unterworfen gewesen , sondern auch erlegen ist , und daß besonders bei Ihrem Geschlecht sich der alte Satz bewährt , daß - wenn die Sonne untergegangen , dann die Sterne zu flimmern beginnen , c ' est à dire , wenn ich eine freie Uebersetzung dieser Behauptung hinzufügen darf : wenn der Geliebte abwesend , oder heimgegangen ist , wie die Herrnhuther zu sagen pflegen , so fangen auch geringere Subjekte an zu interessiren - sind überall als Lückenbüßer und um den Triumphwagen der Damen desto rascher zu ziehen , gar nicht überflüssig und unwillkommen . Die Gräfin wollte schlechterdings dies nicht zugestehen . Doch fand sie , daß sie mit sehr ungleichen Waffen gegen ihren Widersacher kämpfe , indem er , der schlaue Diplomatiker , vermöge seines Berufs , schon gewohnt sei , sich und Andere durch allerhand glänzende Scheingründe sophistisch zu bestechen , und die Wahrheit - wenn auch nicht geradezu zu verläugnen , doch so zu verdrehen , daß sie am Ende alles Andere , nur nicht Wahrheit , sei . Sie foderte die übrigen anwesenden Damen auf , sie doch nicht allein sich aufopfern und den Märtyrertod für den Ruhm ihres Geschlechts sterben zu lassen , sondern ihr beizustehen . Alle aber fanden ihre Angelegenheiten in den besten Händen . So wandte sie sich zuletzt denn an Alexander . Sie , den ich heute zu meinem Ritter erwählt habe , sagte sie , dessen Pflicht es ist , jeden Unglimpf zu rächen , der mir widerfährt - können Sie so ruhig anhören , wie man uns arme wehrlose Frauen , und vor allen mich , ihre Stellvertreterin , kränkt und verläumdet ? Wenn Sie auch nicht meine Farbe tragen , so heben sie doch wenigstens ritterlich den Handschuh auf , den dieser durch die dritte , vierte Hand liebende Held mir so höhnend zuwirft ! Gewiß , gnädige Frau , antwortete er , es ließe sich für keine schönere Veranlassung eine Lanze brechen , und sie finden mich hier , wie immer , zu Ihrem Dienste bereit . Ich erkenne und ehre die weiblichen Tugenden viel zu sehr , um Beständigkeit , eine der herrlichsten derselben , zu bezweifeln , und mein eigenes Gefühl , ich darf sagen , meine eigene Erfahrung hat schon früher in mir gewagt , den Beschuldigungen Sr. Excellenz zu widersprechen . Denn , was bei dem weniger zart organisirten Mann möglich ist : die Gewalt des ersten unauslöschlichen Eindrucks sich fürs ganze Leben zu bewahren - wie sollte dies nicht bei den Frauen noch weit natürlicher und unerläßlicher seyn - bei ihnen , deren Gemüth der geweihte Tempel einer jeden Gottheit ist , die wir Unschuld , Treue , Reinheit und Liebe nennen ? Und wir - hier berührte sein funkelnder Blick schüchtern im Vorüberstreifen Erna , die sogleich verlegen die großen Augen senkte - wir denken , wenn uns einmal eine Sonne warm und wahrhaft durchglüht hat , ewig an den schönen Strahl zurück , und bemerken weder Nebensonnen noch Sterne , wenn sie auch noch so hell glänzen . Nun fürwahr , unterbrach ihn die Gräfin mit der ihr eigenen Art zu scherzen , indem sie aufstand , ritterliche Galanterie traute ich Ihnen zu , mir beizustehen , nicht aber , daß Sie , von Ihren Gefühlen und Erfahrungen unterstützt , ein Lobredner der Beständigkeit werden , und sie sogar unter die Eigenschaften des männlichen Charakters , und des Ihrigen insbesondere zählen würden . Das übertrifft meine Erwartung , und die diplomatische Excellenz wird sich nun gewiß auch ohne Blutvergießen für überwunden erklären . Daher darf ich jetzt auf einen ehrenvollen Rückzug denken , da die Mitternachtstunde ohnehin nach einer weisen häuslichen Polizeieinrichtung die letzte seyn sollte , die man außer dem Bette zubringt . Heiter wie man zusammen gewesen war , ging man auseinander , und Alexander nahm , als den letzten Gewinn dieses reichhaltigen Tages , die Einladung des Gesandten mit auf den Weg , so oft er nur immer selbst wolle , seinen Besuch zu wiederholen . XX Daß er - wiewohl mit all ' der Bescheidenheit , die dem seingebildeten Manne ziemt - von dieser Erlaubnis Gebrauch machte , versteht sich von selbst , und da die Anmuth seiner Persönlichkeit und der feine Tact fürs Schickliche , der ihm angeboren war , ihn wirklich zu einem sehr angenehmen Gesellschafter machte , durfte er bald keinen Tag mehr im Hause des Gesandten fehlen , ohne sich vermißt , um die Ursach befragt und aufgesucht zu sehen . Mächtiger noch als diese freundlichen Veranlassungen zog ihn die eigene Neigung und die Wunderkraft an , die durch Erna ' s Schönheit eine so unwiderstehliche Gewalt über ihn übte . Immer fester webten sich die Zauberfäden , die ihn an sie fesselten , und je mehr er Gelegenheit hatte , sie im engen häuslichen Kreise zu beobachten , wo das Gemüth sich freier als in großen geräuschvollen Zirkeln entschleiert , oder wenigstens sich öfterer unwillkührlich verräth , je mehr bestärkte sich die Ueberzeugung in ihm , daß die liebenswürdigen Eigenschaften ihres Charakters die Reize ihrer Gestalt und die seltene Ausbildung ihrer Talente noch übertrafen . Zwar schien sie , ihm gegenüber , sich unerschütterlich fest innerhalb der sich streng vorgezeichneten Gränzlinie einer vorsichtigen , selbst kalten Zurückhaltung erhalten zu wollen ; aber ihr Wesen , in dem jede Regung Ausdruck der reinsten Natur und der Wahrheit war , konnte nur mühsam und doch nicht täuschend erkünsteln , was sie nicht empfand . Wenn zuweilen sein Auge plötzlich sie faßte , schien eine rührende Wehmuth in dem ihrigen zu schwimmen , und zarte Theilnahme , die sich durch eine stete leise Achtsamkeit auf alles , was er sagte und that , verrieth , bewies ihm , daß eine geheime Stimme - ihr selbst vielleicht kaum vernehmbar - für ihn in ihrem Busen sprach . Daß der öftere Wechsel ihrer Farbe , wenn er ihr insbesondere nahte , oder vorzugsweise sie unvermuthet anredete , eher aus einer Aufwallung des Wohlwollens als