Schwester , willst du sagen , « verbesserte die Assessorin . » Herr von Walde ist doch noch nicht zu alt zum Heiraten ? « » Ach , gehe mir doch mit dem ! « rief Ceres erzürnt . » Die Frau müßte erst noch geboren werden oder geradezu vom Himmel niedersteigen , die dem zusagen sollte ... Der ist aus lauter Hochmut zusammengesetzt und hat noch weniger Herz als sein Vetter ... Was habe ich mich als Mädchen über den geärgert , wenn er bei den Hofbällen in der Thür lehnte , die Arme verschränkt , als wären sie zusammengewachsen , und vornehm auf die Versammlung herabsah ! Nur wenn er von der Fürstin oder den Prinzessinnen zum Tanzen befohlen wurde , rührte er sich von der Stelle ; und auch da hielt er ' s nicht der Mühe wert , zu verbergen , daß er für diese Ehre keinen Pfifferling gebe ... Nun , wie er in Bezug auf diejenige denkt , der er den stolzen Namen der Frau von Walde zu Füßen legen würde , das wissen wir ja , er hat ' s rund heraus erklärt : Ahnen , Ahnen muß sie haben und ihren Stammbaum womöglich vom Männlein und Fräulein in der Arche Noah herleiten können . « Alle lachten , nur Elisabeth blieb ernst . Fräulein von Waldes Benehmen hatte einen tiefen Eindruck auf sie gemacht . Sie war empört und fühlte ihre Ansichten vom menschlichen Charakter gedemütigt ... War eine solche Wandlung in wenig Stunden wohl möglich ? ... Für andere mit weniger idealer Anschauung wäre der unbegreifliche Zauber , den die Baronin Lessen auf Helene von Walde ausübte , sofort aufgeklärt worden durch den Ausspruch der Damen , daß das junge Mädchen den Sohn der Baronin liebe - für Elisabeth jedoch nicht . Jenes erhabene Gefühl , das die Dichter aller Zeiten und Zonen begeistert als das Lieblichste und Herrlichste auf Erden feierten , konnte doch unmöglich zur Triebfeder unedler Handlungen werden ; ebensowenig konnte sie aber auch begreifen , wie Herr von Hollfeld ein solches Gefühl einzuflößen vermochte . Hier betrat sie den einseitigen Standpunkt , auf welchem wir nach unserer Individualität die Neigung anderer bemessen ; aber war es der Instinkt der edlen weiblichen Natur oder in der That jener seltene scharfe Blick , für den die Linien der Physiognomie mit den Fäden der Seele so eng verwebt sind , daß er sie verfolgen kann bis zu ihrem Ursprunge - genug , hier war ihr Urteil über einen Menschen , mit dem sie doch eigentlich noch fast gar nicht verkehrt hatte , vollkommen gerechtfertigt . Herr von Hollfeld war durchaus nicht befähigt , das Ideal einer schönen weiblichen Seele verwirklichen zu können . Er besaß weder Geist noch Witz . Bei alledem war er maßlos eitel und wollte nicht allein durch seine schöne Gestalt Interesse erwecken ; er wußte recht gut , daß die meisten Frauen eher ein häßliches Aeußere , als den Mangel an innerem Fond verzeihen . Es blieb ihm mithin nichts anderes übrig , als jene Verschlossenheit und Schroffheit des Wesens anzunehmen , hinter denen die Welt sehr leicht geneigt ist , durchdringenden Verstand , Originalität und Strenge der Ansichten zu vermuten . Es gab keinen Mann in der Welt , der sich rühmen konnte , auf vertrautem Fuße mit Herrn von Hollfeld zu stehen ; er war schlau genug , jeden Einblick in sein Inneres abzuwehren , und vermied streng jedes eingehende Gespräch mit Männern ; den Damen genügte jene rauhe Schale vollkommen , um hier das Sprichwort vom » desto süßeren Kern « in Anwendung zu bringen . Herr von Hollfeld verstand zu rechnen . Er wurde der Gegenstand stiller Wünsche und Sehnsucht , wie ja das Eroberungsgelüst in der Schwierigkeit den Sporn findet . Was indes Hollfelds Geiste an Kraft und Feuer gebrach , das wurde vollkommen ausgeglichen im Gebiete der niederen Leidenschaften , unter denen die Habsucht und die sinnliche Liebe die Hauptstimme hatten . Um seine Stellung in der Welt zu einer glänzenden und angenehmen zu machen , scheute er keine Intrige ; er hatte den ergiebigsten Boden für dieselbe unter den Füßen , denn er war Kammerjunker am Hofe zu L. Er log und trog und war um so gefährlicher , als hinter seinem geraden , trockenen Wesen niemand , nicht einmal die Männer , einen solchen Feind vermuteten , so wenig , wie die Frauen zugegeben haben würden , daß da , wo ihrer Ueberzeugung nach die köstliche Perle , die Liebe , noch unberührt schlief , eine unreine Flamme verheerend lodere . Elisabeth war froh , als sie den Onkel um die Ecke biegen und auf das Haus zukommen sah . Tief aufatmend saß sie endlich an seiner Seite im Wagen . Sie hatte den Hut abgenommen und badete die heiße Stirn in einem köstlich frischen Abendlüftchen , das leise vorüberstrich . Auf den schwach zitternden Blättern der Pappeln zu beiden Seiten der Fahrstraße glänzte der letzte Sonnenstrahl ; auch über die blühenden Kartoffelfelder flog noch ein goldener Hauch , aber der Wald , der mit seinen Armen Elisabeths trautes Heim umschloß , lag dunkel und düster da drüben , als habe er bereits das sonnige Leben vergessen , das ihm doch heute bis in das innerste Herz geschlüpft war . Der Oberförster hatte das schweigende junge Mädchen einige Male von der Seite angesehen . Plötzlich nahm er Zügel und Peitsche in eine Hand , faßte mit der anderen Elisabeths Kinn und bog ihr Gesicht zu sich herüber . » He , laß mal sehen , Else ! « sagte er . Was , zum Henker , hast ja zwei Runzeln auf der Stirn , so tief , wie der Sabine ihre Ackerfurchen ! ... Hat ' s was gegeben da drin ? Heraus mit der Sprache - du hast dich geärgert , nicht ? « » Nein , Onkel , Aerger war ' s nicht , aber geschmerzt hat es mich , daß du so recht gehabt hast