und zugethan ist , aber den es doch fürchten muß ; der Alles in seinem Hauswesen geschickt ordnet und leitet ohne Lärmen und Geräusch , ohne Zank , ohne Zorn , und daß doch Alles dabei gut geht , wie von selber ? - Diesen macht zum Hausvater der ganzen Gemeinde . « So sprach der weise Herr Pfarrer , und Jeder dachte nun anders als vorher . Und als die Gemeinde sich versammelte , um zween Vorsteher zu wählen , ward von den Meisten verlangt , man solle nicht offen wählen , sondern Jeder solle seine Stimme auf einem verschlossenen Zettel eingeben , damit Niemand wisse , wer sie gegeben , auf daß Jeder frei und ohne Furcht und Rücksicht den wählen könne , der ihm der Würdigste scheine . Der Löwenwirth Brenzel wollte zwar dagegen lärmen ; denn er hatte schon bestimmt , wen er zum Amtsgenossen verlange , und nun wollte er gern diejenigen sehen , die es mit ihm hielten oder von ihm abtrünnig wären . Aber der grimmige Löwenwirth setzte es nicht durch . Und es ward geheimes Stimmenmehr gesammelt , und in der ersten Wahl der Schulmeister Oswald , in der zweiten der Müller Siegfried zu Vorstehern des Dorfes erwählt . Letzterer nahm aber die Stelle nicht an , dieweil er Oswalds Schwiegervater wäre ; das tauge nicht , daß aus einer Verwandtschaft zwei Glieder beisammen im Rath säßen . Also ward , statt des Müllers , gewählt Ulrich Stark , ein stiller , fleißiger , verständiger Mann . Dem Löwenwirth , da er diese Wahl sah , ward es ganz grün und gelb vor den Augen . Er hoffte noch , Oswald werde sich ebenfalls weigern , die Stelle anzunehmen . Aber er betrog sich ; Oswald dankte der Gemeinde für das Zutrauen , und empfahl nun seinen lieben Johannes Heiter zum Schulmeister . Und Heiter ward Schulmeister . Der Löwenwirth ging betäubt , als wäre ihm ein Kirchthurm auf den Kopf gefallen , nach Hause . Daselbst ließ er seine Wuth erst an der Katze aus , die ihm schmeichelnd zwischen die Beine kam ; dann an dem Hunde , der freundlich an ihm hinaufspringen wollte ; dann an der Magd , die ihn nicht gleich verstand , als er ein Glas Branntewein begehrte ; dann an der Frau , als die sagte , der Ulrich Stark sei eine ehrliche Haut . 22. Der Gemeindsstall muß ausgemistet werden . » O Herr Jerum ! O Herr Jerum ! « rief der Löwenwirth und kratzte sich hinter den Ohren , so oft er daran dachte , daß Oswald nun Ortsvorsteher geworden . Doch besann er sich , und lief spornstreichs zum Oswald hin , umarmte ihn als seinen Kollegen , gratulirte von ganzem Herzen , sagte : nun wollten sie beide rechte Herzensfreunde werden und wie Brüder leben . Elsbeth wunderte sich über die gar zu schnelle Höflichkeit des Löwenwirths , und sprach , als er fortgegangen war , zu ihrem Manne : » Oswald , Oswald , hättest du doch die Stelle nicht angenommen ! Denn Brenzel ist ein falscher Mann , und er wird dir eine Grube graben und dich in die Falle bringen . Oswald , lieber Oswald , hüte dich vor dem Löwenwirth ! « Oswald küßte Elsbeths finstere Stirn und sprach : » Brenzel ist kein grimmiger Löwe ; ich sehe , er ist nur ein feiger , schmeichelnder , tückischer Kater . Aber ich will ihm die Pfoten schon lähmen . « Als nun die Vorsteher das erste Mal nebst dem Gemeindeschreiber beisammen saßen , verlangten Ulrich Stark und Oswald vor allen Dingen , die Rechnungen einzusehen und die Gemeindebücher . Aber da fand sich Alles in großer Unordnung . Vieles war gar nicht ins Protokoll eingetragen . Die Gemeinde hatte bei siebentausend Gulden Schulden . Beinahe die Hälfte war sie dem Löwenwirth schuldig , der sich fünf Prozent zinsen ließ , während er Geld zu drei und vier Prozent für sich aufgenommen hatte . Die jährlichen Gemeindssteuern waren meistens für allerlei Unkosten , Bemühungen , Augenscheine und Besichtigungen , für Reisen , Entschädigungen und dergleichen der bisherigen Gemeindsvorsteher darauf gegangen . Besondere Rechnung war darüber nicht geführt , sondern Alles nur in runden Summen ausgestellt . Eben so war es mit den Einkünften des Dorfspitals oder Armenguts gegangen . Mit den Vormundschaftsrechnungen für die Wittwen und Waisen stand es nicht besser . Aus den Waldungen hatte man im Einverständniß mit dem Förster nach Belieben Holz geschlagen und verkauft , wie es hieß , zum Besten der Gemeinde , ohne daß man jetzt wußte , wohin und wie viel . Hatte sich doch der Löwenwirth manchmal selbst gerühmt : » Mein Beil hat schon mehr Holz abgeschlagen , als der beste Hof im ganzen Lande werth ist . « - Genug , es war mit dem Gut der Gemeinde übel gehauset , übel Rechnung gehalten ; hingegen sah man wohl , die Herren Vorgesetzten hatten sich dabei nicht vergessen . Es fand sich sogar , daß um den Spottpreis von tausend Gulden ein großes Stück Gemeindsland verkauft worden war , daß es die Vorsteher gekauft , das Geld noch nicht einmal bezahlt und seit fünf Jahren nicht verzinset hatten . Ferner , daß der Löwenwirth schon vor eilf Jahren , im Einverständniß mit seinen Beisitzern , viertausend Gulden Kapital aufgenommen hatte , Namens der Gemeinde ; daß dafür die Gemeindswälder unterpfändlich verhaftet worden waren ; daß die Gemeinde den Zins unter den übrigen Steuern hatte mitzahlen müssen , und daß das Kapital in den Händen der Vorgesetzten geblieben war . Da ergrimmte Oswald in seinem Gemüth , und sprach : » Man hat mich nicht in den Gemeindsrath gesetzt , sondern in den Gemeindsstall , der da ist voller Unflath und Verderben . Aber wir wollen den Stall ausmisten , und sollte der Gestank auch durch das ganze Land dringen . Ihr habet , als Vorsteher , nicht das Gemeinbeste vertreten , sondern ihr habet es zertreten