Schauder . Unser Fenster stand offen , und der Duft eines großen Rosenstrauchs ward vom Winde in das Zimmer getrieben . Der kalte Schauder , die Blumen , das alles war also mehr als begreiflich . Gleichwohl finde ich noch immer wer weiß wie viel Wunderbares in diesem Traume , und eile , sobald ich in den Garten komme , zuerst nach dem Orte , wo ich die Anhöhe sehen kann . Hier sitze ich oft ganze Stunden , und denke nichts als den Traum . Dann ergreift mich eine Bangigkeit , eine Sehnsucht . - Letzt - kannst Du Dir etwas kindischeres denken ! - glaubte ich meinen Nahmen von dort her zu hören . Schnell springe ich auf , eile mit ausgebreiteten Armen durch das Gebüsch , und denke nicht eher an die Mauer , bis ich dichte davor stehe . Mit gefalteten Händen , als geschehe mir Wunder welch Unglück , kehre ich nun wieder um , und ein Strom unaufhaltbarer Thränen stürzt über meine Brust . Nicht wahr ? das sieht dem Wahnsinne sehr ähnlich . Gewiß , ich bin krank . Ich muß mit einem Arzte sprechen . Ein und dreyßigster Brief Reinhold an Olivier Gestern war T ... bey mir . Ich wollte meinen Augen kaum trauen . Seit er zum Günstlinge erhoben ist , habe ich ihn nicht gesehen . Seine hämischen Anmerkungen über Dich führten oft Streit herbey , und so war ich recht wohl damit zufrieden . Nun aber gestern überfällt er mich plötzlich mit einem ganzen Heere Schmeicheleyen und Freundschaftsversicherungen . Ich lächle , mache einen stummen Bückling über den andern und vertiefe mich so hartnäckig in die Zeremonien , daß ich ihn nach einer Viertelstunde ziemlich in die gehörige Entfernung bringe . Gleichwohl erfolgen nun eine Menge Hof-Stadtneuigkeiten , Erkundigungen nach Dir . - » Wie sich der König sehne Dich einmal bey sich zu haben . Wie es gar nicht artig sey , so spröde zu thun . Das alles würde Dir nichts helfen . Man könne Dich aufsuchen . « Ich erschrack , und fieng an zu sondiren . » Ja , ich selbst wisse am besten , wie viel an dem eigentlichen Frieden noch fehle . So still werde es nicht abgehen . Ein paar Feldzüge müsse man noch in den Kauf geben . Der König werde Dir das alles schon begreiflich machen und hoffe , Du werdest nicht aufhören , Dein Vaterland zu lieben . « » Darüber ist kein Zweifel ; - antwortete ich - aber mich dünkt , man könnte ihn in Ruhe lassen . Für ein Menschenleben hat er genug gethan , und die andern Herren sind ja auch keine Feinde vom Hinaufrücken . « » Ach ja ! wenn es nur auf das Rücken ankäme . « - » Nun das Andre wird sich auch finden ! « » Man hat ' s gesehen ! « - » Olivier ist kein Freund vom Kriege . « » Darüber erstaunt man . « » Mich dünkt ohne Grund . Er suchte Lorbeeren ; jetzt hat er mehr als er bedarf . « » Aber das Vaterland ! « - » Eben das Vaterland - sagt er - braucht Ruhe . « » Das Wort klingt komisch in seinem Munde ! - Männer , Frauen und Mädchen nannten ihn vormals den Unruhigen . « - » Die Zeiten ändern sich ; warum sollten sich die Menschen immer gleich bleiben ? « - Er antwortete mit seinem gewöhnlichen Faunenlächeln , umarmte mich , zu meinem großen Leiden , einmal über das andere , und empfahl sich mit einem Epigramm . Ich setze nichts weiter hinzu . Du selbst mußt am besten wissen was dabey zu thun ist . Rathen kann ich Dir nicht mehr ; aber nie werde ich aufhören , Dich zu lieben . Zwey und dreyßigster Brief Olivier an Reinhold Entweder sie wollen mich los seyn und da sie wissen , daß ich die Kugeln nicht fürchte , mich wieder darunter schicken , in der Hoffnung , eine werde doch treffen . Oder der König hat gerade Langeweile , erinnert sich der P ... schen Scenen mit Julien , und will die Komödie auf eine andere Art durchspielen . Wahrscheinlich trifft beydes zusammen , und da bin ich denn freylich vor einem Besuche nicht sicher . Hier lassen kann ich sie nicht ; aber wem soll ich sie anvertrauen ? - Reinhold Du liebst mich , Du hast es , auch wenn ich nicht daran glaubte , redlich mit mir gemeint . Reinhold ! willst Du sie in Schutz nehmen ? Dann lasse ich schnell mein Güthgen bey G ... in Stand setzen . Ich weiß wohl : Du darfst Dich nicht entfernen . Aber es liegt nur eine Viertelstunde von der Stadt . Da könntest Du doch täglich einen Gang hinaus machen . Ganz allein kann ich sie nicht lassen , noch weniger sie der Mutter übergeben . - Begreife wie ich Dich achte ! da ich Dich allen Andern vorziehe . Antworte mir bald . Ich kenne ihn . Bey seinen Grillen ist keine Zeit zu verlieren . Drey und dreyßigster Brief Reinhold an Olivier Alles ! nur das nicht . Frage nicht weiter . Es geht nicht . Und wenn Du mich auf die Folter spanntest ; ich würde Dir immer dasselbe antworten . Wie ? Warum ? kann ich Dir wahrhaftig nicht auseinander setzen . Genug ich weiß , es geht nicht . Achte mich nun weniger , entziehe mir ganz Deine Freundschaft . Ich muß es geschehen lassen . Aber ich wiederhole Dir noch einmal : es ist schlechterdings unmöglich . Nachschrift Du hast zwey Fälle angenommen ; aber wie , wenn es einen dritten gäbe ? Wenn sie Dich nicht entbehren könnten ? Dich wirklich haben müßten ? - Vier und dreyßigster Brief Reinhold an Olivier Hätte ich doch meinen Brief nicht abgeschickt ! Schnell muß ich Dir noch melden : daß die Königin ihrem Bruder