. » Sie überlegen , wie ich sehe , ob Sie in ' s Theater gehen sollen . Nun , der Mühe lohnte sich ' s schon , besonders heute , wo die Rolle der Desdemona und des Mohren - da fällt mir ein , daß heute Salon bei Cornelien ist . Sie wissen , daß ich sonst nie hingehe . Aber wenn Sie von der Partie sind , möchte ich wohl einmal in den sauern Apfel beißen . « » Halten Sie einen solchen Charakter für möglich ? « - fragte Landsfeld , der , die Worte des Andern überhörend , an Desdemona und Lydia dachte . » Freilich , es gehört einige Menschenkenntniß dazu , um diese seltsame Person ganz zu ergründen . Ich habe einen gewaltigen Respect vor ihr , obwohl oder vielmehr weil sie mir leider vorzugsweise gewogen ist . « » Von wem sprechen Sie denn eigentlich , Schattenfrei ? Ich verstehe kein Wort davon . « » Nun von wem anders , als von Cornelien , zum Henker « - setzte er hinzu , als Jener ihn noch immer verwundert anschaute . » Werden Sie nicht auch heute Abend ihren Salon verherrlichen helfen ? « - Landsfeld machte eine abwehrende Bewegung . » Schämen Sie sich , Sie fangen wohl auch an , den Sentimentalen zu spielen ? « » Wer wird denn dort sein ? « fragte Landsfeld , um doch Etwas zu sagen . Seine Gedanken waren noch bei Desdemona und Lydia . Schattenfrei nahm seinen Arm . » Ich werde Ihnen das unterwegs erzählen . Kommen Sie nur . Zuerst « - fuhr er fort , nachdem es ihm gelungen war , Landsfeld in Bewegung zu setzen - » Frau von Rosen - fällt Ihnen das auf ? Sie ist ja die vertrauteste Freundin von Cornelien . Sodann Salomo nebst seinem Waffenträger ; die Sängerin G----z mit ihrem Geliebten , dem Assessor Tieftrunk ; der junge Berger ; ferner - « » Berger ? « - fragte Landsfeld , durch diesen Namen aus seiner Träumerei emporfahrend . » Wissen Sie das gewiß ? « » Nun ich denke , das versteht sich von selbst , wenn Alice von Rosen da ist . « - » Weiter haben Sie zu Ihrer Vermuthung keinen Grund ? « » Auch sagte er es mir selbst vor ungefähr einer halben Stunde , als ich ihm im Thiergarten begegnete . « - » Wahrhaftig ? « - lachte Landsfeld höhnisch . » Nun vielleicht hat er seine Meinung bis dahin geändert « - . Er sah nach der Uhr . » Leben Sie wohl , « - fuhr er fort , sich halb mit Gewalt losreißend . - » Ich habe noch vorher einen nothwendigen Gang zu thun . « » So werde ich Sie doch aber sicher dort treffen ? « » Ja . Aber ich bitte Sie , Nichts davon zu erwähnen . Vielleicht komme ich erst etwas spät . « » Der ist in kurioser Laune « - sagte Schattenfrei , dem Forteilenden nachblickend . » Er hat alle Anlage dazu , den Salon heut ' zu einem der interessantesten Cirkel zu machen . « Sich die Hände vor Vergnügen reibend , stieg er in eine Droschke : » Lindenstraße Nr. 45 « - sagte er zum Kutscher , indem er gemächlich die Marke in die Westentasche steckte . Landsfeld verfolgte indeß seinen Weg zu Fuß . So sehr er es in jeder andern Beziehung vermied , den Sonderling zu spielen , so konnte er sich doch nur schwer dazu entschließen , in einen Wagen zu steigen , wenn er eilig war . Denn ihm war nichts unerträglicher als körperliche Unthätigkeit , wenn sein Geist von dem Verlangen , irgend ein Ziel schnell zu erreichen , bewegt war . Kam es ihm dagegen weniger auf Schnelligkeit an , dann benutzte er schon ein Fuhrwerk . Am liebsten jedoch ritt er , schon deshalb , weil das Reiten die beiden Vortheile des Gehens und Fahrens , nämlich eigene Thätigkeit und Schnelligkeit , vereinigt . Nach einer starken Viertelstunde , während der er mit gleicher Eile durch mehrere Straßen und über verschiedene Plätze geschritten war , hatte er den Platz vor dem Potsdamer Thor erreicht , der in fünf verschiedene Straßen , einen halben Stern bildend , auseinander geht . Landsfeld schlug die mittelste ein , in der er nach wenigen Minuten vor einem kleinen Sommerhause stehen blieb , das sich durch einen eleganten leichten Balkon , so wie durch einen geschmackvoll angelegten kleinen Garten auszeichnete . Er öffnete die Gartenthür durch einen Schlüssel , den er bei sich trug und begab sich auf einem Seitenwege nach der Hinterfront , wo er an eins der niedrigen Parterrefenster anklopfte . Als es sich öffnete , erschien das gutmüthige Gesicht Carls , seines Bedienten . » Du mußt mir sogleich den Fuchs satteln , Carl , ich muß noch hinaus . Von neun Uhr an hältst Du Dich ebenfalls bereit . Du sollst mich dann noch in die Stadt begleiten . « Bei diesen Worten sprang der Baron aufs Pferd . Carl öffnete das Thor . Landsfeld schlug den Weg nach Schönberg ein . Obgleich er in scharfem Trabe ritt , so dunkelte es doch schon ein wenig , als er sein Ziel erreichte . Auf der Spitze des Hügels , von dem sich die lange Straße dieses reizenden Sommeraufenthalts herabzieht , stieg er vom Pferde und band es an den Gartenzaun des Hauses , dessen Perron er alsbald mit schnellen Schritten hinaufeilte . Eben wollte er die Klingel ziehen , welche sich neben der Glasthüre des Balkons befand , als sein Blick in das Innere des Zimmers fiel , und er , die schon ausgestreckte Hand zurückziehend , einige Augenblicke wie in tiefe Betrachtung versunken stehen blieb . An einem mit verschiedenen Zeichnenmaterialen bedeckten Tischchen , das ganz in der Nähe der Balkenthüre stand , saß , dem Baron halb den Rücken zugekehrt , ein junges