sehen lassen kann . Und , Margot , das laß ich mir nicht nehmen , ein bißchen schlanke Figur ist doch die Hauptsache . Wir sind doch noch keine Türken . Und warum wollte sie nicht mit auf den Kirchhof ? Weil sie sich jrault ? I bewahre , sie denkt nich dran , bloß weil sie sich wieder eingeknallt hat und es vor Hitze nicht aushalten kann . Und is eigentlich nich mal so furchtbar heiß heute . « So gingen die Gespräche , bis sich die beiden Paare schließlich wieder vereinigten und auf einen mit Moos bewachsenen Grabenrand setzten . Isabeau sah öfter nach der Uhr ; der Zeiger wollte nicht recht vom Fleck . Als es aber halb zwölf war , sagte sie : » Nun , meine Damen , ist es Zeit ; ich denke , wir haben jetzt gerade genug Natur gehabt und können mit Fug und Recht zu was andrem übergehen . Seit heute früh um sieben eigentlich keinen Bissen . Denn die Grünauer Schinkenstulle kann ich doch nicht rechnen ... Aber Gott sei Dank , alles Entsagen , sagt Balafré , hat seinen Lohn in sich , und Hunger ist der beste Koch . Kommen Sie , meine Damen , der Rehrücken fängt an wichtiger zu werden als alles andre . Nicht wahr , Johanna ? « Diese gefiel sich in einem Achselzucken und suchte die Zumutung , als ob Dinge wie Rehrücken und Bowle je Gewicht für sie haben könnten , entschieden abzulehnen . Isabeau aber lachte . » Nun , wir werden ja sehn , Johanna . Freilich der Zeuthner Kirchhof wäre besser gewesen . Aber man muß nehmen , was man hat . « Und damit brachen allesamt auf , um aus dem Wald in den Garten und aus diesem , drin sich ein paar Zitronenvögel eben haschten , bis in die Front des Hauses , wo gegessen werden sollte , zurückzukehren . Im Vorübergehen an der Gaststube sah Isabeau den mit dem Umstülpen einer Moselweinflasche beschäftigten Wirt . » Schade « , sagte sie , » daß ich grade das sehen mußte . Das Schicksal hätte mir auch einen besseren Anblick gönnen können . Warum gerade Mosel ? « Vierzehntes Kapitel Eine rechte Heiterkeit hatte nach diesem Spaziergange trotz aller von Isabeau gemachten Anstrengungen nicht mehr aufkommen wollen , was aber , wenigstens für Botho und Lene , das schlimmere war , war das , daß diese Heiterkeit auch ausblieb , als sich beide von den Kameraden und ihren Damen verabschiedet und ganz allein , in einem nur von ihnen besetzten Kupee , die Rückfahrt angetreten hatten . Eine Stunde später waren sie , ziemlich herabgestimmt , auf dem trübselig erleuchteten Görlitzer Bahnhof eingetroffen , und hier , beim Aussteigen , hatte Lene sofort und mit einer Art Dringlichkeit gebeten , sie den Weg durch die Stadt hin allein machen zu lassen , » sie seien ermüdet und abgespannt und das tue nicht gut « , Botho aber war von dem , was er als schuldige Rücksicht und Kavalierspflicht ansah , nicht abzubringen gewesen , und so hatten sie denn in einer klapprigen alten Droschke die lange , lange Fahrt am Kanal hin gemeinschaftlich gemacht , immer bemüht , ein Gespräch über die Partie , und » wie hübsch sie gewesen sei « , zustande zu bringen - eine schreckliche Zwangsunterhaltung , bei der Botho nur zu sehr gefühlt hatte , wie richtig Lenens Empfindung gewesen war , als sie von dieser Begleitung in beinahe beschwörendem Tone nichts hatte wissen wollen . Ja , der Ausflug nach » Hankels Ablage « , von dem man sich soviel versprochen und der auch wirklich so schön und glücklich begonnen hatte , war in seinem Ausgange nichts als eine Mischung von Verstimmung , Müdigkeit und Abspannung gewesen , und nur im letzten Augenblick , wo Botho liebevoll , freundlich und mit einem gewissen Schuldbewußtsein sein » Gute Nacht , Lene « gesagt hatte , war diese noch einmal auf ihn zugeeilt und hatte , seine Hand ergreifend , ihn mit beinah leidenschaftlichem Ungestüm geküßt : » Ach , Botho , es war heute nicht so , wie ' s hätte sein sollen , und doch war niemand schuld ... Auch die andern nicht . « » Laß es , Lene . « » Nein , nein . Es war niemand schuld , dabei bleibt es , daran ist nichts zu ändern . Aber daß es so ist , das ist eben das Schlimme daran . Wenn wer schuld hat , dann bittet man um Verzeihung , und dann ist es wieder gut . Aber das nutzt uns nichts . Und es ist auch nichts zu verzeihn . « » Lene ... « » Du mußt noch einen Augenblick hören . Ach , mein einziger Botho , du willst es mir verbergen , aber es geht zu End . Und rasch , ich weiß es . « » Wie du nur sprichst . « » Ich hab es freilich nur geträumt « , fuhr Lene fort . » Aber warum hab ich es geträumt ? weil es mir den ganzen Tag vor der Seele steht . Mein Traum war nur