Königin . Er besann sich einen Augenblick , dann reichte er Antonien nicht ohne Rührung die Hand . Antonie hatte anders gewünscht , anders gehofft , Einer konnte ihrer Meinung nach , hier nur König sein ! Das Loos hatte sich vergriffen . Sie sah zögernd umher , sie erwartete , alle sollten fühlen wie sie ! eine Gegenwahl schien ihr natürlich . Aber statt dessen drängte man sie , dem Herrscher zu folgen , ihr Herz stäubte sich selbst gegen das augenblickliche Spiel , und sie schritt neben dem fremden , ihr aufgedrungenen Mann , mit unbeschreiblichem Stolz und wahrhaft königlicher Miene einher . Alle huldigten ihr , und Adalbert neigte , als ihr vom König erwählter Hofmarschall , halb scherzhaft , halb in überraschender Aufwallung , ein Knie vor der schönen Gebieterin . Während dem Abendessen ward die Freude , wie immer , ungebundener . Der Wein entfesselte manche Zunge . Die kurze Lust steigerte sich mit jedem Augenblick , es schien , sie wolle ihr Maaß auf lange Zeit erschöpfen . Adalbert sang mit sehr schöner Stimme Kriegslieder , er saß neben Marien , Antonien gegenüber , er trank rasch und viel , unter stetem Sprechen und Singen . Mienen und Geberden waren unendlich beredet . Er schien Antonien etwas sagen zu müssen , sagen zu wollen , er machte oft eine Bewegung zu ihr hin , doch der Herzog , ebenfalls vom Weine angeregt , verließ fast Antoniens Sessel nicht . Endlich hoben sie die Tafel auf . Adalbert nahete sich Antonien , er zog sie leise in ein Fenster , und , die glühenden Finger auf ihre Hand gelegt , sagte er heimlich flüsternd , meine Freundin , meine Königin , ein Wort von Ihren Lippen kann zwei Menschen beglücken , wollen Sie es sprechen ? Antonie , unfähig zu reden , die Gluth seiner Finger wie heiße Zangen an ihrem Herzen fühlend , athmete kaum . Adalbert riß unruhig ihre Hand an seine Brust , und sagte nun heftig und schnell : Antonie , Sie haben Gewalt über meinen Vater , ich liebe Marien mehr wie mein Leben , sagen Sie ihm , daß er mir sie gebe , ich kann sonst nicht in Europa bleiben , sie allein kann mich mit dem Schicksale versöhnen , ich fliehe sonst in einen andern Welttheil , der Sohn geht ihm für immer , sagen Sie ihm das Antonie , für immer verloren ! O ! meine schöne Schwester , reden Sie , reden Sie für mich ! Wollen Sie ? Antonie hatte längst nichts mehr gehört , sie sah nur die Bewegung seiner Lippen , sein Athem berührte sie , sie war wie eine Träumende und erwiederte Gedankenlos auf sein wiederholtes Fragen , ein dumpfes Ja . Der Herzog hatte sie , wie den Sohn , genau beobachtet , er trat zu ihr , als jener sie verließ . In seiner Seele war nur ein Gedanke . Er fragte zärtlich : Ist alles richtig ? seid Ihr einig ? Antonie sah ihn krankhaft lächelnd an , und wiederholte ihr freudloses Ja . Voll Entzücken eilte er nun zu Adalbert , drückte ihn ungestüm an die Brust , und als dieser fast erstaunt fragt , habe ich Ihre Einwilligung ? - fällt er ihm heftig in die Rede , und bekräftigt seine Zusage mit einem heilig gegebenen Worte . Doch , gelähmt vor Schreck , bleibt er stumm , als auch Marie seine Hand faßte und beide Glückliche sich umarmen . Das Wort war gegeben . Pflicht und Ehre waren Bürge geworden . Er hatte nichts mehr zu sagen . Wie ein großer Mißgriff sah ihn der ganze Abend an . Das Unvermeidliche war nicht zu vermeiden . Er fühlte das tief , und stand noch in sich versunken , als sich der Marquis , die Baronin , alle um ihn versammelten , und Adalbert , der sich nicht kannte , der alles schon beendigt , sein Glück vollkommen gesichert wissen wollte , ihm anlag , Heute , noch diesen Abend , die Trauung vollziehn zu laßen . Der Herzog nickte bejahend mit dem Kopfe . Ein Geistlicher war zur Stelle , die Tante flocht Marien das kleine Orangenbouquet durch das Haar , Adalbert brachte Antonien , welche sich auf dergleichen verstand , die beiden verbundene Ringe Mariens , mit der Bitte , sie geschickt von einander zu lösen . Ohne Verwunderung blicken zu laßen , ja ohne Theilnahme irgend einer Art , empfing sie die Ringe . Sie trat damit zum Licht , und , eine kleine Zange aus einem Portefeuille nehmend , brach sie hin und her an der Verbindung . Sie schien selbst nicht zu wissen , was sie thue , denn plötzlich brachen beide Ringe entzwei , und das Stiftchen was sie zusammenhielt , flog weit davon . Im selben Augenblick drang es wie ein helles Lachen aus Antoniens Brust , sie sank nieder zur Erde und blieb bewußtlos liegen . Der Deutsche Arzt , welcher zugegen war , und die Unglückliche schon längst theilnehmend betrachtete , sprang auf sie zu , und trug sie zum Zimmer hinaus . Doch Adelbert war Heut durch nichts zu erschrecken , durch nichts zu stören , er sorgte schnell für zwei andere Ringe und die Ceremonie ward ohne Antonien , doch nicht ohne bange , ängstigende Vorgefühle , vollzogen . Drittes Buch Zwölftes Kapitel Der Arzt saß indeß bei Antoniens Bett , und that behutsam einige leise Fragen an sie , welche sie langsam und mit großer Anstrengung beantwortete . Ueberhaupt schien ihr Zustand ganz dem ähnlich , welchen die Aebtissin früherhin mit so großer Bewegung erwähnte . Der vorsichtige Mann trug Sorge , sie vor jedem Ueberfalle , vor jeder unwillkommenen Störung , zu bewahren . Er verweigerte selbst den Freunden allen Zutritt , und senkte , was er unwillkührlich erfahren , gewissenhaft in die verschlossene Tiefen seiner Seele . Doch konnte er es so wenig wissen , als verhindern , daß sich Alexis in