die mindeste Spur von Empfindlichkeit : Sehen Sie , das ist hübsch , daß Sie so denken ; und noch hübscher finde ich es , daß Sie es mir so geradezu sagen . Aber ich habe Ihnen ja von vornherein zugestanden : es war ein dummer Streich , den ich nachher aufrichtig bereute und dessen böse Folgen ich , soweit ich vermochte , wieder gut zu machen mich bemühte . Denn , hören Sie nur , wie die Sache weiter verlief . Der braunen Gräfin hatte ich natürlich die Sachen geschenkt , die sie und die Czika bei der Komödie getragen . Das arme Weib , das mit dem Plunder nichts anfangen konnte , wollte ihn in der nächsten Stadt verkaufen . Man glaubte , sie habe die Sachen gestohlen , und verlangte , sie solle sich über den ehrlichen Erwerb derselben ausweisen . Sie vermochte es nicht , denn sie hatte meinen Namen und den Namen meines Gutes vergessen , und überdies konnte kein Mensch aus ihrem Kauderwelsch klug werden . Die Herren vom Gericht beschlossen deshalb in ihrer Weisheit , die braune Gräfin als Landstreicherin und Diebin einzusperren , bis sich die Sache auf eine oder die andere Weise aufklären würde . Unglücklicherweise war ich ein paar Tage zuvor in ein benachbartes Bad gereist , und während ich dort die frische Seeluft in vollen Zügen einsog , mußte die Aermste wochenlang in dem dumpfen Gefängnisse schmachten . Ach ! und diesen Leuten ist die Freiheit Alles ! Sehen Sie , das werde ich mir nie vergeben ! - Erst nach meiner Rückkehr erfuhr ich durch einen Zufall das Unglück , welches ich angerichtet hatte . Natürlich that ich sofort die nöthigen Schritte . Ich fuhr selbst nach B. und öffnete den Kerker meiner armen braunen Gräfin . Aber , wie fand ich sie wieder ! Bleich , abgemagert , verhärmt , um so viele Jahre gealtert , als sie Wochen gefangen gesessen hatte . Die kleine Czika sah womöglich noch schlimmer aus . Ich nahm sie mit hierher nach Berkow ; ich pflegte sie , ich tröstete sie , ich beschenkte sie , ich that , was ich konnte . Aber die Reue kam hier , wie überall , zu spät . Der kleinen Czika war die Kerkerluft bis in ' s Herz gedrungen . Sie verfiel , kaum hier angekommen , in ein hitziges Fieber , und ich danke Gott noch heute , daß sie mit dem Leben davon kam . Was hätte ich anfangen sollen , wenn sie gestorben wäre ! Melitta schwieg und in ihrem Auge glänzte etwas , wie eine Thräne . Aber im nächsten Momente lachte sie schon wieder und sagte : Nun , sie starb ja nicht , sondern wurde wieder munter und frisch wie vorher , und spielte sich mit meinem Julius hier wieder helle Augen und rothe Backen . Die Kinder hatten sich sehr lieb gewonnen , und ich hätte die Kleine gar zu gern hier behalten , sie mit Julius zusammen erziehen zu lassen . Das Kind zeigte die köstlichsten Anlagen , besonders ein überraschendes Talent für Musik . Die braune Gräfin wollte ich zu meiner Kammerfrau machen , oder wozu sie wollte . Ich stellte ihr frei , ihr Leben nach Belieben einzurichten , und bat sie nur , zu bleiben . Aber es war die alte Geschichte von dem Frosch und dem goldenen Stuhl . Ein paar Wochen hielt sie das zahme Leben aus ; und eines schönen Morgens war sie verschwunden - sie und die Czika . Später sind sie wiederholt in diese Gegend gekommen , aber hierher zu mir kommen sie nicht mehr . Die Isabell grollt mir entweder noch , oder sie ist eifersüchtig auf mich und fürchtet , ich werde ihr die Czika stehlen . Und doch muß sie einsehen , daß ich es gut mit ihr meine . Die Leute im Dorf haben Befehl , ihr , wenn sie vorspricht , jede Gefälligkeit zu erweisen ; der Förster hat den Auftrag , sie unbelästigt im Walde zu lassen , und ich versage mir das Vergnügen , sie aufzusuchen , weil ich fürchte , sie ganz zu verscheuchen . Das ist meine Geschichte von der braunen Gräfin . Sind Sie mir noch bös ? Welches Recht hätte ich dazu ? Nun , Sie machten vorhin ein so finsteres Gesicht , daß ich mich ganz als arme Sünderin fühlte . Sie belieben zu scherzen . Was kann Ihnen an meinem Urtheil gelegen sein ? Mehr , als Ihre jedenfalls halb erkünstelte Bescheidenheit zu glauben vorgiebt . Eine Frau hält stets große Stücke auf eines Mannes Urtheil , weil sie instinctiv fühlt , daß des Mannes Kopf besser , das heißt nicht schneller , aber gründlicher , sicherer denkt , als ihr leichtsinniges Frauengehirn . Und vor Euch gelehrten Herren haben wir noch einen ganz besonderen Respect . Ihr habt Alle um die Augen und um die Mundwinkel herum so etwas Mystisches , Unergründliches , so etwas - Oswald mußte laut auflachen . Ja , lachen Sie nur . Ihnen mag das nicht so erscheinen ; aber wir fürchten uns vor Eurem Wissen , auch wenn wir Einen oder den Andern unter Euch , der gutmüthig genug ist , sich dazu herzugeben , zur Zielscheibe unseres Spottes machen . Da ist mein Bemperlein , mein guter , treuer Bemperlein . Nun , er ist wahrhaftig kein Genie , und kennt die Welt gerade so gut , wie ich das Griechische ; und dennoch ziehe ich , wenn wir uns streiten , jedesmal den Kürzeren . Das ist doch ärgerlich . Nehme ich dagegen unsere Landjunker . Es sind hübsche , sehr hübsche Männer darunter , die in Landwehrlieutenants-Uniform sich mit ihren blonden Schnurrbärten , sonnengebräunten Gesichtern und hellen blauen Augen prächtig ausnehmen ; aber in Civil sehen sie dumm aus . Sie haben das Stupide , Leblose von schönen Pferde- und Hundegesichtern . Der einzige von ihnen , der studirt hat , sieht aus ,