verschenken mögen , um dieses Einzige zu wissen , und doch pries er wieder seine Ungewißheit , weil sie ihm vergönnte , alles zu glauben , was er wünschte . Sollte jetzt nicht auch in ihrem Busen der wonnevollste Tumult von Freude , Furcht und Hoffnung laut sein ? und ist nicht der Grund ihrer Seele , wie die Tiefe eines stillen Meeres , jetzt von jener unendlichen Ruhe beherrscht , welche im Bewußtsein hoher Liebe liegt ? - So dachte er , so durchlief er noch manches , was ihn mächtig emporhob , kräftig gab er seinem Pferde die Sporen , als gälte es , noch heute allen seinen Wünschen die Krone aufzusetzen . In derselben Woche kamen Briefe aus Neuburg an Theobald , wie gewöhnlich unter der Aufschrift an Larkens . Voll Begierde nach dem Inhalte , welcher ihm , wie er zuverlässig hoffte , jeden Zweifel über Agnes benehmen sollte , riß er das Kuvert auf . Jedesmal ergriff ihn die eigenste Rührung , wenn er solche treuherzige Linien ansah , die nach des Mädchens Meinung der Geliebte lesen sollte , und die unser Schauspieler doch wiederum nur sich selber zueignen konnte , da es nur Antworten auf dasjenige waren , was er zwar ganz im früheren Sinne Noltens geschrieben , aber doch gleichsam durch alle Fasern des eigenen innigsten Gefühls übertragend , empfunden hatte . In der Tat , er kam sich dann immer wie ein gedoppeltes Wesen vor , und nicht selten kostete es ihn Mühe , sein Ich von der Teilnahme an diesem zärtlichen Verhältnis auszuschließen . Was Agnesens gegenwärtigen Brief betrifft , so klangen ihm die Worte anfangs einigermaßen rätselhaft , bis ihm ein größeres Schreiben vom Vater in die Hände fiel , das er auch zugleich von Blatt zu Blatt mit immer steigendem Erstaunen hastig durchlas . Der Alte beruft sich auf seinen frühern Brief an Theobald , worin die sonderbare Verirrung des Mädchens , soweit es damals möglich gewesen , bereits entwickelt worden sei ; er wolle aber , da einige erst neuerdings entdeckte Umstände die Ansicht des Ganzen bedeutend verändert hätten , alles von vornherein erzählen , und so setzt er denn dasjenige weitläufig auseinander , was wir dem Leser schon mitgeteilt haben . Mehrere auffallende Vorgänge hatten dem Förster zuletzt über das Dasein eines stillen Wahnsinns keinen Zweifel mehr übriggelassen . Es ward ein Arzt zu Rat gezogen , und mit Hülfe dieses einsichtsvollen Mannes gelang es gar bald , den eigentlichen Grund des Unheils aus dem Mädchen hervorzulocken . Hiebei mußte es für den aufmerksamen Beobachter solcher abnormen Zustände von dem größten Interesse sein , zu bemerken , daß schon das Aussprechen des Geheimnisses an und für sich entscheidend für die Heilung war . Denn von dem Augenblicke , da der Auftritt mit der Zigeunerin über Agnesens Lippen kam , schien der Dämon , der die Seele des armen Geschöpfes umstrickt hielt , seine Beute fahrenzulassen , und ein herzzerschneidender Strom der heftigsten Tränen schien die Rückkehr der Vernunft anzukündigen . Die Entdeckung jener geheimen Ursache fand aber um so weniger Schwierigkeit , da das Mädchen selbst seit der zweiten Unterredung mit der Zigeunerin ein gewisses Mißtrauen gegen dieselbe nährte , worin sie sich nun eben nicht ungerne bestärken ließ . Wirklich rührend war es anzusehen , mit welcher Begierde sie jedes Wort einschluckte , das man zum Beweis eines offenbaren Betrugs vorbringen mochte . Auf ihrem zwischen Angst und dankbarer Freude wechselnden Gesichte malten sich die letzten Zuckungen des abergläubischen Gewissens , dem die vernünftige Beredsamkeit des Vaters nun den Todesstoß gab . Dennoch fühlte sie noch immer eine Art von Zwiespalt im Innern , sie fand sich schwer zurecht , und wie der Blindgewesene sich nur langsam wieder an das Licht gewöhnt , das alle Welt erfreut , so dauerte es einige Zeit , bis Agnes ihr Glück zu fassen vermochte , bis sie es wagte , sich den andern Menschen wieder gleichzustellen . Oft kam es ihr noch vor , als ob irgendein finsterer Zeuge ihres Schicksals hinter ihrem Rücken lauschte und auf Rache denke , weil sie seinen Banden entsprungen . Aber der Verbrecher , der durch eine feierliche Absolution aus dem Munde des Heiligen Vaters mit einemmal sich einer ganzen Hölle entbunden fühlt , kann nicht leichter atmen als Agnes , nachdem endlich das düstere Phantom für immer verabschiedet war . Wie ganz anders konnte sie nun an Nolten denken ! Wie herzhaft prüfte ihre Liebe wieder die alte Freiheit ihrer Flügel ! Wie ungewohnt erschien ihr alles , was in bezug auf ihn gesagt oder getan ward ! Sprach jemand seinen Namen aus , so konnte sie den Namen mit seligem Befremden vor sich wiederholen und mit Entzücken rief sie ihn dann laut aus , so daß man sie kaum begreifen wollte . Kam ihr zufällig seine Handschrift vors Auge , so deuchten ihr die Züge wie sprechend , sie betrachtete sie mit einem völlig neuen Sinn - kurz , es schien , als sei er ihr erst heute geschenkt , als heiße sie jetzt zum ersten Male Noltens Braut . Dieselbe unschuldige Trunkenheit atmete aus ihrem Briefe , den Larkens jetzt in der Hand hielt . Sie vermied soviel möglich jede Berührung jener störenden Ereignisse , und ihre Worte verrieten nicht die geringste Unruhe darüber , wie Theobald die Geschichte ihrer Krankheit aufnehmen werde , welche der Vater mit ihrem Vorwissen , jedoch ohne der Tochter sie lesen zu lassen , ihm aufrichtig mitteilte . Mit Staunen und Rührung legte Larkens die Blätter auf den Tisch , nachdem er sie zwei - und dreimal mit der größten Sorgfalt durchgelesen hatte . Er hatte Mühe , sich die Fäden dieser unerhörten Verwirrung klarzumachen , sich zu sammeln und ein ruhiges Bild vom Ganzen zu gewinnen , um hierauf seine Entschließung zu fassen . An der getreuen Darstellung der Begebenheiten zweifelte er keinen Augenblick , alles trug zu sehr das Gepräge der inneren Wahrheit . Aber was ihn bei der Sache besonders nachdenklich