Philisteridylle gemacht . Ging aber Deine Jugend verloren , so stieg auch über dem harten Mannesalter keine wärmende Sonne mehr auf . Kein Blüthenschauer , kein Liebesstern , kein unverhoffter Segen , kein Geld und kein Glück , kein Reichthum und keine Fülle , kein Schimmern und kein Strahlen . Viel trockenes Brot , viel kalte Küche , und viel Theokrit . Deine ganze Bescheerung . Nur das Wandern hattest Du noch , durch Stadt und Land , das Wandern und die Lust an der freien Luft , das konnte Dir Keiner nehmen . Großer Spaziergänger , ich scheide doch mit Liebe und Achtung von Deinem Hügel . Schlummere sanft fort , Du hast viel gepilgert . Und wenn ich Dir keine bessere Standrede gehalten , so schreibe die Schuld dem Philister zu , der dort vor mir steht , und mich durch seine Nähe verstimmt hat . - - Hiermit sprang ich auf , und entfernte mich mit eiligen Schritten von dem Kirchhof . Der Philister , der sich meine letzte Anspielung wenig zu Herzen zu nehmen schien , wieder hinter mir drein . So gelangten wir , nachdem ich mich noch eine Zeitlang auf zwecklosen Kreuz- und Querzügen mit ihm umhergetummelt , endlich ins Theater , wo ein zusammengerührtes Quodlibet von Ballet , Oper und dramatischem Ennui gegeben wurde . Ein sogenanntes Mixtum Compositum , das dem liederlich zerstreuten Theatersinn , der auf nichts Ganzes mehr zusammengehalten werden kann , am angenehmsten und natürlichsten entspricht . Es war sehr leer in dem kleinen Hause , der eigentliche Flor der schönen Welt fehlte . Ehe der Vorhang aufgezogen wurde , sah ich mir den neben mir sitzenden Philister noch einmal recht genau an , ob er auch wirklich ein Mensch sei . Ich fragte ihn , warum er denn eigentlich reise , da das Reisen doch so viele Beschwerlichkeiten mit sich bringe . Er antwortete mir , er gedächte zu heirathen . Da wolle er sich vorher noch einmal die Welt ansehn . Das fand ich allerliebst , und mußte so laut darüber lachen , daß sich das ganze Parterre nach uns umsah . O Welt ! Welt ! Welche Magie muß in dem Begriffe Welt liegen , welcher hinreißende bacchische Taumel muß von dem Begriffe Welt ausgehen , daß selbst ein Philister , ehe er heirathet und das Haus hinter sich zumacht , sich noch einmal die Welt ansehen will ! Jetzt hob die Vorstellung an . Schauspieler , wie Schauspielerinnen , eine aus den verschiedenartigsten Bestandtheilen zusammengeraffte Truppe , sprachen und handelten gleich erbarmungswürdig und verstandlos . Man gab auch wenig Acht auf sie , und die Theilnahme des Publikums begann sich erst zu regen , als die beiden anmuthigen Schwestern Amiot auftraten , um ein ländliches Pas de Deux zu tanzen . Schöne , saftvolle , sinnliche Gestalten , ein gaukelndes , glühendes Leben in den runden Wellen der Glieder ! In diesem Augenblick wurde auch der König auf seinem Platze gesehen . Er war eben ins Theater getreten , und mit ihm Alexander von Humboldt , der zu seiner Seite Platz nahm . Die beiden reizenden Sylphiden verdoppelten nur ihren Eifer , und wie blumentrunkene Libellen hoben sich die schlanken Beine und Füße auf und nieder , und schienen sich in ihrem süßen Rausch oft ganz zu vergessen . Ein weites Feld für den Naturforscher eröffnete sich , und wenn auch hier für einen Humboldt nicht gerade ein Chimborasso zu ersteigen war , so gab es doch noch immer Anlaß genug , daß ein großer Naturgelehrter sich hier an Höhenbestimmungen , Längenmessungen und dergleichen , versuchen konnte . Denn immer höher und höher flogen die trunkenen Libellen , in das feurige Spiel der Bewegungen flossen tausend verborgene Reize über , die Erdenhülle verstob fast vor dem entzückten Auge , man sah die hellen Geister transparent , man war erstaunt , außer sich , man klatschte , und machte dem gepreßten Busen Luft in einem enthusiastischen Bravo . Die Mädchen hatten in der That außerordentlich getanzt , sie hatten bewiesen , daß der menschliche Körper ein Zauberer , alle Glieder Liebesgötter sein können , und ich erfuhr , daß ihnen der König nachher seinen besonderen Beifall darüber zu erkennen gegeben ! - Hier laß mich abbrechen , Heilige ! Ich will mich jetzt von der Seite des Philisters fortschleichen , und noch vor Schluß der Vorstellung in den Gasthof zurückkehren , um meine Sachen einzupacken . Der Philister darf nicht wissen , daß ich morgen mit dem Frühesten nach Prag reise , weil er mit mir wollte . Von Allem aber , was mir sonst noch in Teplitz begegnet , und von einem glänzenden Ball , den der Fürst Clari noch in derselben Nacht gegeben , und dem ich zugesehen , wirst Du in meiner großen Reisebeschreibung , die ich künftig einmal drucken lassen werde , etwas erfahren . Bis dahin gedulde Dich , Du liebes heiliges Madonnengesicht ! Liebe Weltheilige , bete auch recht fleißig für mich , denn mir ahnt , daß ich noch in große Anfechtungen gerathen werde ! Und wo bleibt Deine Selbstbiographie ? - - Dank ! Dank ! Als ich nach Hause kam , fand ich Dein zierliches Couvert , und darin die Blätter von Deiner Hand . Ja , ja , Du bist eine große Heilige mit Deiner weltlichen Seele . Habe ich Dir nicht gesagt , daß Alles , was eine Geschichte hat , Gott angehört ? Und Dein Leben hat seine tiefbedeutende Geschichte . Jede Sylbe darin ein heißer , rother Tropfe Blut aus geöffnetem Herzen . Jedes Wort eine schneidende Wahrheit des Daseins . Den heimlichsten Athemzug Deiner Seele habe ich darin behorcht , und viel gelernt und viel genossen . Du hast etwas erlebt in der Welt , Du bist eine Heilige ! Gott grüße Dich , Du weltliche Seele ! Dank ! Dank ! - - - Bekenntnisse einer weltlichen Seele . So wenig hat wohl nie ein Kind von sich selbst gewußt ,