gebeten , Leontin in der Gesellschaft Zutritt zu verschaffen . Mama warf einen ihrer prüfenden Blicke auf den jungen Menschen , als wenn sie sehen wollte , ob es sich der Mühe verlohne ? Er stand vor ihr , ließ den Vater für sich sprechen , setzte nicht eine Sylbe hinzu , und wandte sich , mit dem gleichgültigsten Gesicht von der Welt , wieder ab , als beide aufhörten , von der Sache zu reden . Mich betrachtete er ein paarmal , ohne indeß eine Miene zu verziehen . Curd lachte mich darüber aus , ich mußte wohl oder übel , mit lachen , unser stumme Gast ging eben vorüber . Ich hörte , wie ihn Curd ziemlich spöttisch fragte , weshalb er nicht die alte Bekanntschaft mit der Tochter des Hauses erneuere ? Leontin sah ihn verwundert an , indem er kurz und trocken erwiederte : » ich fand noch keine Veranlassung dazu ! « Findest Du das nicht höchst sonderbar ? Mir scheint es unhöflich . Stelle Dir vor , alle Leute sind hier voll von der Schönheit unserer neuen Nachbarin . Man übertreibt wieder einmal auf das Lächerlichste . Mama sagt , es thue ihr leid um die kleine Frau . Wenn sie erscheinen werde , dann sei es Jeder schon müde , von ihr zu sprechen , und sie werde damit enden , gar nicht zu gefallen . Hugo hat ganz den Ruf eines interessanten Sonderlings . Ich werde von aller Welt über ihn befragt . Es ist wahr , er ist der schönste Mann , den ich kenne . Morgen sind wir auf ein Dejeuner beim russischen Gesandten . Der Hof wird auch da sein . Die himmlische Meierei an der Burgwiese ist neu dazu eingerichtet . Ich freue mich unmenschlich darauf . Arme Agathe , wenn Du doch auch hier wärest ! Ich schicke Dir diesen Boten , um Dich zu bitten , daß Du mir Deinen allerliebsten Basthut mit den Veilchen leihen möchtest . Thue mir den einzigen Gefallen , liebe Schwester . Siehst Du , meiner hat auf dem Transport einen Kniff in der Krempe gekriegt , und seit ihn die Nettencourt in die Hände genommen hat , um ihn wieder zurecht zu machen , ist er total verdorben . Mama schwört , daß sie es absichtlich gethan hat , aus Aerger über die französische Waare . Nicht wahr , Du leihst mir Deinen ? Ich rechne bestimmt darauf . Es wäre auch unglaublich unfreundlich , wenn Du mirs abschlügst . Jetzt kannst Du ihn ja doch nicht gebrauchen . Mit dem enormen Fleck auf der Backe , würdest Du doch nicht erscheinen können , und Mama gäbe es auch gar nicht zu , könnte es um Deinetwillen nicht zugeben . Siehst Du , und im Winter ist er aus der Mode , dann schenke ich Dir einen neuen . Ich spare schon Geld dazu . Vielleicht brauche ich das nicht einmal zu thun . Es kann sich wohl bis dahin Vieles ändern ! - Weißt Du , die Tante ist sehr krank , Baron Wildenau sagte es gestern . Wenn sie stirbt , sind wir die reichsten Parthien im Lande . Dann kriegen wir auch Zobelpelze zu Weihnachten ! Das Dümmste wäre nur , wenn sich die Krankheit noch lange hinzöge , und der Tod uns die Trauer mitten im Carnaval auflegte . Wer will aber so weit vorausdenken ? Und nicht wahr , Agathe ! Du schickst mir den Hut ? Adieu , liebe Schwester ! Ich umarme Dich tausendmal . Antwort Du bist unausstehlich mit Deinen ewigen Prätentionen . Niemals hast Du was , und doch willst Du immer und ewig mehr als andere Leute vorstellen . Den Hut hast Du Dir ja muthwillig , durch das unaufhörliche Aufprobiren verdorben . Standest Du denn nicht den ganzen Morgen vor dem Spiegel , und schobst und rücktest daran , und drehtest den Kopf hin und her , unter lauter Trillern und Singen , daß mir noch die Ohren davon wehe thun . Die Nettencourt sollte ihn heimlich wieder zurechtmachen . Du hast Dich wohl gehütet , Mama zu bekennen , was eigentlich damit vorgegangen war ; und nun muß die arme Person die Schuld auf sich nehmen . So machst Du es immer . Wenn Du ein gutes Herz hättest , so würdest Du wohl daran denken , was es mich kosten muß , hier so allein zu sitzen , während Du Dich göttlich unterhältst . Du würdest Mitleid mit mir haben , und nicht noch eine Gefälligkeit obendrein von mir fordern . Es ist wahrhaftig kein geringes Opfer , was ich bringe , wenn ich Deinen Wunsch erfülle . Ich thue es aber recht ungern , das versichere ich Dich , denn daß ich den Hut niemals wieder werde aufsetzen können , davon bin ich überzeugt . Du verdirbst ja gleich alles , was Du anfaßt . Und wiederkaufen kannst Du mir auch keinen andern . Mein Gott , Rosalie ! Dein Taschengeld reicht ja niemals aus . Was Du von dem Tode der Tante sagst , ist recht sündlich . Ueber dergleichen muß man niemals leichtsinnig reden . Und wer weiß denn auch , ob sie so reich ist ? Ein rechter Querstrich wäre es doch bei allem dem , wenn mir auch noch die Wintervergnügungen verdorben würden ! Wäre dies der Fall , ich würde noch mehr weinen , als ich es jetzt schon thue ! Ja gewiß , ich schwimme in Thränen , während Du Dich mit meinen Sachen putzest , und zu den Festen fährst . Morgen bleibe ich gewiß bis Mittag im Bette . Ich will nicht sehen , ob es Nacht oder Tag ist . Mama mag sehr klug sein , aber sie ist auch sehr sonderbar . Um solche Kleinigkeit so viel ängstliche Rücksicht ! Glaube mir , mit meiner Figur , mit meinen Augen , hätte Niemand auf ein Bischen unruhige Haut gesehen . Aber ich weiß schon - -