. Mädi , « sagte Vreneli , » schweig und laß der Sache den Lauf . « » Aber darf man dann kein Wort mehr sagen hier ? Soll das so streng gehen ? « » Reden kannst , so viel du willst , aber Öl ins Feuer schütten , selb tue mir nicht , selb ist nie erlaubt und war es zu keinen Zeiten . Aber es ist halt eine böse Zeit ; was klar war , wird finster , und je mehr die Menschen sich einbilden auf ihre Weisheit , desto dümmer gehen sie mit allem um , und was gesetzlich beschränkt war , soll jetzt gesetzlich erlaubt sein , Gift und Feuer in jedes Kindes Hand zu freiem Gebrauch gestellt werden . « Es war in der Tat nicht nötig , bei Uli Öl ins Feuer zu schütten , es brannte ohnehin sattsam in ihm . Uli hatte sich vorgestellt , wenn er wohlfeile Knechtlein dinge für seine höhern Stallstellen , so kämen die demütig daher im Gefühl , wie ihre dermaligen Kräfte ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien , und mit dem Vorsatz , das Fehlende baldmöglichst zu ergänzen . Aber potz Himmeltürk , wie gröblich hatte Uli sich geirrt ! Den Bürschchen kam nicht von weitem in Sinn , daß sie noch was zu lernen hätten ; so wie sie ihre Posten hatten , hatten sie auch das Bewußtsein vollständiger Vollkommenheit . Sie hätten es immer so gemacht , sie seien es so gewohnt , allenthalben , wo sie gewesen , sei es so recht gewesen , sie wüßten nicht , warum es hier nicht auch recht sein sollte . Das war ihre Antwort , mit welcher sie bei jeder Zurechtweisung bei der Hand waren . Um so trotziger gaben sie diese Antwort , weil sie Uli als ihresgleichen betrachteten . So einer , der auch nur erst Knecht gewesen , solle nicht kommen und sie dressieren wollen ; von einem , der nicht mehr sei als sie , ließen sie sich nicht kujonieren , dem wollten sie es zu merken geben , daß sie wohl wüßten , wer er gewesen , wenn er es etwa vergessen wolle ; solche liebliche Gedanken hatten sie . Man kann sich denken , welch lieblich Dabeisein Uli hatte , und durfte nicht klagen . Selbst getan , selbst haben , mußte er denken . Aus der Tenne war viel Korn getragen worden , was nicht immer der Fall ist , wenn auch viel Garben eingefahren worden sind . Aber aufschlagen wollte es nicht , die Müller taten sehr wählig und selten sah man einen bei einem Bauernhause . Dagegen schneite es mächtig , regnete drein , fror wieder zu , schneite wieder , so daß Uli dachte , es lege sich eine Eiskruste über die Äcker , unter dieser ersticke der Samen oder die Mäuse täten ihn fressen . Im Frühling oder gegen den Sommer müsse das Korn allweg aufschlagen , und da sei es doch hart , unter dem Preise verkaufen zu müssen , um den Zins zahlen zu können , den Joggeli durchaus nicht nötig hatte . Die Pachtherren haben es gar verschieden gegenüber ihren Pächtern . Es ist hier nicht von irländischen , nicht von englischen Pachtherrn die Rede , sondern von schweizerischen , begreiflich . Einem Pachtherrn , der noch lebt , brachte einmal ein Pächter den Zins gleich am Verfallstage . Der Pachtherr fuhr ihn schrecklich an : » Meinst , ich habe das Geld so nötig wie so ein Lumpenbub von deinem Kaliber ? « Und fast hätte er den armen Teufel vom Hofe gejagt . Der Pächter hatte gemeint , wie gut er es mache , hatte das Geld in allen Ecken zusammengelesen , kam stolz daher im Hochgefühl freudiger Erwartungen und wurde angefahren , daß ihm die Knie noch lange nachher wackelten . So kann man sich täuschen in seinen Erwartungen , wenn man die Menschen nicht kennt ; der kam aber sein Lebtag nie mehr am Verfalltage mit dem Zins daher . Ein anderer Pächter kam zu seinem Pachtherren auch ohne langes Warten mit dem vollen Zins und meinte , was er tue und wie wohl er ankäme . » Es scheint , « sagte der Pachtherr , » die Pacht sei gut , daß Ihr den Zins so schnell machen könnt . Ja , ja , die Zeiten sind gut für die Pächter , alles gerät wohl und gilt viel , ein Birnstiel ist wie bar Geld . Apropos , was ich habe sagen wollen : ich gönne Euch die Pacht , aber per Jucharte muß ich zwei Taler Zins mehr haben , anders tue ich es nicht . Für mich sind die Zeiten bös , alles ist teuer , ich muß sehen , wie ich mich durchbringe . « Wart , du alter , verfluchter Schelm , dachte der Pächter , der auch nicht dumm war , dir bin ich schlau genug für die Zukunft , wenn du mich jetzt nicht kriegst . Und demütig tat er , rutschte fast auf den Knien herum und redete verblümt von einem Erblein , welches ihn in den Stand gesetzt , die Pacht zu zahlen , kurz er brachte es dahin , daß der Herr bei dem gleichen Pachtgelde blieb . Von da an kriegte selber Herr den Zins nie schnell und ganz , sondern erst auf langes Mahnen hin verstückelt und unter hundert Seufzern und Bitten , doch abzulassen , dieweil der Zins nicht zu erschwingen sei , das Blut unter den Nägeln hervorgepreßt werden müsse , um ihn aufzubringen . Das freut dann den Herrn gar sehr , daß er sein Land so hoch angebracht , den Pächter so hart gepreßt , läßt aber nicht ab , schlägt aber auch nicht auf , und er und der Pächter sind herzlich wohl zufrieden mit einander . Sind doch zuweilen kuriose Leute , die Menschen ! Uli wußte aber , daß Joggeli weder zu der einen noch zu der andern Sorte