menschlichen Kampfe im Elend ? - Warum liegt in jedem seiner Taten , seiner Worte , das Irdische mit dem Ewigen so eng verbunden ? - Er hat seine Leiden nicht mit Freuden vertauscht , da er es wohl vermochte . - Also , Mensch hab dein Schicksal lieb , wenn es dir auch Schmerz bringt , denn nicht dein Schicksal ist traurig , wenn es dir auch noch so viel Menschenunglück zuführt , aber daß du es verschmähest , das ist eigentlich das große Unglück , und so schließ ich , wovon ich ausging , daß allemal das Schicksal des Menschen das höchste Kleinod sei , das nicht wegwerfend zu behandeln ist , sondern es soll mit Ehrfurcht gepflegt und sich ihm unterworfen werden . « - Der Voigt bereuete sehr , daß er die Predigt nicht ganz gehört habe , und meint , da er in wenig Worte so viel zusammendränge , so müsse er in der Entwickelung sehr geistreich sein . Ich aber war froh , daß wir zu spät gekommen waren , denn mir schien das Thema sehr traurig , Leiden im voraus zu ahnen und sich darauf vorzubereiten , das will mir nicht in den Sinn . - Am Abend waren wir ganz einsam , die Tonie und ich , es ist gar niemand mehr hier , ich wär so gern noch hinaus spazieren gegangen und ließ mir den Lelaps holen , den Hund von der Küstersfrau , der mich kennt , weil ich ihn schon oft mitgenommen habe auf dem Spaziergang , der kam mit einem Laternchen am Hals mit einem brennenden Lämpchen , womit er immer bei nebligem Wetter seinen Herrn begleitet ; das machte mir groß Pläsier , ich nahm meinen guten Stock , der zusammengeflochten ist von drei guten spanischen Rohren , und den mir der Savigny geschenkt hat , und ging mit meinem guten Lelaps als fort zwischen die Schluchten , in denen der Nebel hin und her wogte , und sein klein Lichtchen verschwand oft , daß ich ihn nicht mehr sah , aber wenn ich rief , da kam er durch den dicken Nebel herbeigelaufen , da wurde das Lichtchen wieder sichtbar , was mir das für Spaß gemacht hat , der Hund und ich allein , und die Nebel , die herumflankierten wie Geister , herüber und hinüber , aufstiegen und hinabkletterten , es war eine Geschäftigkeit in diesen Felsritzen und an den Bergwänden hinab , wo man einen freien Blick ins Tal hatte , ich konnt mir gar nicht denken , daß es nicht Geister wären , und ich glaub ' s noch , und ich war innerlich recht glücklich und froh , daß ich dazugekommen war , und daß ich und der Hund von den Geistern so gut gelitten war , denn Du glaubst nicht , wie gut der Nebel tut , wie sanft , wie weich er sich einem anschmiegt , mein Gesicht war ganz glatt davon , und wir sind auch glücklich wieder nach Haus gekommen . - Ich bin so froh , daß ich unbedeutend bin , da brauch ich keine gescheiten Gedanken mehr aufzugabeln , wenn ich Dir schreib , ich brauch nur zu erzählen , sonst meint ich , ich dürfte nicht schreiben ohne ein bißchen Moral oder sonst was Kluges , womit man den Briefinhalt ein bißchen beschwert , jetzt denk ich nicht mehr dran , einen Gedanken zurecht zu meißeln oder zusammen zu leimen , das müssen jetzt andre tun , wenn ich ' s schreiben soll , ich selbst denk nicht mehr . Ach , von dem Einfältigsten , Ungelehrtesten verstanden und gefühlt zu werden ist auch was wert ; und dann dem Einzigen , der mich versteht , der für mich klug ist , keine Langeweile zu machen , das kommt auf Dich an . Wir waren am Rhein und sind wieder den andern Tag zurück spät abends , so ist heut schon Donnerstag , es war schön in Rüdesheim , die Tonie hatte dort über jemand zu sprechen , der als Geistlicher in unser Haus soll , ich guckte indes auf der Bremserin aus dem großen schwarzen Gewölb auf die Wiese im Abendschein , es flogen all die Schmetterlinge über mich hinaus , denn da oben auf der Burg wächst so viel Thymian und Ginster und wilde Rosen , und alles hat der Wind hinaufgetragen ; man meint als , der fliegende Blumensamen müßt eine Seel haben und hätt sich nicht weiter wollen treiben lassen vom Wind und wär am liebsten dageblieben , alles blüht und grünt , so viel Glockenblumen und Steinnelken und Balsam , ich dacht , wie ist ' s doch möglich , daß das alte Gemäuer so überblüht ist . - Blum an Blum ! Unten in der Ruine wohnt ein Bettelmann mit der Frau und zwei Kindern , sie haben eine Ziege , die bringen sie hinauf , die grast den duftenden Teppich mir nichts , dir nichts ab . - Ich war eine ganze Stunde allein da und hab hinaus auf dem Rhein die Schiffe fahren sehen , da ist mir ' s doch recht sehnsüchtig geworden , daß ich wieder zu Dir will , und wenn ' s noch so schön ist , es ist doch traurig ohne Widerhall in der lebendigen Brust , der Mensch ist doch nichts als Begehren sich zu fühlen im andern . Du lieber Gott ! Eh ich Dich gesehen hatt , da wußt ich nichts , da hatt ich schon oft gelesen und gehört , Freund und Freundin , und nicht gedacht , daß das ein ganz neu Leben wär , was dacht ich doch vorher von Menschen ? - Gar nichts ! - Der Hund im Hof , den holt ich mir immer , um in Gesellschaft zu sein ; aber nachher , wie ich eine Weile mit Dir gewesen war und hatte so manches von Dir gehört , da sah ich jed Gesicht an wie ein Rätsel und hätt auch