bin . Laune , Arbeit , und Etwas , das mich vielleicht zu sehr beschäftigt , trübt nur gar zu oft meinen Blick . Um so mehr bedürft ' ich eines Auges , wie das deinige . Ach , gnädigster Herr ! - rief ich - Sie haben in meinem Herzen gelesen ! Wie meinst du das , Gretchen ? -fragte er , mit einer sonderbaren Heftigkeit . Gnädigster Herr - sagte ich - ich bin mit lauter guten Menschen umringt : aber noch hab ' ich es nicht gewagt , Jemanden zu vertrauen , was ich Ihnen jetzt sagen werde . O , Gretchen ! was ist es ? verschweige mir nichts ! Nein , gnädigster Herr ! denn ich weiß , daß Sie Alles gütig aufnehmen , und wenn es auch sonderbar ist , doch entschuldigen ; daß Sie - ach , wie soll ich es sagen ? Ja ! daß Sie weiter und besser sehen , als Andere , und daß sie , wenn auch nicht Diesen und Jenen , doch überhaupt die Menschen mehr lieben , als Andere , und sie gern alle glücklich machen möchten . Gretchen ! Gretchen ! wie klingt das aus deinem Munde ! Willst du mich stolz machen ? Ach , glauben Sie nur so was nicht , gnädigster Herr ! Aber , wessen das Herz voll ist , des geht der Mund über . O , Gretchen ! - rief er , und drückte meine Hand fest an sein Herz - Wie sagtest du ? Sage , ich bitte dich ! sage das noch einmal . Ich will es noch hundertmal sagen - rief ich eben so laut - Wessen das Herz voll ist , des geht der Mund über ! Ja gnädigster Herr ! mein Herz ist voll von Ihrer grossen Güte und Menschlichkeit , und ich kann Gott nicht genug danken , daß ich zu Ihnen gekommen bin ; denn sonst wüßte ich nun nicht , ob mich Jemand verstände . Und das weißt du von mir ! Ich also verstehe dich besser , als andere ? O Gretchen ! - fuhr er fort , ergriff abermals meine Hand , und seine Augen standen voll Thränen - dies wird ein wichtiger Tag ! Vielleicht der wichtigste meines Lebens , gnädigster Herr ! Vollende Gretchen ! Sage Alles ! wenn es dann wahr ist , daß ich dich besser verstehe . Ja , gnädigster Herr ! Sie verstehen mich besser , weil Sie höher stehen , als Alle , und die allgemeine Noth besser überschauen können . Worüber erstaunen Sie , gnädigster Herr ? Ich habe es schon lange eingesehen , daß das so ist , und nicht anders seyn kann . Wie gut die Menschen , welche mich umgeben , auch sind , ist es ihnen doch nicht möglich , Jedermann zu helfen . So sind sie dann gezwungen , sich gegen Leiden zu verhärten , und denken gar bald : was hilft ' s ? durch uns wird ' s nicht besser . Auch dann denken sie so , wenn ' s gar oft besser würde . Sie aber , gnädigster Herr ! haben die Macht in Händen , und darum denken Sie das nicht , und können es nicht denken . Er sah ganz bedenklich und betroffen vor sich nieder . Das machte mich irre , und ich schwieg eine Weile . Dann aber fuhr ich herzhaft fort : Gnädigster Herr ! ich bin so glücklich , habe Alles , was mein Herz wünscht ; aber ich kann dieses Glück nicht länger mehr tragen . Wie ! - rief er , und es kam mir vor , als ob sich sein Gesicht gänzlich verfinsterte . Da fürchtete ich , er möchte , wie gewöhnlich , plötzlich böse werden , und fiel schnell vor ihm nieder . Nein ! gnädigster Herr ! - sagt ' ich noch einmal - ich kann nicht mehr so still dem Leiden der Menschen zusehen . Ich muß hinaus und ihnen helfen . Vor allen Andern habe ich mich geschämt das zu sagen ; vor Ihnen brauche ich mich nicht zu schämen . Sie begreifen was ich meine , und gingen , so wie ich , wären Sie durch Stand und Pflicht nicht gebunden . Stehe auf ! - rief er - stehe auf ! ich bin nicht , wofür du mich hältst . O ja , Sie sind es ! und darum werden Sie mir auch meine Bitte gewähren . Welche ? Es giebt Klöster , gnädigster Herr ! ... O glauben Sie nur nicht , daß ich mich in Mauern einsperren will ! Aber es giebt Klöster , in welchen man das nicht nöthig hat . Meines Wissens nicht . Wohlan , so stiften Sie eins ! nur mit dem Unterschiede , daß die Nonnen ausgehen und helfen können , wo sie wollen . Und du ? Ich komme in dieses Kloster , kann helfen , wo ich will , kann die Menschen bitten ; in Liebe und Einigkeit zusammen zu halten , ohne mich zu schämen , oder von den Leuten verlacht zu werden . Das war deine Bitte ? Ja , gnädigster Herr ! das war meine Bitte . Du willst nicht bei mir bleiben ? Ich komme täglich zu Ihnen , berichte Ihnen Alles , was ich gesehen , gehört , fordre sie auf zur Hülfe . Kein Tag , keiner wird vergehen , ohne eine schöne , menschliche Handlung , ohne getrocknete Thränen , ohne gestillete Seufzer . Ein himmlisches , ein göttliches Leben werden wir führen . Wir ? Ja wir ! wer sonst , wenn wir es nicht führen . Wir ! weißt du auch , wer du bist ? O , ich weiß es ! aber bei Ihnen darf man vergessen , wer man ist . Vergessen ! O du ! o knie nicht mehr ! Was denken Sie nun gnädigster Herr ? Warum soll ich nicht knien ? Ach Gott ! geben