Herzen der Geliebten , der Du Alles bist , laß uns der Zeit vertrauen , die das Verworrene still lösen wird . Noch hab ' ich selten an unsre Zukunft gedacht , und wohin das alles wol führen sollte . Fragst Du den Strom , wohin er seinen Lauf zu nehmen gedenkt ? Allmächtig wogt er dahin , wie Naturgesetz und Kraft es ihm gebieten . - Wie nahe , wie lebendig hat mich noch heute Dein Andenken umschwebt ! einsam gieng ich in den dunklen Gängen des Gartens ! sehnsuchtsvoll breitete ich meine Arme aus , und nannte leise Deinen geliebten Namen . Ach ! da war es mir , als müßte ich Dich aus Deiner Ferne zu mir herüberziehen , und mir ward wohl und weh bei dieser Täuschung . - Und nun noch einmal , Eduard ! einzig Geliebter ! schone Dein Leben , Deine Gesundheit ! - Julie ist zurückgereist ; Albret ist krank ; ich bin allein - o ! wenn Du meine Unruhe kenntest ! Fünf und zwanzigster Brief Amanda an Julien Ich komme mit der alten Freundschaft und mit neuer Unruhe zu Dir , geliebte Freundin ! - Wohl uns , daß wir uns verstanden , uns aufs neue gefunden haben ! Der Sonnenstrahl der Nähe , hat alle die verhüllten Blüthenknospen der Jugendfreundschaft und Erinnerung , in unsern Herzen wieder aufgeschlossen ; ein neuer Lenz hat sich unserm Gefühl entfaltet , dessen heitern Himmel keine Mißverständnisse , keine Klugheit , keine kleinlichen Rücksichten getrübt haben , und unsre Herzen waren gegen einander noch rein und ohne Falsch , wie in den Tagen der Kindheit . Du hast mich weicher , fühlender - jugendlicher verlassen ; mich hast Du klärer , menschlicher , hoffnungsvoller zurückgelassen . Und nun vergönne mir den tröstenden Genuß der Mittheilung , und laß mich Dir sagen , was seit Deiner Abreise mit mir vorgegangen ist . Du weißt , daß Albret von einer heftigen Krankheit überfallen ward ; sein Zustand schien gefährlich . Ich that für ihn , was Dankbarkeit , was menschliches Gefühl , was mir mein Herz gebot , und er schien weicher und vertrauungsvoller gegen mich zu sein als je . Einst ließ er mich zu sich rufen . » Amanda , « sagte er mit schwacher Stimme , » mein Leben , ich fühle es , ist bald dahin . Willst du meine letzten Lebensstunden erheitern , und dir selbst die Ruhe deiner Zukunft sichern ? « - » O ! rede frei , « rief ich , schon ganz erweicht , » alles was ich kann , will ich gern , gern für deine Zufriedenheit thun ! - « » Du liebst Eduard , « fuhr er fort » diesen Jüngling , der heftig , ehrgeizig , unzuverlässig , undankbar ist , kurz alle Fehler der Jugend in hohem Maaß besitzt ; dein Glück , deine Ruhe , zertrümmert der Wilde unausbleiblich . Entsage ihm jetzt , da es noch Zeit ist , brich allen Umgang mit ihm ab ; versprich es mir , und du verbreitest Frieden über mein gequältes , hinsinkendes Leben ! - « Mein Herz zerfloß in tiefen Schmerz , und mein Auge in Thränen ; - ach ! es gelang ihm nur zu gut , alle Saiten meines Gefühls zu tiefer Trauer zu bewegen - aber ich war entschlossen . Jene rauhe Tugend , die Alles seinen Grundsätzen aufzuopfern befiehlt , mögen auch alle andre darüber zu Grunde gehen , kenne ich zwar nicht ; sie ist mir fremd ; aber diesen Betrug , diese Herabwürdigung dessen , was mir das Liebste , das Heiligste ist - O ! wie hätte ich ein solches Versprechen über meine Lippen bringen können ? - Nein ! sagte ich fest , und nur dieses einzige kann ich Dir nicht gewähren ! - Albret gab seinen Plan so leicht nicht auf ; er suchte alles hervor , was mich zu erschüttern vermochte , und nur spät überzeugte er sich , daß es vergebens war . » Nun wohl , « sagte er hierauf , » bist du seines Herzens , ist er des deinigen so gewiß , so kannst du nichts dabei wagen , wenn ich ihn auf eine , nicht allzu schwere Probe stelle ; und dies Verlangen wirst du mir , ohne Ungerechtigkeit , nicht unbefriedigt lassen können . Versprich mir nur vier Monate lang , ihm keine Zeile , kein Wort von deiner Hand lesen zu lassen , und dann entscheide selbst über ihn . Fühlt er wirklich so , wie du glaubst , was vermag eine so kurze Zeit , was vermöchte die größte Wahrscheinlichkeit , gegen die freudige Gewißheit seiner Liebe ? gegen sein Vertrauen zu dir ? « - Er fügte noch manches hinzu , und Julie - ich versprach es . Ich versprach es und werde es halten , was es mir auch schon jetzt kostet . Denn diese Probe , was soll sie ? - Verträgt sich die Klugheit einer solchen Prüfung mit der Einfalt , der heiligen Kindlichkeit der Liebe ? - Ach ! schon bin ich sehr unruhig ! Dem Sterblichen sollte Wahrheit über alles heilig sein ! Eine einzige Abweichung - und Du kannst die Folgen nicht berechnen . Kaum ist die Handlung geschehen , so geht ihre Wirkung ins Unendliche ; unaufhaltsam stürmen die raschen Mächte des Schicksals mit deiner That dahin , und nie bekommst Du sie mehr in Deine Gewalt ! Sechs und zwanzigster Brief Eduard an Barton Barton ! ich habe Dich beleidigt , schwer beleidigt - ich weiß es , und allen Deinen Briefen fühle ich meine Schuld und Deinen Kaltsinn an . Eigenmächtig , ohne Grund , entzog ich Dir mein Vertrauen . Du warst mir wenig mehr , weil mir Amanda Alles war . Vergiß es jetzt , ich selbst kann es Dir noch nicht erklären - und vielleicht kannst Du es besser als ich ; beurtheile mich im Ganzen , als Erscheinung ,