wie bei dem in allen Wassern erfahrenen Herrn Justus , würde man nicht nöthig haben , sich für eine Reise in diesen Gegenden so zu verproviantiren . Übrigens ist nur das Eis eine Contrebande von mir selbst , der Champagner , vortrefflicher Geldermann-Deutz , kommt aus dem Keller des Heidekrugs . Ich zahle kein Korkgeld . Der Geldermann-Deutz ist auch , antwortete Justus lachend , mit der neuen Zeit da hineingekommen . Seit die Wahlbesprechungen die Zungen trocken machten und alle möglichen Stände , Leute , die ich nie bei mir gesehen habe , Offiziere , Landräthe , Präsidenten bei Einem vorkommen , hat die Nachfrage nach dem süßen Zeug auch die Anschaffung nöthig gemacht . Ich bezahl ' ihn für echt . Ich will hoffen , daß er ' s ist . Schäker ! Schäker ! drohte Schlurck mit affectirter Schelmerei . Nicht echt ? Hab ' ich Ihnen nicht , als ich die Ehre Ihres Besuches genoß , die besten Quellen genannt ? Wenn unsere junge Freundschaft sich so echt erweist wie dieser Geldermann-Deutz , Justus , so können wir schon zusammenhalten . Darf ich Ihnen anbieten , mein Herr ? Damit hatte Schlurck ein Wasserglas , mit perlendem röthlichen Bouzy gefüllt , auf einen Teller gestellt und ihn Dankmarn präsentirt . Dieser lehnte jedoch ab und brauchte dafür den höflichen Scherz , daß er sagte : Ich trinke keinen Geldermann-Deutz . Warum nicht ? Das Haus ist sehr beliebt . Der Name Deutz , sagte Dankmar lachend , erinnert mich immer an den Verräther der Herzogin von Berry und ihre Gefangenschaft auf dem Schlosse ... wie heißt es doch ? ... Blaye ... rief eine Stimme von einer entlegenen dunklen Ecke des Saales herüber . Dankmar wandte sein Auge zu dem Sprecher . Das französische Wort kam von jenem dritten Anwesenden , der in blauer Blouse gleich beim Eintreten Dankmarn aufgefallen war . So weit er ihn im Dunkeln erkennen konnte , war der junge so unterrichtete Mann von schönem hohen Wuchs . Die blaue Blouse ging ihm dicht bis an den Hals , der mit einem leichten seidenen Tuche umschlungen war . Ein Stock , ein gefälliger Ranzen , eine Mütze lagen neben ihm . Er stemmte den Kopf auf die Hand und streckte das Bein lang über einen Sessel hin , den er vor sich stehen hatte , ohne ihn mit den Stiefeln zu berühren , was sich ohne Zweifel der Heidekrüger würde verbeten haben . Der Ausdruck des Kopfes entging Dankmarn leider , da er ihn niederbeugte und mit der Hand verdeckte . Richtig , Blaye ! sagte Dankmar erstaunt ; denn er fand gegen die zugeflüsterte Bemerkung der eben mit kalter Küche eintretenden Magd , daß der Dritte ein Handwerksbursch wäre , dem Äußern nach kaum etwas einzuwenden . Es ist nicht der erste Beweis , begann Schlurck halblaut zu dem sein bescheidenes zweites Nachtessen anschneidenden Dankmar ; es ist nicht der erste Beweis , den uns der vortreffliche junge Mann dort in der Ecke von seinen Kenntnissen gibt ! Er ist , sagt er , in dieser Gegend zu Hause . Daher unstreitig Wähler und wählbar , wie alle diese jungen Menschen jetzt , wenn sie nämlich nachweisen , daß sie keinem Andern die Stiefeln putzen und dreißig Jahre alt sind , was er doch wol zu sein scheint . Sind Sie ein Gegner des allgemeinen Wahlrechts ? bemerkte Dankmar , mit einem Stück Kalbsbraten beschäftigt . Wie könnt ' ich das in einer Zeit , sagte Schlurck ironisch , wo die untern Stände sich so ausgezeichnet entwickeln , daß sie sogar die Geschichte der Herzogin von Berry wissen ! Schon einige male bot ich dem jungen hoffnungsvollen Tischler - es ist ein Tischler , der junge Mann - von unserm Geldermann-Deutz , aber , erstaunen Sie - Er hat dieselbe Antipathie gegen Verrätherwein wie ich ? bemerkte Dankmar lachend , setzte nun aber , um nicht zu verletzen , hinzu : Das edle Getränk soll indessen unter seiner Etikette nicht leiden . Wenn Sie erlauben , thu ' ich Ihnen Bescheid . Schlurck , außerordentlich geschmeichelt und gleichsam glücklich , einen Bundesgenossen gegen den jungen Tischler , der ihn schon lange zu necken schien , zu finden , schenkte , um die Schäumung recht frisch zu geben , noch einmal in einem nahestehenden Glase ein und überreichte es Dankmarn , der freundlich Bescheid that . Der Heidekrüger aber lachte und schraubte den Justizrath , indem er anfing : Ei , ei , Herr Justizrath , was haben Sie mir da für eine Etikette empfohlen ? Das hätt ' ich wissen sollen , als ich wegen meiner kleinen Häkeleien mit der hohenberg ' schen Masse bei Ihnen war und Sie um eine Empfehlung guter Weine bat , wegen der bevorstehenden Wahlmanöver und Zweckdemonstrationen ! Geldermann-Deutz wird mir hier verworfen , sagte Schlurck mit halb ernster , halb komisch sein sollender Entrüstung . Da müssen Sie zur Strafe jetzt alle zusammen einem Montebello oder einem Moët den Hals brechen . Was befehlen Sie ? Damit langte er neben sich hinunter und griff in einen zierlichen Flaschenkeller , der neben ihm auf der Erde stand und in seinen Räumen noch Platz hatte für die köstlichsten Speisen und sogar das Eis , das er im blechernen Boden der ganzen Maschinerie beisichführte . Nehmen Sie vom alten ehrlichen Jaquesson , rief der junge Tischler herüber und änderte ein wenig seine bequeme Stellung . Im hohenberger Schloßkeller lagen von dem Hause Jaquesson noch vor einigen Jahren ein Dutzend Körbe der bewährtesten Etikette . Schlurck richtete sich auf und blickte mit entrüstetem Antlitz zu dem kühnen Sprecher hinüber . Die Brille auf seine hohe Stirn ziehend , stierte er ihn jetzt mit den unbewaffneten grauen Augen an ; denn Schlurck gehörte zu denjenigen Weitsichtigen , die gerade erst die Brille absetzen , wenn sie gut sehen wollen . Woher wissen Sie Das , junger Mann ? fragte er mit gezogenem Tone . Ich habe im hohenberger Schloßkeller an