. » Setzen wir unsere Konversation fort - nicht wahr , Sie sind unverheiratet , Herr Professor ? « » Allerdings , Herr Doktor ! « » Sie haben auch sonst keinen Umgang mit Frauen ? « » Herr Doktor , das ist eine Gewissensfrage . « » Verzeihen Sie , eine reine Gesundheitsfrage . « » Aber wie soll ich Ihnen darauf antworten ? « » Nun , ganz einfach mit ja oder nein ; haben Sie Umgang mit Frauen oder nicht ? « » Nein , Herr Doktor ! Das ist durchaus gegen mein Prinzip . « » Aber es wäre gut für Ihre Gesundheit - « » Mein Prinzip geht über die Gesundheit . « » Aber Ihr Prinzip kann Sie ins Grab bringen . « » Mit meinem Prinzip will ich sterben . « » Nun , so sterben Sie wohl , Herr Professor « - der Doktor griff nach seinem Hute , um sich zu entfernen . Der Professor trat ihm in den Weg . » Lieber Herr Doktor - - « » Verehrter Herr Professor - - « » Bleiben Sie um Gottes willen ! « » Aber gehorchen Sie meinen Befehlen ! « » Ich will alles tun , was Sie wünschen . « » Meine Befehle werden Ihnen nur angenehm sein . « » Ich will Moschus und Rhabarber fressen . « » Würde Ihnen wenig helfen . « » Ich will Balsam und Fliedertee trinken . « » Könnte von gar keinem Nutzen sein . « » Aber was wünschen Sie denn ? « » Ich wünsche nur das Allermenschlichste , das Allererfreulichste von Ihnen ! « » Sprechen Sie also ! « » Und gehorchen Sie mir . « » Was soll ich tun ? « » Sie solln sich verlieben - ein Weib nehmen ! « Der Kopf des Professors sank auf die Brust , die Tabakspfeife entfiel seiner Hand , und Wolken der tiefsten Verlegenheit , des innigsten Schmerzes verdunkelten die Stirn des unglückseligsten Mannes . » Herr Doktor « , fuhr endlich der Gepeinigte in sehr gedrücktem , schleppendem Tone fort , » Herr Doktor , Sie wissen , ich bin Theologe . Ihr Befehl widerspricht meinem ganzen System , meiner ganzen Anschauungsweise . Ein viertel Jahrhundert lang bin ich der Stimme meines Innern , meiner Überzeugung treu geblieben und glaube auch heute noch an das , was uns der Apostel sagt im 8. Verse des 7. Kapitels seiner Epistel an die Korinther , wo da geschrieben steht , daß es besser ist , wenn die Ledigen bleiben wie der Apostel , nämlich ebenfalls ledig und unbeweibt - - « » Narrenspossen , nichts als Narrenspossen ! « unterbrach hier der Doktor , » und außerdem vergessen Sie , Herr Professor , daß es im 9. Verse heißt : So sie aber sich nicht enthalten können , so laß sie freien . Es ist besser freien , denn - - « Der Professor seufzte tief auf - » Sie verlangen also in vollem Ernst , daß ich mich verheirate ? « » Das habe ich nicht gesagt . « » Aber Sie wollen ja , daß ich mich verliebe . « » Man kann lieben , ohne zu heiraten . « » Aber Herr Doktor , das wäre Sünde . « » Herr Professor , Sie sind von wahrhaft biblischer Unschuld . « » Und eine Sünde werde ich nie begehen . « » Herr Professor , es gibt nur eine Sünde , das ist die Sünde gegen das eigene Fleisch . « » Nun , so will ich mit dem Apostel sündigen . « » Vielleicht war der Apostel aber nicht in so krankhaftem Zustande wie Sie , Herr Professor . « » Wie meinen Sie das , Herr Doktor ? « » Vielleicht konnte der Apostel seinem Verlangen widerstehen . Sie werden darüber zugrunde gehn . « » Nun , es sei ! Ich werde heiraten ! « » In vierundzwanzig Stunden ! « Die letzten Worte waren für den armen Professor ein neuer Donnerschlag . Er taumelte rücklings in seinen Sessel und bedeckte das fahle Antlitz mit beiden Händen . Der Doktor spielte gelassen mit seinem Hute . » Sie sind grausam , Doktor ! « nahm endlich der Professor das Gespräch wieder auf . » Ich soll in vierundzwanzig Stunden heiraten : das ist unmöglich ! « » Beim Menschen ist nichts unmöglich ! « » Ich kenne alle Kirchenväter , aber ich kenne kein einziges Weib . « » So lassen Sie die Kirchenväter laufen und lernen Sie die Weiber kennen ! « » Ich will mich verbindlich machen , in vierundzwanzig Stunden eine neue Sprache kennenzulernen , aber ein Weib lieben lernen - bedenken Sie , Herr Doktor ! « » Die Sprache der Liebe lernt man in fünf Minuten . « » Sie sind unerbittlich , Herr Doktor ! « » Unerbittlich , Herr Professor ! « » O Gott , errette mich von diesem Doktor ! « Der Doktor wurde ungeduldig . Er schritt der Türe zu . » Tun Sie , was Sie wollen , Herr Professor . Ich bin hierhergekommen , um für Ihren Leib zu sorgen , nicht für Ihre Seele . Suchen Sie meine Ratschläge mit Ihrem Gewissen zu vereinbaren , das ist Ihre Sache . - Ich gebe zu , daß es mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist , in vierundzwanzig Stunden ein ehelich Weib zu finden , Hochzeit zu machen und so weiter - - aber es fällt mir im Traume nicht ein , Sie zu diesem extremen Schritte zu treiben . Richten Sie die Sache anders ein - Sie werden mich verstehen . - Ich stelle Ihnen einfach die beiden Chancen : entweder eine Konzession Ihres Gewissens oder ein früher Tod . Wählen Sie zwischen einem Gewissensmord und einem Selbstmord . Wählen Sie von zwei Sünden eine : wählen Sie ! « Von der Stirn des Professors perlte der Angstschweiß . Der Doktor