es alles wüßte , und was es wußte , sagte es alles seinem Großvater , und vor dem fürchtete der Peter sich ja , wie vor keinem andern . Wenn der nun vernähme , was mit dem Stuhl vorgegangen war ! Den Peter würgte die Angst immer ärger . Er stand auf und kam dem wartenden Heidi entgegen . » Ich komme , aber dann mußt du das nicht machen « , sagte er , so zahm vor Furcht , daß das Heidi ganz mitleidig wurde . » Nein , nein , das tu ' ich nun schon nicht « , versicherte es ; » komm jetzt nur mit mir , es ist nichts zum Fürchten , was du tun mußt . « Bei Klara angelangt , ordnete nun das Heidi an , auf der einen Seite sollte der Peter , auf der andern wollte es selbst Klara fest unter dem Arm fassen und aufheben . Das ging nun ziemlich gut , aber jetzt kam das Schwierigere . Klara konnte ja nicht stehen , wie sollte man sie nun festhalten und vorwärts bringen ? Das Heidi war zu klein , um ihr mit seinem Arm eine Stütze zu bieten . » Du mußt mich jetzt um den Hals nehmen , ganz fest - so . Und den Peter mußt du am Arm nehmen und ganz fest darauf drücken , dann können wir dich tragen . « Aber der Peter hatte noch nie jemandem den Arm gegeben . Klara umfaßte diesen wohl ; der Peter aber hielt ihn ganz steif am Leib herunter , wie einen langen Stecken . » So macht man es nicht , Peter « , sagte das Heidi sehr bestimmt . » Du mußt mit dem Arm einen Ring machen , und dann muß die Klara mit dem ihrigen durchfahren , und dann muß sie ganz fest aufdrücken und du mußt um keinen Preis nachgeben , dann kommen wir schon vorwärts . « Das wurde nun so ausgeführt . Man kam aber nicht gut vorwärts . Klara war nicht so leicht und das Gespann zu ungleich in der Größe ; auf der einen Seite ging es herab und auf der andern hinauf , das gab eine ziemliche Unsicherheit in den Stützen . Klara probierte es hier und da ein wenig mit den eigenen Füßen , zog aber einen nach dem andern immer bald wieder zurück . » Stampf einmal recht herunter « , schlug das Heidi vor , » dann tut es dir gewiß nachher weniger weh . « » Meinst du ? « sagte Klara zaghaft . Sie gehorchte aber und wagte einen festen Tritt auf den Boden und dann mit dem zweiten Fuß ; sie schrie aber ein wenig auf dabei . Dann hob sie den einen wieder und setzte ihn leiser hin . » O , das hat schon viel weniger weh getan « , sagte sie voller Freude . » Mach ' s noch einmal « , drängte eifrig das Heidi . Klara tat es und dann noch einmal und noch einmal , und auf einmal schrie sie auf : » Ich kann , Heidi ! O ich kann ! Sieh ! sieh ! Ich kann Schritte machen , einen nach dem andern . « Jetzt jauchzte das Heidi noch viel mehr auf . » O ! o ! Kannst du gewiß selbst Schritte machen ? Kannst du jetzt gehen ? Kannst du gewiß selbst gehen ? O wenn nur der Großvater käme ! Jetzt kannst du selbst gehen , Klara , jetzt kannst du gehen ! « rief es ein Mal ums andere in jubelnder Freude aus . Klara hielt sich wohl fest an auf beiden Seiten ; aber mit jedem Schritt wurde sie ein wenig sicherer , das konnten alle drei empfinden . Das Heidi kam ganz außer sich vor Freude . » O , nun können wir alle Tage miteinander auf die Weide gehen und auf der Alp herum , wo wir wollen « , rief es wieder aus , » und du kannst dein Lebtag gehen , wie ich , und mußt nie mehr im Stuhl gestoßen werden und wirst gesund . O , das ist die größte Freude , die wir haben können ! « Klara stimmte mit dem ganzen Herzen ein . Gewiß kannte sie gar kein größeres Glück auf der Welt , als auch einmal gesund zu sein und herumgehen zu können , wie die anderen Menschen , und nicht mehr elend die ganzen Tage lang in den Krankensessel gebannt zu sein . Es war nicht weit zu der Blumenhalde hinüber . Dort sah man schon das Glitzern der Goldröschen in der Sonne . Jetzt waren sie bei den Büschen der blauen Glockenblumen angekommen , wo zwischendurch der sonnige Boden so einladend aussah . » Können wir nicht hier niedersitzen ? « fragte Klara . Das war ganz nach Heidis Wunsch , und mitten in die Blumen hinein setzten sich die Kinder ; Klara zum erstenmal auf den trockenen , warmen Alpenboden hin ; das gefiel ihr unbeschreiblich wohl . Und nun rings um sie die wiegenden blauen Glockenblumen , die schimmernden Goldröschen , das rote Tausendgüldenkraut und um und um der süße Duft der braunen Kolbenblümchen , der würzigen Prünellen . Alles war so schön ! so schön ! Auch das Heidi neben ihr meinte , so schön sei es noch nie gewesen da oben , und es wußte gar nicht , warum es eine solche Freude im Herzen hatte , daß es nur immer hätte laut jauchzen mögen . Aber auf einmal kam es ihm dann wieder in den Sinn , daß Klara gesund geworden war ; das war zu allem Schönen ringsumher noch die allergrößte Freude . Klara wurde ganz still vor Wonne und Entzücken über alles , was sie sah , und über alle die Aussichten , die ihr aufgegangen waren durch das eben Erlebte . Das große Glück hatte fast nicht Platz in ihrem Herzen , und der Sonnenglanz und Blumenduft