Kindern - um - o mein Gott , ich glaube oft seinen Schatten zu sehen , wenn ich unter diesen Bäumen gehe . « - » Die Hunderttausende , gnädige Frau , die auf den Schlachtfeldern auch die Kugel traf - « » Nein , Hoym , das ist nicht das . Er schreitet über Leichen , das ist der Weg des Grässlichen . Aber der Mord an einem schuldlosen Familienvater - « Das Säuseln der Bäume und die größere Entfernung nahmen die andern Worte fort . » Wie fühlen Sie sich , meine Liebe ? « fragte die Schadow , um ihr Muth zu machen . » Nur Geduld es wird Alles ganz gut gehen . « - » Mich dünkt , die arme Königin ist in großer Aufregung . Ist denn Graf Hoym jetzt ihr Vertrauter ? « - » Die arme Königin ! Sie haben Recht , sie so zu nennen . Ach , unter uns , sie hat Niemand , dem sie ihr Herz ausschütten könnte . « » Ihr Herz ? « Das war ein kluger Blick , welcher der Kammerfrau Muth machte , mehr zu sagen , als Kammerfrauen eigentlich dürfen . » Ja , wenn sie ganz ihrem Herzen leben dürfte ! Dafür hat sie ihre Kinder , ihren Gemahl , sich selbst ; aber die großen Staatsangelegenhriten müssen fürchterlich stehen . Das , ich möchte sagen , zersprengt ihr oft das Herz . Liebe Demoiselle Alltag , ich möchte Manchen , der die Könige beneidet , einen Blick da hinein thun lassen , und sie würden Gott danken , daß sie so glücklich in ihrem Hause sind . « Die Spaziergänger hatten sich umgewendet und gingen wieder vorüber . Die Königin schien noch immer in derselben Stimmung : » Er sieht die ganze Gefahr , klar und deutlich . Er könnte retten , und diesen einzigen Mann , der retten könnte , ihn lässt man brach liegen . « Aus Hoyms Antwort konnte man nur die Worte hören : » Aber der Freiherr von Stein - « Die Schadow hatte Adelheid tiefer ins Gebüsch gezogen . » Das ist ihr Hauptkummer jetzt . Unsereins darf freilich nichts davon wissen , und noch weniger sich darum kümmern , aber man müsste ja nicht Ohren und Augen haben . Je mehr es eine hohe Person schmerzt , um so heftiger bricht es unwillkürlich heraus , und uns beachten sie doch eigentlich nicht als Geschöpfe , die es angeht und die es verstehen . « - » Ihre Majestät wünscht den Freiherrn von Stein zum Rathgeber des Königs ? « Die Kammerfrau sah Adelheid verwundert an : » Das wissen Sie auch ! - Man mag im Publikum freilich Manches wissen , von dem die hohen Herrschaften glauben , daß sie es allein besitzen . Es ist so . Der Herr hat sich bei Hofe nicht beliebt gemacht ; er hat viel Feinde . Das geht bis zu den Lakaien hinunter , Sie wissen nicht , wie das bei uns ist . Wen sie oben von Einfluß sehen , dessen Worte sprechen sie nach . « » Aber wenn die Königin - « » Es ist das Schlimme , liebe Demoiselle , daß der König selbst den Herrn nicht liebt - er ist ihm unbequem . Ganz unter uns , er fühlt oft , daß es besser wäre , wenn die Andern , gegen die jetzt das Geschrei ist , fort wären , er möchte sie auch zuweilen los sein , denn er ist der edelste , beste Herr von der Welt , aber sie sind ihm bequem , er hat sich an sie gewöhnt . Er entlässt ja keinen seiner alten Diener . « Die Spaziergänger waren abermals zurückgekehrt . » In den Provinzen theilt man Ihro Majestät Entrüstung , « sagte Hoym , » Allen ist es ein Räthsel : Friedrichs Staat in den eines französischen Roturiers ! « Die Königin blieb stehen : » Sagen Sie lieber , eines charakterlosen Libertins , der mit den höchsten Gütern , den Tugenden , der Ehre des schönsten Reiches leichtsinnig spielt wie mit den Geldrollen , die er alle Abend am Pharotisch verliert . « - » Jammerschade , daß unser Haugwitz sich von ihm leiten lässt . Sonst ein so liebenswürdiger heller Geist . « - » Mich dünkt , es ist der höchste Grad des Unverstandes , das Werkzeug der Verworfenheit And rer zu werden . « Auf einen solchen Ausspruch aus dem Munde einer Königin muß der Unterthan in Ehrfurcht schweigen . Hoym schwieg ; auch die Königin schwieg einen Augenblick , wie im Gefühl , mehr gesagt zu haben , als die Etikette einer Königin zu sagen erlaubt . Die leichte Röthe war wieder von ihrem huldstrahlenden Gesicht verschwunden , als sie fortfuhr : » Ihm , ihm allein verdanken wir es , daß das Ungeheuer mit kaltem Hohn auf uns herabblickt . Er verachtet unsre Machthaber , weil wir solchen an ihn bevollmächtigten . Ich sage nichts davon , wie er in Brünn sich fortschicken , in Wien behandeln , in Schönbrunn dupiren ließ ; ich zerdrücke meinen Schmerz , daß er es war , der Hannover uns schenken ließ , der Brocken , an dem unser Adler ersticken sollte . Daß er aber nach dieser Erfahrung , belastet von den Verwünschungen einer ganzen edlen Nation , jetzt in Paris wieder dieselbe Rolle der Insouciance spielen konnte ! « - » Er war vielleicht , wie Lombard in Brüssel , von der Grandeur der neuen Majestät eblouirt . Il est un peu phantaste , Mystiker , er glaubt zuweilen an Geistererscheinungen . « - » Nein , Hoym . Er glaubt nur an sich . Er schrieb damals her : Sobald ich ihn gesehen , ist Alles abgemacht ; ich weiß ja , was er in Wien zu mir gesagt hat . « Solcher naive Glaube wäre rührend , wenn er nicht ein Staatsminister des Königs wäre , wenn nicht