Und in wunderbaren Weisen Singt er ein uraltes Lied , Das in linden Zauberkreisen Hinter seinem Schifflein zieht . Ach , den süßen Klang verführet Weit der buhlerische Wind , Und durch Schloß und Wand ihn spüret Träumend jedes schöne Kind . « Es fing stärker an zu blitzen , das Gewitter stieg herauf . Viktor schaukelte heftiger mit dem Kahne ; Leontin sang : » Es waren zwei junge Grafen Verliebt bis in den Tod , Die konnten nicht ruhn noch schlafen Bis an den Morgen rot . O trau den zwei Gesellen , Mein Liebchen , nimmermehr , Die gehn wie Wind und Wellen , Gott weiß : wohin , woher . - Wir grüßen Land und Sterne Mit wunderbarem Klang , Und wer uns spürt von ferne , Dem wird so wohl und bang . Wir haben wohl hienieden Kein Haus an keinem Ort , Es reisen die Gedanken Zur Heimat ewig fort . Wie eines Stromes Dringen Geht unser Lebenslauf , Gesanges Macht und Ringen Tut helle Augen auf . Und Ufer , Wolkenflügel , Die Liebe hoch und mild - Es wird in diesem Spiegel Die ganze Welt zum Bild . Dich rührt die frische Helle , Das Rauschen heimlich , kühl , Das lockt dich zu der Welle , Weil ' s draußen leer und schwül . Doch wolle nie dir halten Der Bilder Wunder fest , Tot wird ihr freies Walten , Hältst du es weltlich fest . Kein Bett darf er hier finden . Wohl in den Tälern schön Siehst du sein Gold sich winden , Dann plötzlich meerwärts drehn . « Viktor , der unterdes , ohne auf das Lied zu achten , immerfort das Echo versuchte , zwang ihn , durch sein übermäßiges Rufen und Schreien , hier abzubrechen . Julie hatte auch schon lange das Fenster geschlossen und alles im Schlosse war finster und still . Das Gewitter zog indes gerade über ihnen hin , die Wälder rauschten von allen Seiten . Leontin griff stärker und frömmer in die Saiten : » Schlag mit den flamm ' gen Flügeln ! Wenn Blitz aus Blitz sich reißt , Steht wie in Rossesbügeln So ritterlich mein Geist . Waldesrauschen , Wetterblicken Macht recht die Seele los , Da grüßt sie mit Entzücken , Was wahrhaft , ernst und groß . Es schiffen die Gedanken Fern wie auf weitem Meer , Wie auch die Wogen schwanken : Die Segel schwellen mehr . Herr Gott , es wacht dein Wille ! Wie Tag und Lust verwehn , Mein Herz wird mir so stille Und wird nicht untergehn . « Sie bemerkten nun einen roten Schein , der über dem Schloßhofe zu stehen schien . Sie hielten es für einen Feuermann ; denn die ganze Zeit hindurch hatten sie rings in der Runde solche Erscheinungen , wie Wachtfeuer , lodern gesehen : teils bläuliche Irrlichter , die im Winde über die Wiesen streiften , teils größere Feuergestalten , mit zweifelhaftem Glanze durch die Nacht wandelnd . Als sie aber wieder hinblickten , sahen sie den Feuermann über dem Schlosse sich langsam dehnen und riesengroß wachsen , und ein langer Blitz , der soeben die ganze Gegend beleuchtete , zeigte ihnen , daß der Schein gerade vom Dache ausging . » Um Gottes willen , das ist Feuer im Schloß ! « rief Viktor erblassend , und sie ruderten , ohne ein Wort zu sprechen , eiligst auf das Ufer zu . Als sie ans Land kamen , sahen sie bereits einen rötlichen Qualm zum Dachfenster hervordringen und sich in fürchterlichen Kreisen in die Nacht hinauswälzen . Alles im Hause und im Hofe schlief noch in tiefster Ruhe . Viktor machte Lärm an allen Türen und Fenstern . Leontin eilte in die Kirche und zog die Sturmglocke , deren abgebrochene , dumpfe Klänge , die weit über die stillen Berge hinzogen , ihn selber im Innersten erschütterten . Der Nachtwächter ging durch die Gassen des Dorfes und erfüllte die Luft mit den gräßlichen Jammertönen seines Hornes . Und so wurde endlich nach und nach alles lebendig , und rannte mit bleichen Totengesichtern , gleich Gespenstern , bestürzt und verstört durcheinander . Die heftige Tante hatte bald der erste Schrecken überwältigt . Sie lag bewußtlos in Krämpfen und vermehrte so die allgemeine Verwirrung noch mehr . Schon schlug die helle Flamme oben aus dem Dache , das Hinterhaus stand noch ruhig und unversehrt . Niemanden fiel es in der ersten Bestürzung ein , daß Fräulein Julie im Hinterhause schlafe und ohne Rettung verloren sei , wenn die Flamme die einzige Stiege , die dort hinaufführte , ergriffe . Leontin dachte daran und stürzte sich sogleich in die Glut . Als er in ihr Schlafzimmer trat , sah er das schöne Mädchen , den Kopf auf den vollen , weißen Arm gesenkt , in ungestörtem Schlafe ruhen . Alles in dem Zimmer lag noch still und friedlich umher , wie sie es beim Entkleiden hingelegt ; ein aufgeschlagenes Gebetbuch lag an ihrer Seite . Es war ihm in diesem Augenblicke , als sähe er einen schönen , goldgelockten Engel neben ihrem Bette sitzen , der schaute mit den stillen , himmlischen Augen in das wilde Element , das sich vor Kinderaugen fürchtet . - Das Fräulein schlug verwundert fragend die großen Augen auf , als er zu ihr trat , und erblickte bald die ungewöhnliche , schreckliche Helle durch das ganze Haus . Leontin schlug schnell das Bettuch um sie herum und nahm sie auf den Arm . Ohne ein Wort zu sprechen , umklammerte sie ihn in stummem Schrecken . Ein heftiger Wind , der aus dem Brande selbst auszugehen schien , faltete indes die Flammenfahnen immer mehr auseinander , der schreckliche Feuermann griff mit seinen Riesenarmen rechts und links in die dunkle Nacht und hatte bereits auch schon das Hinterhaus erfaßt . Da sah Leontin auf einmal , mitten zwischen den Flammen , eine unbekannte weibliche Gestalt in weißem Gewande erscheinen , die ruhig in