Tugendhaften den Lohn seiner edlen Thaten zusicherte . Nur das Christenthum lehrt uns , an eine Einrichtung glauben , die die Vorsehung ganz rechtfertiget . Sie öffnet uns eine andere Welt , einen würdigen Schauplatz , wo die verschlungenen Knoten unsers Schicksals entwirret , und die anscheinenden Mißverhältnisse zwischen Tugend und Glück in die schönste Harmonie aufgelöst werden . Dorthin , o du Freund meiner Jugend ; dorthin muß ich dich verweisen , dort werden wir uns finden , dort dürfen wir - Was bin ich im Begriffe zu sagen ? O Junia ! Darf ich denn auch nur diesen Gedanken und Wünschen Raum geben ? Darf ich , die Frau eines Andern , fremde Flammen in meiner Brust nähren ? O Junia , Junia ! Ich bin tief gesunken , ich sündige immer fort , ich erkenne meine Strafbarkeit , und habe doch nicht Kraft , mich zu besiegen ! Aber ich wollte dir ja erzählen . Sieh , meine Geliebte ! so zerrüttet ist mein Gemüth , daß es mir Mühe macht , meine Gedanken in Ordnung zu halten , und bei dem zu bleiben , was ich mir vorgesetzt hatte . Als ich den Brief gelesen hatte , fühlte ich die Nothwendigkeit zu antworten ; aber was ? und in welchem Ton ? Ich durfte auf keine Weise ihn in mein Herz blicken lassen , und doch konnte ich unmöglich mit der Kälte antworten , die die Vernunft von mir gefordert hätte . Ach ! konnte ich denn so gleichgültig und vorsetzlich ein Herz verletzen , das so warm und treu für mich schlug , das so edel war , und ohnedies so tief verwundet ? Lies die Abschrift des langen Briefes , den ich nach zehn mißlungenen Versuchen endlich in der zweiten Nacht nach Empfang des seinigen mühsam und unter tausend Thränen zu Stande gebracht habe . Ich glaube , er ist zweckmäßig , er soll ihm die ganze Rettungslosigkeit unserer Lage , aber auch meine und seine Pflicht vorstellen , und ihn auffordern , stark - ach Junia ! stärker zu seyn , als seine unglückliche Larissa . Ich habe mir vorsetzlich keine Klage über meine häuslichen Verhältnisse erlaubt , vielmehr habe ich gesucht , den Gedanken in ihm zu nähren , daß ich zufrieden sey . Ich glaube , das ist überhaupt meine Schuldigkeit . Demetrius kann diese Schonung von mir fordern , und dann denke ich auch , es wird den Freund meiner Jugend beruhigen , es wird ihn trösten , wenn er mich , nicht unglücklich weiß . Aber , was ist es , Junia ! daß diese Rücksicht mich weit mehr antreibt als jene ? Daß der Gedanke , pflichtmäßig zu handeln , mir weniger süß ist , als der , ihm Freude zu machen ? Ist das auch recht ? Soll mir meine Pflicht nicht das Heiligste und Erste seyn ? Ach , es ist leider nicht ! Rebellisch empört sich mein Herz gegen die vereinten Stimmen der Vernunft und der Religion . Ich liebe , ich liebe mit glühender Seele ; ich habe , so lange ich lebe , nie ein anderes Bild in meiner Brust getragen , nie für einen andern Mann eine zärtliche Regung empfunden , als nur allein für ihn , für ihn , dem mein ganzes Wesen gehört - und ich bin die Frau eines Andern . O schrecklich , schrecklich ! Was soll ich thun , Junia ? Wer , hilft mir , mich vor mir selbst zu retten ? Am Abend desselben Tages . Als ich heut Morgens so weit gekommen war , mußte ich abbrechen , weil mein Gemüth zu zerrüttet war , als daß ich weiter hätte schreiben können . Seitdem hat anhaltende Arbeit und Gebet meinen Geist ein wenig beruhigt , und ich setze meine Erzählung fort . Den Tag darauf , als ich die Antwort an Agathokles abgesandt hatte , und mit schwerem Herzen hoffte - ach , daß ich das hoffen muß ! - er würde Gelegenheit finden , seinen Vorsatz auszuführen , und sich zu entfernen , kündigte mir Demetrius meinen Landsmann , als Gast , zur Tafel an . Die wenige Achtsamkeit , die er auf seine häuslichen Umgebungen , und auch auf mich zu richten gewohnt ist , war diesmal mein Glück ; sie entzog seinen Augen den Schrecken , den mir seine Nachricht verursachte , und ich hatte Zeit , mich zu fassen , und hielt mich für ziemlich vorbereitet , als er ein paar Stunden darauf , mit Agathokles an der Hand , in den Speisesaal trat . Ach , es war ein Wahn ! Der Anblick des Gegenstandes so vieler Liebe , so vieler Leiden , raubte mir beinahe die Besinnung - wenigstens im ersten Augenblicke , das Vermögen , zu sprechen . Agathokles feste Stimmung beschämte mich . Er nahte sich mir mit aller Ruhe und Freundlichkeit eines alten geschätzten Bekannten , und sprach heiter und gesetzt mit mir . Mein Mann schien nach seiner Art vergnügt über unser Zusammentreffen , er war gesprächiger als gewöhnlich , man brachte die Speisen , und wir legten uns zu Tische1 . Agathokles zeigte eine Selbstbeherrschung , eine Kraft , die nach dem , was vorgefallen war , nach den Briefen , die wir gewechselt hatten , meine höchste Verwunderung erregte , an der meine Schwäche sich stärkte . Ich erhob mich endlich so weit , daß ich im Stande war , an den leichten Gesprächen der Geselligkeit Theil zu nehmen . O Junia ! Was ist das für eine Heldenseele ! Sie war mein - und ich habe sie auf ewig verloren ! Von nun an werde ich Agathokles vielleicht noch öfters sehen müssen . Ob er sich entfernen kann , oder wird , ist mir jetzt unmöglich zu erfahren ; denn ich kann und wollte auch um Alles in der Welt nicht , mit ihm darüber sprechen . - Und Demetrius , der , trotz seiner rauhen Außenseite , für wahres Verdienst