, Strickleiter in des Liebsten Hand ; Ein Wink aus Liebchens Fensterlein , So stiegt die seidne Trepp ' hinein , Und will sie dran hernieder gleiten So können , eh ' der Morgen graut , Von stiller Nacht allein beschaut , Zum Meerstrand die Verliebten reiten . Er sah wohl , daß sich die Schöne dem Fenster zu nähern schien , und sang deshalb in froher Hoffnung fort : Was ist der ächten Minne gleich ? Nicht Fürstenthum , nicht Königreich . Zwei Herzen fromm , zwei Herzen treu , Sie ziehn sich an in süßer Scheu , Mit Mond und Stern im frohen Bunde Wird ihnen Nacht zum heitern Tag , Das Waldesgrün zum sichern Dach . O Liebchen komm , gut ist die Stunde . Die Jungfrau stand an dem Schieber , es war schon , als wolle sie das Fenster öffnen ; aber mit einemmale ließ sie den Vorhang herunter rollen und floh zurück . Der Ritter sang mit weinenden Augen : O schwacher Sinn ! O falsches Herz ! Du wählst und giebst für Freude Schmerz ! Warst doch allein all ' meine Lust , Trug nur Dein Bildniß in der Brust , Und soll Dich nun so gar entbehren , Trüb scheiden , der so fröhlich kam . Ach Gott , erstärk ' nur meinen Gram , So wird er früher mich verzehren . Es kam ihm vor , als sähe er durch die Vorhänge , wie die Prinzessin mit vor den Augen gehaltnen Händen heftig weine , ja als vernähme er ihr leises Schluchzen ; plötzlich aber löschte sie ihr Licht und es ließ sich keine Regung in dem dunklen Zimmer mehr vernehmen . Da riß er in wildem Unmuth den Zügel von des Zelters Hals und jagte ihn von sich , während er auf seinen Streithengst sprang und diesen mit wilden Sporenstößen in den Wald hinein trieb . Eine lange Zeit hindurch zog er in fremden Landen umher , in solchen am liebsten , wo man gar nichts von der lieben deutschen Muttersprache verstand , auf daß er nur von aller Erinnerung an die Jungfrau befreit werden möchte . Ja , so oft sie ihm des Nachts in Träumen vorkam , pflegte er am folgenden Tage recht geflissentlich Festlichkeiten oder Gefechte aufzusuchen , um seine Betrübniß gleichsam in derlei ungestümen Meeren zu ertränken . So geschah es , daß er endlich am Hofe einer italischen Fürstin bekannt ward , die von allen Hofleuten sowohl , als auch von den kunstreichsten Bildhauern und Malern für die schönste Person auf der ganzen Welt gehalten ward . Der Ritter Adelhof meinte , wenn er deren Minne verdienen könne , sei er auf ' s beste an der Königstochter gerächt , und müsse es ihr zum absonderlichen Kummer gereichen , ihren verstoßnen Liebhaber so glänzend entschädigt zu wissen . In dieser Absicht strebte er nach allen Kräften , die Gunst der schönen Italienerin zu gewinnen ; da er aber ( wie sich leichtlich denken läßt ) eine große Schaar von mannlichen und schönen Mitwerbern vorfand , konnte er sich nie vergewissern , wie er eigentlich bei der Dame stehe , ob er gleich täglich auf das freundlichste empfangen ward , ja sich sogar mancher sehr günstigen Blicke und Worte zu rühmen hatte . Viele Ritter und Herren , denen es auf gleiche Weise erging , wurden endlich eins , die Schöne um eine bestimmte Erklärung anzugehn , und wenn sie auch noch von keiner bestimmten Wahl hören wollte , sie doch wenigstens um die Aufgabe irgend einer That oder eines Geschenkes zu bitten , wodurch man des Glückes ihrer Minne theilhaftig werden könne ; des vergeblichen Harrens und Seufzens , wie aller fortdauernden Ungewißheit , sei man nun einmal durchaus überdrüssig . Man brachte ihr auch diese Willensmeinung vor , obgleich mit den allerzierlichsten und verbindlichsten Worten , welche sich nur erdenken lassen . Die Schöne aber entgegnete den versammelten Werbern : Ihr Herren , meine Antwort wird kurz sein , wie Ihr Euch denn die Aufgabe leicht selbst hättet machen können , wenn irgend etwas Wahres an Eurer Bewundrung meiner Schönheit zu finden wäre . Ist die Gestalt , in welche es dem Himmel beliebt hat , mich zu kleiden , so gänzlich makellos , als Ihr zu glauben vorgebt , wie ist es dann noch Keinem eingefallen , daß einer solchen auch ein makelloses Gewand gebühre ? Was ich aber bis jetzt von Seide , Stoff , Leinen , Flor und irgend andern Kleidungsstücken gesehn habe , trug beständig irgend einen Mangel an sich . Auf dann , Ihr Werber , mir ein Gewebe sonder Fehl zu verschaffen , und wem es damit gelingt , der soll mich in eben diesem Kleide zur Trauung führen . Die Ritter standen eine Zeitlang bestürzt , vermeinend , man würde ihnen eher ein kühnes Wagstück aufgegeben haben , als das Erkiesen eines tadelfreien Gewebes , worauf sich die Wenigsten von ihnen verstehn mochten . Demohngeachtet grübelten sie nicht allzulange ; wollten sie die Braut haben , so mußten sie nach deren Willen tanzen , weshalb sie auch mit dem nächsten Tage nach allen vier Weltgegenden hinauszogen . Der junge Deutsche Weigand Adelhof nahm seine Richtung noch weiter gegen Mittag , des Glaubens , wie die Lüfte klarer , die Flüsse heller , die Sonnenstralen lichter würden , müßten auch die Werke aller Menschenkinder an Zierlichkeit und Zartheit zunehmen . Ein heilsames Verirren brachte ihn jedoch bald darauf in dunkler Nacht zu der Hütte eines Klausners , der ihn gastlich aufnahm , und während des mäßigen Mahles ungefragt durch ihn selbst ( wie denn das der Jugend Art zu sein pflegt ) von seiner Reise und ihrem Ziel umständlich benachrichtigt ward . Ei , rief der Siedler am Ende der Geschichte aus , Ihr kommt mir vor wie ein sehr thörichter Gesell . Nicht allein , daß Ihr Eurer Spinne selbsten die Gewebe zutragt , darin sie Euch desto besser fangen möge , sucht Ihr auch das noch