, daß du kommst , und wird dir aufmachen . « Mit ein paar Sätzen war Pavel auf dem Feldrain , einen Augenblick hob sein dunkler Schatten sich vom bleigrauen Horizont ab , dann war er verschwunden . Virgilova trat auf ihren Mann zu , faßte ihn am Arm und zog ihn einige Schritte mit sich fort . » Jetzt laufst dem Buben nach und sagst ihm : Bald hätt die Frau vergessen ; das da muß er zuerst austrinken und das Flascherl gleich wieder zurückschicken , damit die Frau es im Mörser zerstoßen und das Pulver auf sieben Maulwurfshügel streuen kann , sonst hilft alles nichts . So sagst ihm und das gibst ihm . « Sie drückte ihm ein kleines kaltes Ding in die Hand , bei dessen Berührung ihn schauderte . » Um Gottes willen , ist da was Unrechtes drin ? « » ' s is was gegen die Schmerzen ; die werden gut davon . « » Wie den Ratzen ihre « , sagte er und fügte , plötzlich in Zorn geratend , hinzu : » Warum hast du ' s nicht gleich dem Buben mitgegeben , warum soll ich ' s hintragen ? « Sie kicherte : » Daß du nicht sagen kannst , wenn ' s aufkommt : Ich weiß nichts davon ; daß du mich nicht sitzenlassen kannst , wie du gern möchtest , wenn ' s schief geht ; darum , du Feigling . Und jetzt lauf . « Er trat von ihr weg : » Ich geh nicht « , sagte er . » So laß ihn leiden ! ... Niemand weiß , was der noch leiden muß . Sein eigener Sohn könnt ihm nichts Besseres tun , als ihn erlösen . Er wird zu seinem Sohn noch sagen : Bring mich um , oder ich fluch dir ! ... Lauf , lauf ! ... Willst noch nicht ? ... So laß ihn leiden wie einen gebissenen Hund , damit er Zeit hat , die Vinska in den Brunnen zu jagen und den Sohn um sein Glück zu fluchen und sich selber ums ewige Leben . « Sie sprach leise mit heftiger und furchtbarer Beredsamkeit , und Virgil zuckte unter dem Schwall ihrer Worte wie von tausend Nadeln gestochen . » Ein Liebeswerk « , schloß sie , » ein Werk der Barmherzigkeit , den zu erlösen . Was ein rechter Mann wär , tät ' s um Gottes willen . « Er keuchte , es war ihm gräßlich , zu sehen , daß die Augen seines Weibes in der Dunkelheit glimmten von eigenem fahlen , weißlichen Licht . » Um Gottes willen ? ... Um Gottes willen also « , wiederholte er , wandte sich und trat seine Wanderung an . Das Gäßchen , dem er zueilte , wurde von der Rückwand einiger Scheuern und vom Zaun des Bürgermeistergartens gebildet . An der Ecke des letzteren angelangt , blieb Virgil stehen . Hinter dem Zaun regte sich ' s ... Ein Geflüster drang an des Alten Ohr , ein zärtliches Liebesgeflüster , ein Seufzen , Kosen , Küssen , ein Abschiednehmen für eine Nacht , als wär ' s für die Ewigkeit ... Es sind die zwei , dachte Virgil , es ist der Racker , der da küßt und herzt - der Racker , für den ich hingehen und töten muß ... Muß ich ? ... War gestern bei der Beicht , und geh aufs Monat wieder ... Und das könnt ich nicht beichten , und dafür gibt ' s keine Absolution , dafür gibt ' s nur die Hölle . - Am vorigen Sonntag hat der Pfarrer von ihr gesprochen und ihre Qualen ausführlich geschildert . Der Hirt eilt immer noch vorwärts , seine Zähne schlagen zusammen , es pfeift laut in seiner Brust . Heulen und Zähneklappern , das ist schon die Hölle , er trägt sie schon in sich ... Außer ihm ist sie aber auch , die Dunkelheit ist Hölle ... Und was wandert da vor ihm her , was für ein breiter , schwarzer Strich , noch schwärzer als die Finsternis ? - Ei , der Pavel ! blitzt es durch das chaotische Durcheinander seiner Vorstellungen . Ruf ihn - so ruf ihn doch , ermahnt er sich selbst ... Wozu ? Nun , um ihm das Gift ... er dachte es nicht mehr aus . Ihm war , als ob sein Kopf wüchse und groß würde wie ein Zehneimerfaß und als ob seine Füße so schwach und dünn würden wie Weidenruten ; und diese schwachen Füße sollen den ungeheuren Kopf tragen und die Hölle , die er in der Brust hat ? Das geht nicht , das nimmermehr ... Was aber geschieht jetzt ? Heiliges Erbarmen ! ... Der schwarze Strich verändert die Form , und es ist nicht Pavel , es ist der leibhaftige Teufel , hinter dem Virgil einhergeht , der Teufel , der sich nicht einmal nach ihm umsieht , so sicher ist er : Der folgt mir gewiß . Dem Hirten schwindelt , und er bricht zusammen . » Nein ! « würgt er hervor , » nein , ich tu ' s nicht ! Herrgott im Himmel , gebenedeite Dreifaltigkeit , verzeih mir meine Sünden ! « Und vor dem Namen des Höchsten und Heiligsten verrinnt der Spuk , und es ist Pavel , der sich jetzt über den Alten beugt und fragt : » Was wollt denn Ihr da ? « » Ich , ich ? « schluchzt Virgil und klammert sich mit beiden Händen an ihm fest . » Ich - nichts . Gift hab ich bringen sollen , aber ich tu ' s nicht ... « Er erhob sich , den Arm Pavels immer festhaltend , zertrat das Fläschchen und stampfte die Scherben in die Erde . » Schau mir zu « , rief er , » bleib da und schau mir zu . « » Laßt mich aus , Ihr seid einmal wieder