Steuerinspektor Hagebucher war ebenso natürlich ein ausgezeichnetes , wohlangesehenes Mitglied dieser trefflichen Gesellschaft . Seine Pfeife mit einer Fliege auf dem Kopfe wurde vom Kellner mit kaum geringerm Respekt in Verwahrung gehalten als die des Kreisgerichtsdirektors und des Generalsuperintendenten ; er - der Herr Steuerinspektor - war sehr eigen in betreff seiner Pfeife . Sein Platz wurde selten von einem frechen oder unwissenden Usurpator eingenommen . Er der Inspektor - machte keinen Anspruch darauf , die Zeitungen zuerst zu bekommen , aber er bekam sie zu seiner Zeit und erinnerte sich nicht , daß ein anderer als ein hospitierender Vorgesetzter oder sonst im höhern Rang stehender Mann die althergebrachte Reihenfolge in frevelhaft politischer Neugier gestört habe . Viele , viele Jahre hindurch hatte sich der Steuerinspektor Hagebucher ungemein behaglich in diesem Kreise der Aristoi , der Besten in Nippenburg , gefühlt ; und sowohl vor als nach seiner Pensionierung war der Tag in seinem Kalender schwarz unterstrichen , an welchem ihn irgendein Umstand zwang , seine Pfeife , seinen Stuhl und die Zeitung daselbst einmal aufzugeben . Es entstand dann eine Lücke in seinem Dasein , für welche seine Hausgenossen jedesmal ziemlich schwer zu büßen und mit ihrer Behaglichkeit einzutreten hatten . Was ist aber der Mensch und das Vergnügen des Menschen ? Es hat beides seine Zeit und leider eine gar kurze . Wir mögen noch so sicher , sei ' s hinter dem Ofen oder am Fenster , je nach unserm Geschmack Posto fassen : über ein kurzes , und die Nesseln drängen sich durch den weichsten Teppich , das schönste Parkett , wuchern um unsere Füße , wachsen und schlagen über unserm Kopfe zusammen . Es ist an und für sich ein nobles Gefühl , Stammgast zu sein , Stammgast sowohl auf der grünen Erde wie im Goldenen Pfau : aber dauerhaft ist der Genuß keineswegs , und der Steuerinspektor Hagebucher fühlte sich seit einiger Zeit längst nicht mehr so wohlig im Goldenen Pfau wie früher . Niemand aber trug die Schuld daran als der Afrikaner , der aus dem Tumurkielande so unvermutet heimgekehrte Sohn . Seltsam ! Solange unser wackerer Freund Leonhard in der geheimnisvollen Ferne undeutlich und schattenhaft vor den Augen von Nippenburg umhertanzte , ja sogar als ein Verlorener erachtet werden mußte , zog sein Papa im Pfau einen gewissen wehmütig-würdigen Genuß aus ihm . Man wußte ja von seiner Tätigkeit auf der Landenge von Suez und seiner Fahrt nilaufwärts ; der junge Mann war gewissermaßen ein Stolz für die Stadt , und wenn er wirklich zugrunde gegangen war , so hatte Nippenburg das unbestreitbare Recht , sich seiner als eines » Märtyrers für die Wissenschaft « zu erfreuen und ihn mit Stolz unter all den andern heroischen Entdeckern als den » Seinigen « zu nennen . Es war sogar bereits die Rede davon gewesen , ob man dem heldenmütigen Jüngling nicht eine Marmortafel an irgendeinem in die Augen fallenden Ort oder seinem Geburtshause schuldig sei , und der Papa Hagebucher hatte bei einer jeden derartigen Verhandlung das Lokal stumm , gerührt , aber doch gehoben verlassen und das achtungsvolle Gemurmel hinter sich bis tief ins Innerste verspürt . Nun hatte sich alles dieses auf einmal geändert und war sogar ins Gegenteil umgeschlagen . Der tief bedauerte Afrikareisende war heimgekehrt , aber nicht als glorreicher Entdecker ; und wer sich allmählich sehr getäuscht und gekränkt fühlte , das war die gute Stadt Nippenburg . Schon im fünften Kapitel ist davon die Rede gewesen , wie sie im allgemeinen ihn aus ihrem goldenen Buche strich ; wie aber der Goldene Pfau im besondern sich zu und gegen ihn und seinen Erzeuger verhielt , das muß noch gesagt werden . Der Goldene Pfau fing ganz süß , sanft , sacht an , seinen Stimmungen Ausdruck zu geben ; aber man weiß , über welche Stimmmittel dieses Gevögel zu gebieten hat , sobald es ihm Ernst wird , seine Meinung zu äußern . Der Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen ist sicher nicht kürzer als der vom Bedauern zum Hohn , und der Papa Hagebucher durfte sehr bald als Autorität für diesen Erfahrungssatz vortreten , ohne jedoch im geringsten hieraus einen Genuß zu ziehen . Man zog ihn bald ganz erschrecklich auf mit dem » berühmten « Sohn , und nachdem dieser sogar frech genug gewesen war , die ihm angetragene Stelle auszuschlagen , nahm keiner der Herren im Klub mehr ein Blatt vor den Mund , sondern man erklärte den Mann aus dem Tumurkielande kurzweg für einen Lumpen . Der Steuerinspektor schluckte nun im Goldenen Pfau Galle und Gift löffelweise , pillen- und pulverweise , und das schlimmste war , daß er ganz und gar auf der Seite der Achselzucker , Seufzerfabrikanten und Spötter stand und alles , was man ihm in betreff des Sohnes zusammenkochte und -braute , selber im eigenen Busen wütend durcheinanderquirlte . An jedem Abend kehrte er verbissener und grimmiger aus dem Pfau heim ; denn die Gesellschaft hielt mit Energie an diesem ausgiebigen Unterhaltungsstoff fest , was ihr eigentlich auch nicht zu verdenken war , da er gleich einem guten Wein mit den Tagen an Gehalt zunahm . Es ist traurig , aber wahr : je tiefer unser Freund Leonhard in der Achtung des Goldenen Pfaus sank , desto lieber wurde er ihm . Der Steuerinspektor gewann ihn freilich nicht lieber : eine Krise mußte kommen , und sie kam ; denn auch der Geduldigste will sein Behagen in seiner Kneipe haben , und daß der Vater Hagebucher nicht zu den Allergeduldigsten gehörte , wissen wir bereits . An diesem Abend , an welchem so viele gute Geister dem freier atmenden Leonhard auf seinem Wege nach Bumsdorf folgten , an diesem Abend , an welchem die Greisin in der Katzenmühle mit milder , aber tapferer Hand alle bösen und hämischen Kobolde von seinem Pfade zurückhalten wollte , an diesem Abend war die Gesellschaft im Pfau anzüglicher denn je . Die hohe und niedere Geistlichkeit überbot die hohe und niedere Jurisprudenz , das