großes Büchsenschießen gehalten , zu dem man ihn eingeladen . Ein großes kostbares Zelt war für ihn und Markgraf Friedrich wie die begleitende Ritterschaft aufgeschlagen worden . Zu beiden Seiten desselben befanden sich die größern Zelte des Rathes und der Familien der » Genannten « . Ringsum hatten die Zünfte ihre Fahnen aufgesteckt , die stolz und lustig über den Platz hin wehten , in dessen Mitte eine zahllose Menschenmenge sich bewegte und auf die mannigfaltigste Weise ergötzte . Immer aber war König Max der Mittelpunkt des Festes . Auch noch ehe er selbst auf der Wiese erschienen war , hörte man doch nur von ihm allein erzählen und Bemerkungen über ihn machen , die nur zu seinem Lobe waren , selbst von denen , die sich sonst noch wenig um ihn gekümmert oder von ihm erwartet hatten . Das war bei den guten Nürnbergern doch nur so lange der Fall gewesen , als er sich nicht um Nürnberg kümmerte : nun aber war er ja gekommen , nun hatten sie ihn in ihrer Mitte , nun war er auch gut nürnbergisch , und die ritterliche und leutselige Art seines Wesens verstärkte nun den günstigen Eindruck , den sein Kommen schon an sich hervorgerufen . So sagte Peter Vischer , der Rothgießer , der heute auch nicht in der Arbeitsschürze , sondern im Sonntagsrock erschien , zu seinen Begleitern , unter denen er der jüngste war : » Ja , das ist ein Kaiser , der noch mehr gelernt hat , als die Waffen führen und schöne Reden auf den Reichstagen halten . Der versteht seine Waffen nicht blos zu schwingen wie ein Fechtmeister , seine Stücke nicht nur zu richten und abzuschießen wie der beste Büchsenmeister , sondern würde zur Noth auch seine Schwerter und Lanzen , Helme und Panzer selber fertigen und seine Stücke selber gießen können ; denn in seiner Jugend hat er die Plattnerei und Harnischmeisterei , die Geschütz- und Lagerkunst lernen müssen , als sei er selbst zum Handwerker berufen . « » Ja , « stimmte der Steinmetz Adam Kraft bei , ein schon etwas älterer Mann mit klugen Augen unter der breiten Stirn , Haar und Bart von Natur gekräuselt ; » die Steinmetzerei und Zimmerei hat er auch gelernt , und ist so absonderlich für die Baukunst eingenommen , daß er sogar selbst ein Baubruder geworden . Noch kein so großer Potentat hat das bisher gethan . « Wenn Meister Kraft so viel sprach , so war es ein Zeichen , daß es ihm sehr von Herzen ging , denn er war immer ein Mann von wenig Worten , kurz angebunden , und konnte es nicht leiden , wenn von irgend einer Sache viel gesprochen ward . Darum sagte auch der Bildschnitzer Veit Stoß , ein Pole , der erst im kräftigsten Mannesalter von Krakau nach Nürnberg gezogen war , weil man da seine Kunst besser als in seiner Heimath zu schätzen verstand : » Ei , wenn Meister Kraft einmal so in Eifer geräth , da muß es freilich etwas Großes sein . « Und der vierte Gefährte , Sebastian Lindenast , ein kunstreicher Kupferschmied , bemerkte : Ja , wenn ich König Max früher gesehen , hätte ich wohl ihn noch lieber als den Kaiser Karl IV. in Kupfer konterfeien mögen . « » Ach , Ihr meint bei dem zierlichen Männleinlaufen zu der Uhr des Meisters Georg Heuß , dem Ihr die Männlein so schön in Kupfer getrieben habt , « sagte Peter Vischer . » Ich meine , es wird dem König absonderlichen Spaß machen , wenn er das zum ersten Male sieht . Ich wollte , Ihr selbst und Meister Heuß wäret dabei , wenn man den Kaiser vor den Thurm der Liebfrauenkirche führt und ihn nun bittet aufzupassen . Der wird nicht wenig schauen , wenn eine Stunde um ist , und Kaiser Karl tritt heraus , dann die sieben umgehenden Kurfürsten , dann der Ehrenhold , die vier Posauner , und endlich die zwei Männlein , davon das eine läutet und das andere die Uhr umwendet . « » Freilich mußte es Kaiser Karl IV. sein , « sagte Lindenast , » da er es war , der dies Gotteshaus Unserer lieben Frauen Saal gestiftet . War er doch auch ein großer Freund der Kunst , wenn schon sein Geschmack sich zuweilen von der guten deutschen Art entfernte , das italienische und antikische Wesen begünstigte . « » Nun , wer weiß , ob ihm das Vischer nicht nachmachen will , « lächelte Kraft , » er will ja auch nach Italien gehen . « » Ja , dahin zieht es mich nun einmal , « gestand dieser ; » man muß sich in der Welt umsehen , wenn man was Tüchtiges lernen will , und gerade dahin gehen , wo es auch große Werke und Künstler giebt , damit man sich nicht einbildet , man leiste schon was Rechtes . Ich habe nur noch gezögert , um den König hier nicht zu versäumen , dann mache ich mich gleich auf die Wanderschaft . Aber um wieder auf Euer Männleinlaufen zu kommen : es ist schade , daß die Figuren kupfern und nicht versilbert oder vergoldet sind . Wenn dem König Euer Werk gefällt , so riethe ich Euch das Eisen zu schmieden , weil es warm ist , und den König um ein Privilegium zu bitten , Eure Arbeiten künftig versilbern und vergolden zu dürfen , wenn es Euch beliebte . « » Ich habe auch schon daran gedacht , « sagte Lindenast . Indeß ward dies Gespräch durch lautes Vivatjauchzen unterbrochen , denn der König Max , von seinem von ihm unzertrennlichen Hofnarren , dem Markgrafen Friedrich und vielen Rittern begleitet , war gekommen . Aber er weilte nicht lange in dem für ihn bereiteten Zelte , sondern mischte sich unter die Büchsenschützen und schoß mit ihnen um die Wette , als gehöre er mit zu ihrem Verein . Da war nun unter