in die Wanten gesetzt , und eine weiße Laterne kam in den Vortop . Der Untersteuermann , der seines besonders scharfen Auges wegen der » Fernkieker « genannt wurde , verbrachte fast die ganze Zeit neben dem Matrosen auf dem Ausguck , und der Obersteuermann ging fortwährend an Deck von einer Seite zur andern , um ein vorübersegelndes Schiff rechtzeitig zu bemerken . Diese Vorsicht war nur allzu gerechtfertigt . Robert sah , wie nacheinander mehrere Schiffe in nächster Nähe rechts und links an der » Antje Marie « vorüberzogen , so nahe , daß zwischen dem einen und dem andern Fahrzeug nur wenige Meter Entfernung blieben . Im Nebel sahen diese Schiffe geradezu riesig aus , lautlos wie Nachtgespenster glitten sie vorbei . Der Obersteuermann trat in die Kajüte . » Ist kein Nebelhorn an Bord , van Swieten ? « fragte er . Der Kapitän nickte . » Doch , Renefier . Hier im Schrank muß es liegen . Such nur , es ist entweder da , wo meine Kleider hängen , oder bei den Notsegeln . Finden wirst du es bestimmt ! « Der Steuermann warf ärgerlich durcheinander , was ihm zwischen die Finger kam . Seine Füße stampften vor Ungeduld auf den Boden . » Eine Teufelswirtschaft « , brummte er . » Im dichtesten Nebel das Horn nicht finden . Da soll doch - - « Er brach ab , weil die Tute , auf dem Boden des Kleiderschrankes unter Stiefeln und Tauenden vergraben , endlich zum Vorschein kam . Ohne ein weiteres Wort zu verlieren , ging er hinaus und drückte das Instrument dem nächsten Matrosen in die Hand . » Alle zwei Minuten ! « befahl er . » Aha , dort wird es auch schon auf anderen Schiffen lebendig . « Und wirklich hörte man über das ruhige Wasser von allen Seiten die klagenden , langgezogenen Töne . Es lief kalt über Roberts Rücken herab , als er das sonderbare Konzert mit anhörte . Wie Warnungsrufe aus einer anderen Welt klangen die Hörner . » Passiert es häufig , daß zwei Schiffe zusammenstoßen ? « fragte er flüsternd einen der Matrosen , der neben ihm stand . Der Mann nickte . » Sehr oft sogar « , bestätigte er . » Ich selbst bin einmal nahe daran gewesen - auf Haaresbreite , möchte ich sagen . Das war in der Nordsee und der Nebel so dicht , daß wir vom Großmast aus den Bugspriet nicht sehen konnten . Plötzlich ertönte ein furchtbares Krachen - im Nu waren wir an Deck , aber da sank schon das Schiff unter unsern Füßen . Ich weiß von dem ganzen Vorfall nur noch soviel , daß ich halb besinnungslos ein über mir erscheinendes Tau ergriff . Es war das Bugstag des anderen Schiffes ; ich hielt mich mit allen Kräften daran fest und wurde auch schon nach wenigen Augenblicken durch ein Schlingtau an Bord geholt . Es war eine englische Brigg , mit der wir zusammengestoßen waren . Sie legte sich back , setzte ein Boot aus und versuchte , auch die übrige Mannschaft des sinkenden Fahrzeuges zu retten , aber bis man die nötigen Vorbereitungen getroffen hatte , war alles zu spät . Vor unsern Augen verschwanden die Mastspitzen , als das Boot den Wasserspiegel berührte . « Robert fühlte doch ein unüberwindbares Grauen . Er ging auch dann nicht zur Koje , als seine Wache abgelöst wurde , sondern blieb an Deck und horchte und spähte in den Nebel hinaus . Gegen Mitternacht wurde der Wind etwas stärker , und sogar einzelne heftige Stöße fuhren durch das Takelwerk . » Alle Mann an Deck ! « erschallte die Stimme des Obersteuermanns , und die vor kaum einer Stunde zur Koje gegangene Wache mußte aus den warmen Decken wieder heraus und in der kalten Herbstnacht ihre beschwerliche Arbeit verrichten . » Zwei Reffs in die Marssegel ! « Einer vor dem andern stürmte die Mannschaft in die Wanten hinauf , und jeder bemühte sich , der erste zu sein . Selbst Gallego und der Kochsmaat , ebenso der Zimmermann , die sonst nur an Deck arbeiteten , mußten mit hinauf , so daß bloß die Leichtmatrosen und die Jungen von diesem gefährlichen Dienst verschont blieben . Sie bedienten an Deck die Fallen und Brassen . Da bei der kleinen Besatzung nur immer ein Mast zur Zeit vorgenommen werden konnte , mußte man , bevor der Wind ganz aufgekommen war , schon die Segel wegnehmen . Es blieb jedoch alles ruhig , und am Morgen strahlte bei scharfer Kälte die hellste Sonne vom Himmel herab . Robert sah wieder , wenn auch nur als ferne dunkle Umrisse , die Küste des festen Landes , er sah unzählige Fischerboote , die in größerer oder geringerer Nähe wie Nußschalen auf dem Wasser schwammen , und erlebte dann etwas , was ihn ganz besonders interessierte . Einer der Matrosen , der erst in Hamburg an Bord gekommen war , schrieb auf seiner Kiste einen Brief und steckte ihn dann in eine leere Weinflasche , die er vorher gereinigt hatte . Zwei englische Schilling folgten dem Papier , und dann erhob sich der Mann , um den Kapitän um etwas Siegellack zu bitten . Roberts Augen waren neugierig jeder Bewegung gefolgt . » Was tun Sie da ? « fragte er unwillkürlich . » Wollen Sie die Flasche ins Meer werfen ? « » Beinahe ! « lächelte der Mann . » Aber hast du vielleicht auch ein paar Worte an die Deinen zu bestellen , so beeile dich . Zehn Minuten will ich noch warten , Papier ist hier . « Robert ließ sich das nicht zweimal sagen , er ergriff mit Freuden die Gelegenheit , seine alten Eltern zu beruhigen und um Verzeihung zu bitten . Die Feder flog förmlich über das Papier , als zufällig der Kapitän in die Nähe der Tür kam und den Jungen schreiben sah . Rasch ging er zur Kajüte zurück - Als