, wie die Casuisten in diesem verfänglichen Kapitel , lateinisch gesprochen ! Aber schon war er auch von St.-Wolfgang her gewöhnt , daß sich die Gewissen nach dieser Seite hin mit besonderer Vorliebe erleichterten . Sein Vorgänger , Cajetan Rother , hatte den Drang seiner Beichtkinder , Sünden des Fleisches einzugestehen , durch jene geistige Entbindungskunst , die Sokrates in philosophischen Fragen erfunden , sogar noch zu beleben gewußt . Kein Kind hatte er aus dem Beichtstuhl gehen lassen , das er nicht auf sein Geheimstes ausgefragt hätte . Bonaventura schauderte anfangs vor den Mittheilungen , die man ihm machte , und bald ließ er vieles , was sich auszuplaudern schon gewohnt war , gar nicht mehr zu Worte kommen . Aber diese Materie blieb darum doch ein Lieblingsthema der reuigen , durch Geständniß halb sich schon entschuldigt glaubenden Mittheilung . Bekenntnisse dann freilich , wie die von dieser Frau heute schon zum sechsten oder siebenten mal vernommenen , waren ihm noch neu . Diese konnten nur in einer großen Stadt vorkommen . Sie kamen so geläufig , so formenfest , als wollte nur ein Gewerbtreibender wie die bürgerliche , so hier die himmlische Steuer entrichten , die ihm für sein Fach die Berechtigung gab , es wie begonnen so fortzusetzen . Welche Strafen sollte nun Bonaventura einer Frau verhängen , die als eine Gelegenheitsmacherin in Untersuchung gerathen war , außer dem Stande der Gnade lebte und keineswegs als gebessert betrachtet werden konnte ? Einer Frau in glänzendem Staat , Besitzerin einiger Häuser , einer Frau , die in dem Rufe stand , bei sich Gesellschaften zu dulden , wo schon manches junge Mädchen um Ehre und Ruf gekommen ? Die Polizei und die Kirche kannten Madame Schummel ... Bonaventura erhielt sie gleichsam als eine geistliche Observatin von seinen Vorgängern überliefert , als eine Frau , die in einer Art Kirchenbann lebte . Schon beim ersten Besuche , den sie ihm im Beichtstuhl machen mußte , sprach er zu ihr die Worte des Propheten : » Ich will Haufen Leute über dich bringen , die dich steinigen und mit ihren Schwertern zerhauen und deine Häuser mit Feuer verbrennen und dir dein Recht thun vor den Augen der Weiber ! « Aber diese markdurchschneidenden Worte kamen der Madame Schummel , die wie ein Büßer mit der Geißel nicht stark genug zugehauen bekommen konnte , gerade recht . Da sie ihn fortwährend belästigte , nahm sich Bonaventura vor , bei ihren Allgemeinheiten nicht zu verharren , ihr Reden zu unterbrechen und zu versuchen , ob es nicht auch in dem Leben solcher Bekennenden » Restitutionen « geben könnte ... Welches ist die letzte Seele , die Sie auf dem Gewissen haben ? fragte er sie heute geradezu . Du mein Gott ! .. war die auf den Tod erschrockene Antwort ... An wessen Seele haben Sie sich zuletzt vergriffen ? Gestern ? Heute schon ? Sprechen Sie ! O du mein Gott ! .. Ich frage ! Bonaventura ' s Auge erhob sich so drohend , wie wenn er den vollständigen Kirchenbann über sie verhängen wollte ... Frau Schummel verstand die Drohung und fing an zu zittern und sprach : Jesus Maria Joseph ! Zwei junge Herren haben eine Wette gemacht , - daß ein gewisses junges Mädchen , nicht - nicht - so - nicht so unschuldig sei , wie sie aussähe ... Und Sie ? unterbrach der Priester das Geständniß einer Frau , die nun hier auch knieen durfte an der Stätte , wo eben Unschuld und Sittlichkeit gesprochen ! .. Ich - ich kann sagen , daß ich sie - ich meine das Mädchen - begleitet habe auf Tritt und Schritt und sie eingeladen , mich zu besuchen - und gewiß - gewiß auch würde sie gekommen sein , wenn nicht ein - ein geistlicher Herr , den ich gut kenne - es bemerkt und ihr - die Bekanntschaft mit mir verboten hätte ... Ein - geistlicher Herr ? » Den ich gut kenne ! « Bonaventura erbebte ... Er sah die Würmer in der Hostie wieder ... Doch bekämpfte er sich und gedachte des römischen Katechismus , der Theil II , 5. 9. 51. befiehlt , der Priester soll darauf achten , daß die Sünder im Beichtstuhl so behandelt werden , daß sie immer Lust bezeigen , wiederzukommen . So denn zwang er sich zur Selbstbeherrschung ... Ach , weinte Madame Schummel , meine vornehmen Freunde verderben mich ! Da kommen sie und schmeicheln mir und bieten Geschenke ! Tausend Thaler kann ich haben , wenn ich - Dies unglückliche Mädchen zu Falle bringe - ? Nein , ihre Freundin ! Die - die mit ihr in einem Hause wohnt ... In einem Hause ? ... Bonaventura wußte kaum , was ihn plötzlich an Treudchen Ley und Lucinden zu denken zwang - er wußte kaum , was ihm plötzlich die Besinnung raubte , zwang seine Fragen zu unterbrechen , seinen Entschluß zu helfen lähmte ... Ich Aermste , ich soll alles möglich machen ! schluchzte Madame Schummel . Ich unglückliche Frau ich - Sie werden alles versuchen , die Preise zu gewinnen , die sittenlose Männer auf diese Verführungen stellen ! sagte Bonaventura ... Nein , da sei Gott für , hochwürdiger Vater ! Die Eine , die Kleine , ei , ich höre ja , die ist fürs Kloster bestimmt ... Treudchen ! .. Bonaventura wußte , wie Treudchen von den Klosterfrauen gefesselt wurde , wußte , wie Treudchen ebenso die Schwester Beate fürchtete , wie sie die Schwester Therese liebte . Treudchen hatte ihm alles das bei einem Besuch im Kapitelhause , bei ihrer , Renaten angebotenen Hülfe zu seiner neuen Einrichtung selbst erzählt ... Mit hochklopfendem Herzen fragte er : Und die andere - ? Maria , Königin der Jungfrauen , lass ' mich siegen bei allen Angriffen der Feinde meines Heiles ! Mein heiliger Schutzengel , bitte für mich und erlange mir einen großen Abscheu gegen alle Fleischeslüste . Und du , Gott der