als freies persönliches Eigentum erworben . Ew . Durchlaucht sind Standesherr erst seit zwei Jahren , es ist kein Geheimnis , daß Ihre Erhöhung eben wegen der Zweifelhaftigkeit Ihres Rechts so bedeutenden Aufschub gelitten hat . Unsre Zession ist vier Jahre alt . Wir haben bis jetzt damit nicht auftreten wollen , weil der Graf bei seinen Lebzeiten dies unterlassen zu sehn wünschte . Zu allem Überflusse steht in Ihrem Diplom die ausdrückliche Klausel : Vorausgesetzt , daß die jetzt besitzende Familie ein vollständiges Recht hat . « Der Herzog erinnerte daran , daß die Linie die Herrschaft seit unvordenklicher Zeit innegehabt habe . Hierauf bemerkte sein Gegner , daß , wie man gegenseits sehr wohl wisse , der Prozeß zur gehörigen Stunde bei den Reichsgerichten angehoben und immer im Gange erhalten worden sei , daß derselbe aber nach wetzlarischer Sitte unter dem Stabe des Kammerrichters seine Endschaft nicht erreicht habe . Er wies die Abschrift eines Dekrets vor , vielleicht des letzten , welches jener Hof erlassen , und schloß mit dem Anführen , daß das Deutsche Reich bekanntlich noch nicht seit dreißig Jahren aufgelöst sei , und daß mithin von einer Verjährung hier nicht geredet werden könne . Ohne den Vortrag des Advokaten einzuräumen , ließ man die Verhandlung über diese Punkte fallen . Von allen Seiten wurde gefühlt , daß die tote Ahnfrau in dem Streite den Ausschlag geben werde . So ging also doch wieder dieses Gespenst , und nicht in theatralischer , sondern in sehr wirklicher Weise durch das Haus . Die Gegner waren im Besitz der unverwerflichsten Zeugnisse , daß der Ahnherr sich mit einer Jungfrau ehelich verbunden hatte , vor deren Namen das Wörtlein von fehlte . Die Extrakte aus den Kirchenbüchern wiesen zugleich nach , daß ein Landmann gleiches Namens erst lange nachher in dem Dorfe , welches sich späterhin zum Residenzflecken der Herrschaft erhob , verstorben war . Man hielt ihn für den Vater des Mädchens ; die regierende Linie , so folgerte man , stammte von einer Bäuerin ab . » Alle diese Stammbäume , welche ich hier vor mir ausgebreitet liegen sehe , beweisen nichts ! « rief der gewandte Konsulent . » Es sind einseitig in Ihrem Hause aufgestellte Tafeln , die noch dazu die untrüglichsten Zeichen später Abfassung an sich tragen . Wir nehmen als möglich an « , fuhr er fort , » daß jener Graf Archimbald seiner Maria Sibylla vom Kaiser den Adel erwirkt hat . In diesem Fall würden wir für ein Geringes abzustehn bereit sein . Die Familienstatuten reden nur vom Adel der Mutter schlechthin , als Bedingung der Erbfähigkeit der Kinder , nicht von altem stifts- und turnierfähigem Adel , wahrscheinlich , weil man an einen andern gar nicht dachte . Wir sehn jedoch ein , daß unsre Ansprüche dann zweifelhaft würden , und daß , wenn die Sache bei Gericht in die Hände eines Referenten von neuen Ansichten fiele , die geadelte Bäuerin leicht für vollwichtig erachtet werden möchte . Aber wo ist der Adelsbrief ? War er je vorhanden , so muß er doch aufbewahrt , er muß herbeizuschaffen sein . « Über diese Urkunde gab der Herzog eine ablehnende Antwort . Er wußte aus seiner frühen Jugend , daß sie dagewesen war . Noch wie von heute erinnerte er sich des Tages , an dem der alte strenge Großvater sie ihm gezeigt hatte , mit den Worten : betrachte das Blatt , es verteidigt uns gegen die Vettern . Noch sah er mit den Augen des Gedächtnisses die braune Saffiankapsel , in welche der alte Mann sie tat . Nachher war sie verschwunden . Beim Kammergericht hatte man ein Jahrhundert hindurch über den Punkt gestritten , welcher von beiden Teilen zu beweisen habe , und zur Vorlegung des Dokuments war man daher nicht gediehen . Wilhelmi suchte Tag und Nacht im Archive , aber seine Mühe war diesmal , wie früher , vergebens . Darauf eröffnete der Advokat die Vergleichsvorschläge des Oheims . Sie liefen auf eine Halbierung der Güter hinaus . Der Herzog ließ den alten Fabrikherrn einladen , mit ihm persönlich zusammenzutreten . Der Rechtsgelehrte übernahm es , seinen Klienten zum Besuche auf dem Schlosse zu vermögen . In seinen einsamen Augenblicken fühlte sich der Fürst sehr erschüttert . Den wilden verschwenderischen Vetter hatte er nie gescheut , vor dem alten eisernen Handelsmann ergriff ihn eine Art von Geisterfurcht , über die er nicht Herr zu werden vermochte . Mit diesen Schlössern , Feldern und Wäldern durch alle Erinnerungen verwachsen , hielt er es für eine Unmöglichkeit , aus solcher Gemeinschaft zu scheiden . Seine Existenz stand auf dem Spiele , das empfand er , und daß er seinen Sturz nicht überleben wolle , gelobte er sich vor den Bildern der Ahnen . Indessen , gewohnt , immer derselbe zu scheinen , wie es auch innerlich wechselte , zeigte er vor andern das heitre Antlitz eines Manns , den nichts in Erstaunen setzt . Es war ausgemacht worden , der Herzogin diese Verhandlungen geheimzuhalten . Sie ahnte daher nicht , welche Wolke über ihrem Haupte schwebte . Viertes Kapitel Aber auch sie hatte ihr Leid . Jenes unglückliche Kind des Hauses , die verirrte Johanna lag ihr schmerzlich am Herzen . Endlich , nach vielen vergeblichen Erkundigungen wußte man so viel , daß sie in der großen Stadt im Norden mit dem Manne lebe , dem sie ihr Geschick anvertraut hatte . Das Gerücht sprach von einer Vermählung . Man würde früher ihre Spur gefunden haben , wenn man nicht aus Rücksicht auf den Ruf der Entflohnen alle Nachforschungen nur durch die dritte Hand anzustellen sich genötigt gesehn hätte . Die Herzogin war durch das Ereignis im Innersten verletzt . Den Herzog sah sie beschäftigt , gedankenvoll ; sie meinte das Gespräch mit ihm über diese Verwirrung bis zu einem freieren Zeitpunkte verschieben zu müssen . Inzwischen wollte sie nicht feiern . Sie nahm sich vor , der Unglücklichen zu schreiben ; auf welche Weise dieser Brief