Stirne zu bannen oder den Zug des Schmerzes von ihrem Munde zu vertilgen . Es war umsonst , daß der Baron sich damit tröstete , die Trauer einer Tochter bei dem Abschiede von den Eltern sei natürlich ; umsonst , daß er sich sagte , diese starke Liebe für die Eltern verspreche ihm Gutes . Es beschlich ihn eine Unruhe , es bemeisterte sich seiner eine Ungeduld , die ihn allmählig verstimmten ; und als am Nachmittage die Sonne sank und der Abend sein bleiches Grau über die weiten , kahlen Flächen des Landes auszubreiten begann , war das Herz ihm beklommen , und sein niedergedrückter Geist hatte Mühe , sich von den Erinnerungen fern zu halten , denen er seit der Unterredung mit dem Caplan entfliehen zu können gehofft hatte . Eine geraume Zeit war vergangen , in welcher weder der Baron noch Angelika ein Wort gesprochen hatten , als diese ganz plötzlich mit anscheinender Ruhe die Frage that : Heißt Jemand Pauline unter den Frauen , die Du kennst ? Den Baron traf es wie ein Stich durch ' s Herz , das Räthsel begann sich ihm in erschreckender Weise zu lösen . Pauline ? wiederholte er , den Schauer niederkämpfend , der ihn beim Aussprechen dieses Namens überfiel , wie kommst Du zu der Frage , Geliebteste ? Angelika war unsicher , ob sie antworten solle , endlich sagte sie : Weil Du mich mehrmals so genannt hast . Es war ein Glück , daß die Laternen des Wagens noch nicht angezündet waren und daß Angelika die Blässe und den Ausdruck seines Gesichtes nicht sehen konnte , als er sich bemühte , sie an einen Irrthum , an ein Mißhören von ihrer Seite glauben zu machen . Aber obschon sie schwieg , war er gewiß , sie nicht überzeugt zu haben , und in die Nothwendigkeit versetzt , ähnlichen Möglichkeiten vorzubeugen , sagte er : Es kann wohl sein , daß ich den Namen ausgesprochen habe , denn eine Frau , die ihn trug , ist mir einst werth gewesen , und es ist leicht möglich , daß in Deiner lieben Nähe die Erinnerung an sie mich unwillkürlich überschlich . Aber Du hast von dieser Erinnerung nichts mehr zu fürchten , fügte er mit einem schweren Seufzer hinzu , und Du , meine Angelika , bist zu vernünftig , bist zu klug , als daß Du hättest hoffen können , die Gedächtnißtafeln eines Mannes so rein und unbeschrieben zu finden , als die Deinen es zu meiner Freude sind , Du süßes Weib ! Die Baronin sah ihn an , der Schein der Laternen , die man inzwischen mit Licht versehen hatte , zeigte ihr seine Mienen ruhig und gefaßt . Und wer ist diese Pauline ? wo lebt sie ? fragte sie , um Beruhigung bittend . Sie lebt nicht mehr ! antwortete der Baron , und wieder überflog der Schauer des Entsetzens seine Glieder . Sie lebt nicht mehr ! laß Dir das genügen . Meine Zukunft ist Dein , Dein ausschließlich , das gelobe ich Dir ! so wahr ein Gott über uns waltet . Die Vergangenheit , die nicht Dein war , ist nicht mehr , und es ruht allein in Deiner lieben Hand , sie mich völlig vergessen zu machen . Er sprach das mit großer Aufrichtigkeit , mit fester Zuversicht ; indeß er sah , daß er Angelika nicht befriedigt hatte , und es war ihm ein ungewohntes und peinliches Gefühl , sich für alle Zeiten gebunden zu denken , sich eingestehen zu müssen , daß in der That das Glück und der Friede seiner kommenden Jahre von dem Willen und den Eigenschaften einer jungen Frau abhingen , von welcher man bis dahin kaum die Wahl der eigenen Kleidung und sicherlich keine ihrer eigenen Handlungen abhängig gemacht hatte . Ohne daß er es verrieth , drückte ihn der erste Ring der Fessel , mit welcher er sich gebunden hatte . Es wäre ihm sehr erwünscht gewesen , jetzt ein freundliches Wort von der Baronin zu vernehmen , und daneben verdroß ihn die Bemerkung , daß er eben auf ein gutes Wort zu warten sich genöthigt fand . Angelika jedoch blieb in sich gekehrt in ihrer Ecke sitzen , und weil sie dabei so gar traurig aussah , nahm er sie in seine Arme , schloß sie an sein Herz und fragte sie , ob sie ihm denn nicht glaube , nicht vertraue ? Ja ! versetzte sie , o ja ! ich glaube Dir , aber - Aber ? wiederholte er besorgt . Sie wollte sprechen und fand den Ausdruck nicht , bis sie , in Thränen ausbrechend und in Scham erglühend , mit einer ihr fremden Hast die Worte hervorstieß : Sie stehen zwischen mir und Dir , diese unglückseligen Erinnerungen , und ich kann und kann es nicht vergessen , wenn Du mich in Deine Arme , an Dein Herz nimmst , daß schon Andere an Deiner Brust geruht , an welcher ich meines Lebens heilige Zufluchtsstätte zu finden hoffte ! Sie schien sich in diesem Augenblicke wirklich so unglücklich zu fühlen , daß sie dem Baron Mitleid einflößte . Er bedauerte sie , er bedauerte auch sich selbst und dachte mit aufrichtiger Reue an seine Vergangenheit zurück ; aber vor Allem machte der Vorgang ihn doch verdrießlich . Die reine Seele seiner Frau und ihre Wahrhaftigkeit waren ihm achtungswerth und erfreulich , nur mußten sie ihn nicht belästigen ; und wie er es auch vorhatte , ein gewissenhafter Ehemann zu werden , so war ihm die Aussicht , daß Angelika zur Eifersucht geneigt sein könne , vollends unbehaglich . Er hatte Ruhe , Frieden , Erheiterung , Zerstreuung nöthig , hatte sie von dieser Reise mit seiner jungen Frau erwartet , und sollte nun als Angeschuldigter da sitzen , sollte sich rechtfertigen , Trost sprechen und Vernunft predigen ! Das dünkte ihn bald widerwärtig und bald lächerlich . Er fühlte sich in einzelnen Augenblicken zu dem Wunsche ,