sich , kein fremdes Gesicht darunter ; die Auswärtigen hatten ja in ihrem Ort selbst Tanzunterhaltung . Mit der Kirchweih war ' s ein anderes , da gab es für den gleichen Tag oft auf Meilen in der Runde keine so vielversprechende Lustbarkeit ; was Wunder , wenn sich auch von meilenweit Gäste dazu einfanden ? Die führten meist - unversehens oder wohl auch absichtlich - Unfug und Streit herbei . Daß die vorjährige Kirchweih so glimpflich abgelaufen war , dafür dankte die Zwischenbüheler Wirtin dem lieben Gott und schrieb es insonders den harten Zeiten zu , die den Leuten den Übermut benähmen . Daß von diesem ersten bis zum letzten alle diesjährigen Bälle den vorangegangenen auf ein Haar gleichen würden , das war ihre Überzeugung , und das sagte sie auch ihrem Manne und fand es für gar albern , wie er eins da mit seinen Ahnungen erschrecken möge . Der Wirt lächelte und nickte in freudig eingestehender Beschämung dazu , zum Reden hatte er keine Zeit . Der Tag hatte sich gut angelassen und schien ebenso enden zu wollen . Stunde um Stunde war in lärmender Lustigkeit , ohne das geringste Anzeichen einer beginnenden Entzweiung verstrichen . Eifernde hatten sich durch ein Scherzwort begütigen , Aufbegehrerische auf die Stühle , die sie schon hinter sich gestoßen hatten , wieder zurückziehen lassen . Schon begann eine friedliche Auslese der schwächeren , aber trotzdem und vielleicht eben darum nicht ungefährlichen Elemente der Gesellschaft ; manch einer , der » mühselig und überladen « war , taumelte durch den Flur nach dem Garten , stöhnte zu den Sternen auf und wies dem Monde ein gleich fahles Gesicht oder schlug nach wenigen Schritten zu Boden , blieb auf der mütterlichen Erde liegen und deckte sich mit dem ewigen Himmel zu . Wie hätte es den Wirt von Zwischenbühel , der heute paar Arme zuwenig hatte , gaudiert , wenn er den von Schwenkdorf hätte sehen können , der viere zuviel hatte : zwei , die ihm am Leibe angewachsen waren und die er , um kein Aufsehen zu machen , in anscheinender Gleichmütigkeit in den Hosentaschen vergrub , und zwei geistige , die er in heller Verzweiflung über dem Haupte rang , so daß ihm vorkam , als ob ihn darüber wirklich die Schulterblätter schmerzten . Es konnte aber auch nicht mit rechten Dingen zugehen ! Da sprangen Knechte und Mägde , Kleinhäuslerbuben und -dirnen auf dem Tanzboden herum , von den reichen Bauerssöhnen aber ließ sich auch nicht einer blicken , und die Töchter der häbigsten Anwesner , Käsbiermartels Sali obenan , saßen gekränkt und gelangweilt neben den scheltenden Angehörigen . Es hatte sich aber ganz ohne Hexerei so gefügt . Der Toni vom Sternsteinhof war beizeiten auf dem einspännigen Steirerwägelchen vom Hause weggefahren . Als er Zwischenbühel außer Sicht hatte , begann er auf das Pferd loszupeitschen . » Krampen , elendiger , greif aus ! « schrie er . » Gelt , zun Tanz sollst mich schleppen , kupplerische Schindmährn ? Drum stünd dir ein scharfs Traberl nit an , weil d ' meinst , ' s hätt kein so Eil und wir träfen noch allweil fruhzeitig gnug hin ! Dö Mucken laß dir vergehn ! Sorg nit , du sollst noch heut ein übrigs vom Tanz haben , daß dir die Zungen hraushängt . Hiö ! « Hier , wie oft anderswo , war es ein wahrer Segen für die Reputation des Menschen , daß sich das Tier weder auf dessen Rede noch Handlungsweise verstand . Die arme braune Stute ahnte also gar nicht , daß ihr eine Leidenschaft fürs Tanzen zugemutet wurde ; von dem Geschrei hinter ihr und den Peitschenhieben aber fühlte sie sich bedeutet , daß es sich ums Laufen handle , und das tat sie denn rechtschaffen . In Schwenkdorf gab es mehrere reiche Bauern , deren Söhnen hatte sich der Toni als Kamerad angeschlossen , und wenn er unter ihnen saß , ließen sie ihn gern als » Ersten « gelten , war er abwesend , so folgten sie der Leitung und den Eingebungen des Tollsten und Geschwänkigsten , und dafür galt der Müller-Simerl : auf dessen Mitwirkung zählte der Toni . Nahe bei Schwenkdorf lenkte er von der Straße ab und fuhr , hinter dem Orte , in leichtem Trott nach der Mühle . Er traf den Simerl daheim und machte ihm den Vorschlag , den heurigen Fasching mit einem » kapitalen Stückel einzuweihen « , wobei sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlügen ; nämlich , keiner von ihnen , was ein rechter Bub sei , sollte auf den Schwenkdorfer Tanzboden gehen , sondern mit ihm fahren , ins Zwischenbüheler Wirtshaus einfallen und den Buben die Dirnen wegnehmen . Fix hnein ! Den Ärger hüben und drüben ! Und wurd das ein Aufsehen machen ! Z ' Schwenkdorf und z ' Zwischenbühel und weiter in der ganzen Gegend gäb ' s ' n Leuten fürs liebe lange Jahr z ' reden ! Der Gedanke war zu schön , um unausgeführt zu bleiben . Simerl und Toni liefen Gehöft aus und Gehöft ein , um Teilnehmer zu werben , und als die Musikanten im Schwenkdorfer Wirtshause zu trompeten begannen , als wollten sie - wie der Simerl meinte - das Dach vom Haus weg gegen ' n Himmel blasen , stand im Hofe der Mühle eine Schar junger Bursche , untereinander mit verhaltenem Lachen flüsternd , und mancher fühlte sich ganz angenehm beklommen vor Aufregung über die Heimlichkeit , Schelmerei , Rauflust und Dirnverschreckung , die alle da so hübsch in einem mit unterliefen . Der alte Müller , Simerls Vater , half selbst mit , das Steirerwägelchen in den Schupfen zu schieben und Tonis braune Stute an den schweren Leiterwagen zu spannen ; seine Triefäuglein glänzten vor Bosheit , und das Kinn seines zahnlosen Kiefers wackelte vor Lachen . » Unterhalts enk gut , ös Sakra « , kreischte er , als der Wagen davonfuhr . » Lustig , nur lustig