in die Volksmenge hineinzuhauen , um seinem Thiere Platz zu verschaffen , und während er dies , wie es schien , mit vielem Behagen that , versäumte er nicht , durch entehrende Schimpfworte die unschuldigen Menschen zu schmähen und zu beleidigen . Wahrscheinlich hatte der anmaßende Mann ein Recht zu solchem Verfahren , denn der Menschenstrom theilte sich sofort freiwillig und die Meisten zogen überdies noch ehrerbietig oder scheu ihre Mützen und Hüte . Selbst diejenigen , welche die schwer niederfallende Peitsche schmerzhaft getroffen hatte , murrten nicht , sondern wichen nur um so ehrerbietiger zurück . Nicht so geduldig nahmen dies brutale Betragen einige wohlhabende Bürger aus Görlitz hin . Sie waren mit Recht über das tyrannische Verfahren des fremden Reiters empört und erwiederten seine Schmähreden mit drohend erhobenen Stöcken . Ein Tuchmacher , heftiger als die Andern , wollte sogar dem Pferde in die Zügel fallen und den herrischen Reiter mit seinem gewichtigen Rohrstocke gut bürgerlich bearbeiten . » So ein reicher Taugenichts , « rief er aus , » dem ' s Geld durch den Schornstein in ' s Haus fliegt und der doch ehrlichen Handwerksleuten keinen wohlverdienten Böhmen gönnt , den soll ja gleich der Teu - « » Pst ! « fiel dem Aufbrausenden ein wendischer Bauerbursche in ' s Wort , » machen Sie doch keinen unnützen Lärm ! Der Herr hat Sie gar nicht gemeint , denn über Sie hat er keine Gewalt , nur uns , die wir ihm gehören oder bald gehören werden , galten seine Worte . Kennen Sie den Junker Blauhut nicht ? « Dieser Mann mußte sehr bekannt und gefürchtet sein , denn der erhitzte Tuchmacher ließ nicht allein von seinem Vorhaben sogleich ab , sondern hatte auch sichtlich alle Lust verloren , dem vornehmen Herrn mit einem Wörtchen zu nahe zu treten . Inzwischen hatte der Reiter den Menschenschwarm durchbrochen und den Trupp wendischer Bauern , Burschen und Mädchen erreicht . Mit leichtem Peitschenschlage auf den Rücken Ehrhold ' s , der Clemens zurückhielt , Röschen nachzueilen , hielt er sein schnaubendes Thier an , beugte sich über den Sattelknopf und sprach : » Du scheinst ein schlechtes Gedächtniß zu haben , Ehrhold , was doch bei Euch Gesindel selten der Fall ist , wenn es sich um klingenden Lohn handelt . Ich werde mich deshalb genöthigt sehen , Deine Vergeßlichkeit Dir auf andere Weise abzugewöhnen , wenn Du mir nicht auf der Stelle Deine Pathe , die ich an ihrem Feenlaufe gar wohl erkannt habe , hieher schaffst ! « Bei diesen Worten schwang der Junker die Peitsche und ließ sie einige Male pfeifend um die Ohren des Bauers sausen . Dieser zog demüthig seine Pelzmütze , wodurch ein glänzender Lederriemen um die Stirn sichtbar ward , den vorn ein Schlößchen , welches zwei Adlerflügel vorstellte , fest zusammenhielt . » Ach gnädigster Herr ! Gnädigster Herr ! « stotterte Ehrhold bestürzt . » Warum hast Du mich getäuscht ? « fragte der Reiter abermals mit strenger Stimme und funkelndem Zornesblicke . » Ich habe Ew . Gnaden nicht getäuscht , Sie wissen es ! Ihr Anerbieten gebot mir die Ehre abzulehnen und - « » Ehre ! « lachte höhnisch der Junker . » Seit wann hat ein Hund von einem Sclaven Ehre ! Ich werde Dich peitschen lassen , Schuft , und einen Tag lang in meinem Schloßhofe an den Pranger stellen ! Zum letzten Male , warum hast Du mir Deine Pathe verheimlicht ? « » Ew . Gnaden können mit mir verfahren , wie Sie es für recht halten , « erwiederte Ehrhold , » ich muß es erdulden und werde nicht darüber murren ; allein Röschen konnte ich nicht in ' s Schloß schicken , weil das gute , zarte Kind nicht Ihre Unterthanin ist . « » Nicht meine Unterthanin ! « fuhr der junge Graf auf . » Wie erfrechst Du Dich , mir ein solches Wort in ' s Gesicht zu behaupten , mir , dem alleinigen Erben aller Güter meines weichherzigen Vaters ? Ich sage Dir , Schuft , das Mädchen gehört mir so gut , wie Du und Deine ganze Familie , und wenn ich befehle , daß sie im Schlosse ihre Dienstzeit antreten soll , so hat sie blos zu gehorchen . Wer sich weigert , kommt vier und zwanzig Stunden in den Stock , und wenn ich bisher diese wohlverdiente Strafe noch nicht über sie verhängt habe , so hat sie dies blos ihrer Anmuth und Zartheit zu verdanken . « » Das liebe Kind ist so schwach , Ew . Gnaden ! « » Zu den Diensten , die ich von ihr verlange , besitzt sie Kraft genug , « sagte der Reiter mit spöttisch aufgeworfener Lippe . » Sie soll weder das Haus scheuern , noch Stallmagd werden , ich will sie unterrichten und ihr was lernen lassen , damit sie in freien Stunden mir die Zeit durch heitere und gebildete Unterhaltung vertreibe . Aber Euch dummem Volk ist nicht beizukommen . Will man Euch auch helfen und aus Eurem Elende herausheben , so habt Ihr stets tausenderlei Bedenken , und gebraucht diese so lange als Waffe , bis man mit Gewalt erzwingt , was Milde nicht erreichen kann . Dann habt Ihr freilich gut über Willkür und Ungerechtigkeit schreien ! Nochmals also , schaffe mir die Widerspänstige herbei , damit ich gleich hier mit ihr abschließe ! « Ehrhold wollte abermals Einwendungen machen , aber des sehr grimmig blickenden Reiters neuerdings geschwungene Peitsche machte ihn verstummen . » Eile Dich , « rief der junge Graf dem langsam Fortgehenden nach , » ich werde Dich hier erwarten ! « Und sorglos ließ er die Zügel auf dem Nacken des feurigen Thieres ruhen und sah stolz und verächtlich auf die vor ihm vorübergehende Menge , von welcher bei weitem die Meisten ihn äußerst demüthig grüßten . Der Reiter dankte nur selten , und that er es wirklich ein Mal , so bestand