Schlosse hätte möglich machen können ; so trat er denn eines Abends zu Pferde , von einem Diener begleitet , die Reise an . Der Frühling war in seinem vollen Glanze erwacht , die lezten rauhen Athemzüge des Winters verhauchten in dampfende Nebel , der die tiefsten Thäler noch einhüllte , goldne Strahlen entzündeten die Welt , und leichte süße Gesänge wiegten sich auf den sprossenden Zweigen . Gegen die Nacht kam ein Gewitter herauf und ein warmer qualmender Brodem stieg mit einem betäubenden Geruch aus dem Boden des Waldes , einige dumpfe Schläge ertönten , dann herrschte tiefe Stille und während der matte Glanz der Blitze um die Blüthen herumfuhr , tropfte ein warmer Regen nieder . Eduard hatte sich mit seinem Diener unter einem Baume niedergelassen und den Rock aufgeknüpft ; zum erstenmal wieder schmerzte ihn seine Wunde empfindlich , und er mußte gebückt sitzen , die Hand auf dem entblößten Busen . Das geheimnißvolle Blatt kam ihm wieder in die Hände , er heftete in der Dunkelheit sein Auge drauf , und es war ihm , als sähe er wieder jene blendend weiße Hand über seine Schulter reichen , um ihm das Papier zu entreißen , heftiger schloß er es an sich und blickte um . Tiefe Finsterniß hüllte jezt den Wald , heftig rauschte der Regen und leuchtende Blitze schossen nieder . Eine Unruhe , die er sich nicht erklären konnte , trieb ihn an , das Pferd zu besteigen und in die Nacht hinein sein Ziel zu verfolgen . Das Wetter ließ bald nach , und als unser Reiter bei den ersten frischen Morgenstrahlen aus dem Walde herausritt , zeigte sich ihm das Schloß und seine Umgebungen . Es lag in romantischer Wildheit am Abhang eines Berges und ein Theil desselben lehnte sich in starren Umrissen an eine schroff emporsteigende Felswand . Brücken , hier und da noch mit dem alterthümlichen Schmuck früher Jahrhunderte versehen , liefen über Abgründe und verbanden die schweren Massen mit einander , sicher und zierlich aufsteigende Thürme und Thürmchen umstellten den Bau wie schützend nach allen Weltgegenden hin und auf den spitzigen Dächern blitzten im Abendlicht die blanken Knöpfchen . Weiter unten , halb im Thal , erhob sich ein modernes Gebäude , zierlich ausgestattet , vom hellen Grün schön geordneter Baumgruppen umschlossen . Eduard stieg hier vom Pferde und auf seine Frage nach dem Schloßintendanten wies man ihn hinauf in die fürstlichen Zimmer . Alsobald machte er sich auch auf den Weg . Oben auf der alterthümlichen Stiege kam ihm ein Diener der Oberhofmeisterin entgegen , ihm den Eingang in den Saal öffnend . Bei seinem Eintritt erblickt er ein Frauenzimmer , welches am lezten Fenster mit dem Rücken gegen ihn saß und sein Erscheinen nicht zu bemerken schien . Bestürzt blieb er stehen und strich sich über die Stirne - es war nur zu deutlich , die Gestalt aus seinem Traume saß vor ihm . Der voraneilende Diener meldete ihn , in dem Augenblick erhob sich die Dame und Eduard erkannte die Fürstin , die ihn huldreich begrüßte . Von ihrem Schoße fiel , indem sie aufstand , ein Stickmuster zur Erde und als sie sich bückte es wieder aufzuheben , löste sich die eine Seitenlocke und sank auf den Hals nieder . Eduard starrte die Prinzessin an , einige Worte stammelnd , welche nur zu deutlich seine innere Bewegung verriethen , in dem Moment öffnete sich eine Thür und Fräulein Magdalena trat herein . Ein ausgewählter Morgenanzug schloß sich ihrem schönen Wuchse an , in ihrem Gesichte lag eine ungewöhnliche Blässe , mit der das volle röthlich braune Haar contrastirte . » Werden Sie mir vergeben , « nahm die Fürstin zu Eduard gewendet das Wort , » wenn ich die Veranlassung bin , daß Sie aus dem Kreise ihrer Freunde , aus den bunten Zirkeln der Residenz sich haben losreißen müssen , um meinem Wunsche zu genügen , das Bild meiner lieben Freundin , « sie zeigte auf das Fräulein , » zu malen ; sie will uns verlassen , meine zärtlichsten Wünsche haben nichts über ihren unbeugsamen Willen vermocht , als nur die eine Vergünstigung , ihr Bild mir ausbitten zu dürfen . « Das Fräulein neigte sich bei diesen Worten mit einem Kusse auf die Hand der Fürstin nieder . Diese Handlung gab Eduarden plötzlich seine ganze Fassung wieder , er glaubte die Heuchlerin zu entdecken , der kein Mittel zu gering war , sich in die Gunst der durch sie beleidigten Fürstin wieder einzudrängen , ja er meinte , das Feuer dieser großen blauen Augen , die eine Zeitlang auf ihm geruht hatten , zu verstehen , das Räthsel jener geheimnißvollen Worte löste sich - sie , sie , rief er bei sich , sie hat dich hergerufen - ihr entschlüpften jene Drohungen und Winke . Eine Kälte erfüllte seinen Busen , das Gespräch , die Umgebung , die Wände des Gemachs , ja das ganze finstere Schloß drängte jetzt beängstigend auf ihn ein . Der Widerwille , der Haß gegen das Fräulein stieg so hoch , daß er jeden Augenblick fürchten mußte , daß sein offener Charakter an ihm zum Verräther werden möchte ; nur der Anblick der Fürstin , die ihn immer von Neuem an seine Mutter erinnerte , war im Stande , ihm den Gedanken an einen längern Aufenthalt in dieser Umgebung nicht zur Marter zu machen . Als unser Freund später zur Abendtafel erschien , trat mit ihm ein ältlicher Mann mit ehrwürdigen Zügen , den die Fürstin als Freiherrn von Werner , den Intendanten des Schlosses , vorstellte , wo Eduard seinen Wohnort aufschlagen sollte , ein . Das Fräulein sprach wenig , ein grüner Schirm bedeckte ihre Augen vor dem Glanze der Kerzen , und da sie den Kopf gesenkt hielt , gewahrte der Blick nur die zarte Rundung und Weiße des Kinnes , so wie ein schön gebildetes blaßrothes Lippenpaar . Oefters reichte ihr die Fürstin die Hand über den Tisch und sagte : » Nun