wir weit getrennt sind , Sie belasten ; ich bitte , vertrauen Sie diese Miß Mortimer und übergeben ihr dann dieses Päckchen ! « - Ich begriff , daß es die Mittel enthielt , die Schuld an Lord Friedrich zu tilgen , ich lehnte das Anerbieten ab , versicherte , daß diese Schuld keine Eile habe , daß sie kein Geheimniß sey , daß ich sie wegen eines Spielwerks eingegangen wäre ... doch , meine heftige Bewegung wahrnehmend , beherrschte ich mich schnell und bat ihn mit neu erwachendem Stolz , Miß Mortimer bei ihrer Kränklichkeit nicht mit dieser Kleinigkeit zu belästigen . Er suchte mich zu widerlegen ; da er aber meine Beharrlichkeit bemerkte , rief er : » So ists Zeit , zu enden . Leben Sie wohl , Ellen ! Aller Segen ... « Hier versagte ihm seine Stimme ; er warf einen Blick auf mich . - O nie , nie verschwand dieser Blick vor meinem Gedächtniß , und über den Schmerz , der um seinen Mund zuckte , glitt ein Lächeln , wie ein Sonnenblick über die sturmgeschlagne Flur . Ich wendete mich ab , und er verschwand . Ich erlebte , wie alle Welt mich verließ , ich wanderte heimlos in fremden Straßen , ich sah mich mit den Unseligsten des Menschengeschlechts in dem Ort des Grausens eingesperrt , aber den Schmerz fühlte ich niemals wieder , der mich ergriff , da ich wieder in das Zimmer hinblickte und Maitland nicht mehr fand . Miß Mortimers Worte tönten in mein Ohr : » Die Guten und Weisen werden Sie verlassen . « - O sie haben mich verlassen , und ich bin freundlos , allein ! rief ich zur Erde sinkend und verbarg mein Haupt auf dem Platz , auf dem Maitland gesessen hatte . Nach diesen Aeußerungen wird man nun glauben , daß mein Herz wirklich einen tiefen Eindruck empfangen hätte . - Das war aber keineswegs der Fall . Herr Maitland hatte meine Eitelkeit gereizt , er hatte meine Neugier erregt , sein Gespräch hatte mich angezogen , ich fand in der Unterhaltung mit ihm den Genuß , geistige Fähigkeiten in mir zu entdecken , die in dem flachen Geschwätz meiner andern Bekannten nicht angeregt wurden , ich besaß eine Art kindlichen Vertrauens in seine Güte , sein Charakter flößte mir eine tiefe Achtung ein - was mich bei seiner Abreise so heftig schmerzte , war die Gewißheit , seine Achtung verloren zu haben , von ihm durchschaut worden zu seyn , es war die Bekümmerniß , des Rückhalts seiner Güte , der Ueberzeugung von seinem Schutz , die unklar aber fest in meiner Seele ruhte , beraubt zu seyn . Leider blieb dieser Eindruck so wenig wirksam , daß ich schon nach einigen Stunden mit gewohntem Leichtsinn mit Lord Friedrich liebäugelte , und nach wenigen Tagen , während der ich das Andenken an Maitlands Abschied als etwas Schmerzliches vermieden hatte , seiner kaum mehr gedachte . Der Befehl meines Vaters rücksichtlich der Besuche des Lords in seinem Hause , war keineswegs befolgt worden ; er stellte sich täglich daselbst ein , ich begegnete ihm in dem größten Theil meiner Gesellschaften , am häufigsten traf ich ihn bei Lady St. Edmond , deren Umgang ich , weil er mir mehr , als jeder andre schmeichelte , noch immer am häufigsten aufsuchte . Meine angenehmsten Stunden brachte ich bei ihr in einem kleinen Zimmerchen zu , in welchem Kunst , Luxus und Geschmack erschöpft waren , um den eigensinnigsten Forderungen eine Genüge zu leisten . Die mildesten und frohesten Farben verschmolzen sich an den Wand- und Fensterbekleidungen , einige üppige Landschaften , von Meisterhand gemalt , die schönsten Vasen , die zierlichsten Divans machten diesen kleinen Raum zu einem Feenaufenthalt , den Abends Alabasterlampen mit Mondlicht erhellten , zu dem aber ein großes Fenster das Tageslicht nur durch die Verzweigung der schönsten , duftenden Blüthenpflanzen zuließ . Ein herrliches Pianoforte , eine eben so vortreffliche Harfe , eine kleine Sammlung Dichter vollendeten den Aufputz dieses Cabinets . Nie ward es von einem Bedienten betreten ; der wenige Dienst , den man darin verlangte , ward von einer leichtfüßigen , rosenwangigen Zofe besorgt . Hier war Lord Friedrich meistens der Dritte in unserer Gesellschaft , Lady St. Edmond behandelte mich wie eine vertraute Freundin , ich empfand nicht die mindeste Scheu gegen sie , und so blieb es seiner Klugheit überlassen , diese unbedachten Zusammenkünfte zu benutzen . Ohne daß er meinem Herzen lieber geworden wäre , als im Anfang unserer Bekanntschaft , wußte er sich durch die Sprache der verliebten Schmeichelei meiner Aufmerksamkeit je mehr und mehr zu bemächtigen ; ich hatte mich an das eitle Spiel kleiner Gefallkünste , Zwiste , Nachgeben , Gebieten , Beherrschen gewöhnt , und wenn ich hier und da durch irgend einen Zug in Lord Friedrichs Betragen gewarnt , aufmerksam wurde , beruhigte ich mich selbst mit der Ueberzeugung , daß zwischen mir und einem Mann , dessen Bewerbung mein Vater unbedingt abgewiesen , nicht die Rede von einem nähern Verhältnisse seyn könnte . Eines Morgens , den ich , wie so oft geschah , bei Lady St. Edmond in obenerwähntem Cabinette in Gesellschaft Lord Friedrichs zubrachte , ward sie eines Geschäftes wegen abgerufen , und der Lord benutzte unser Alleinseyn , um mit unerwartetem Ernst mir seine Leidenschaft zu erklären . Ich suchte , wie schon früher bei weniger dringendem Geschwätz dieser Art , durch witzige Einfälle abzuwehren ; allein er veränderte seinen Angriff und stellte mir sehr ernstlich das Recht vor , welches mein Betragen ihm gegeben hätte , Hoffnungen zu hegen . Dieser Vorwurf erschreckte mich auf eine sonderbare Weise , er gab mir augenblicklich ein Bewußtseyn meiner Schuld , aber zugleich eine entschiedne Abneigung gegen den Mann , der Rechte an mich geltend machen wollte . In der größten Angst , aber mit eben so großer Wahrhaftigkeit gestand ich ihm , daß , seit mein Vater sich bestimmt gegen seine Bewerbung erklärt ,