was hätte ein Mädchen , das weder Vermögen noch Aussteuer in ' s Haus brachte , für grosse Ansprüche machen können ? Ungeheure ! Das verstehn Sie nur nicht . - Die Waare der eitlen Weiber hat keinen bestimmten Preis , aber in ihren eigenen Augen einen unermesslichen Werth . Wenn für so ein Figürchen oder ein Lärvchen - und oft für noch weniger , für ein bischen Geschwätz oder Geziere - ein Baron seine Baronie , oder ein Graf seine Grafschaft vertändelt ; so haben sie dabei noch immer verloren , sich noch immer zu wohlfeil weggegeben : denn mit eben diesen - Herrlichkeiten oder Armseligkeiten - hätten sie ja ein ganzes grosses Fürstenthum unter kaiserlichen Sequester bringen können . Wir reden hier aber von keiner Buhlerinn , sondern von einer Frau - Alle Achtung ! Und deren Glück oder Unglück , Ehre oder Schande , hängt ja so innig mit Glück oder Unglück , Ehre oder Schande des Mannes zusammen . Wird denn das überlegt ? - Hier wahrlich , hier ward es sehr überlegt . - Dass sich Anfangs das junge , unerfahrne , in der Welt noch ganz neue Landmädchen in den Strom von Vergnügen kopfüber hineinstürzte , und nur an den jetzigen süssen Genuss , nicht an die künftigen herben Folgen dachte : das hoff ' ich , wird ein Menschenkenner , wie Sie , eben so leicht verzeihn , als begreifen . - Aber das Ding währte fort - immer fort - ohne Ende . Bloss durch Schuld des Mannes , mein lieber Vater . - Die Frau ward schwanger und kränklich , und ich war nun fast täglich im Hause . Wie oft bezeugte sie mir ihre Sättigung , ihren Überdruss , ihren Ekel ! Wie herzlich wünschte sie sich das geräuschlose , häusliche , thätige Leben zurück , woran sie von jeher gewöhnt war ! Aber dazu ihren Mann zu bereden , war keine Hoffnung ; denn gleich ihr erster Versuch , ihn umzustimmen , erregte seinen heftigsten Zorn . Sie liebte den Mann ; sie war schwach ; sie war der Armuth wegen , worin sie zu ihm gekommen war , scheu und blöde : Er dagegen - war stolz , gebieterisch , auffahrend , gegen die Liebkosungen und die Thränen der Frau wenig empfindlich . Ich sah das nur zu sehr , als er von ihrer Mutterliebe das Opfer forderte , den künftigen Säugling nicht mit eigener Brust zu ernähren . Und auch das liess sie gut seyn ? gab nach ? Was sollte sie machen ? - Der Alte schüttelte missbilligend mit dem Kopfe . Die Wirthschaft ging indess ihren Gang immer fort , immer dem Abgrunde zu ; und es musste doch wahrlich grosses Vermögen da seyn , dass der Mann seine Verschwendung ganze Jahre lang durchsetzen konnte . Das war auch ; das war ! rief der Alte . Ungemeines Vermögen ! Indess ward die Frau durch manche Beispiele gewarnt ; sie ahnte traurige Folgen : allein da das Gesicht des Mannes heiter blieb , so verschloss sie , mit ihrer gewohnten Furchtsamkeit , alle Besorgnisse in ihr Herz . - Endlich , als wirkliche Verlegenheiten eintraten , denen nur der äusserst vorteilhafte Verkauf des Gartens ein Ende machte , wirkte sie , durch die nachdrücklichsten , zärtlichsten , wehmüthigsten Vorstellungen , wenigstens einige kleine Einschränkungen aus , und für die Zukunft Versprechungen , die aber nur zu bald wieder vergessen wurden . Wäre nicht noch zu rechter Zeit der Tod in ' s Mittel getreten ; so hätte sie wahrscheinlich den vollen Bruch des Hauses , und tiefe , bittre Armuth erlebt . Nur wahrscheinlich ? Sagen Sie : gewiss und unfehlbar ! - Aber , dass die Schuld so ganz nur des Mannes gewesen wäre , nicht ihre eigne - - ich gestehe Ihnen , Herr Sohn , das will mir gar nicht recht in den Kopf . Ich habe Nachrichten , die anders lauten , ganz anders . Von wem ? - Ich bitte Sie , lieber Vater - Von - - Von dem Wolf in der Fabel , hätte er sagen können ; denn eben , als schon der Name ihm auf den Lippen schwebte - - XXIII . Trat Herr Specht in das Zimmer , und ward von dem Doctor sogleich als derjenige Mann , an den er sich halten müsste , auf ' s Korn genommen . Es sei nun , dass die süsse Miene und die schmeichlerischen Demüthigungen des Herrn Specht , oder dass gewisse Äusserungen des Schwagers , die ihm noch dunkel im Gedächtniss schwebten , diesen Verdacht bei ihm , rege machten . Herr Specht setzte mit wichtiger Miene einen grossen Beutel Geld auf den Tisch : äusserst froh , wie es schien , dem liebwerthesten Herrn Pathen seine bisherige Schuld bei Heller und Pfennig abtragen zu können . - Er hatte bei einer kleinen Speculation mit Waaren , die gerade damal gesucht wurden , ein ansehnliches Sümmchen gewonnen ; er eilte also , sich durch Abbezahlung die Geldquelle zu reinigen , die er bei längerer Vernachlässigung leicht einmal hätte verstopft finden können . - Ei potz , potztausend ! sagte der Alte , indem Herr Specht den Beutel ausschüttete : das ist ja gewaltig viel Geld ! Das ist ja ein Reichthum , wie des Mannes im Evangelium ! Wo hat Er das Alles her ? Hehehe ! Liebster , bester Herr Stark ! Wie Sie doch immer so gerne spassen ! - Reichthum ? Daran fehlt viel . - Lieber Gott ! - Aber man thut denn das Seinige ; und wenn ein Körnchen zum andern kömmt , sagte einmal der Herr Pathe , und immer neue Körnchen dazu - - Ja , sieht Er ? Da wird am Ende ein Haufen . Das ist ganz richtig . - Indessen zählte Herr Specht munter fort , und sah sich dann und wann nach dem Sohne um , den er diesmal eben so gern , als sonst