das halb weinende Mädchen zu küssen ... Lassen Sie mich ! Ich rufe um Hilfe ! stöhnte das kleine Mädchen unter den gewaltsamen Umarmungen des schleichenden Lüstlings . In diesem Augenblicke aber fühlte er statt eines Kusses , den er auf der rechten Wange erwartete , auf der linken eine gewaltige Ohrfeige . Der rosa-rothe Domino hatte ihn in dieser vertraulichen Form ihre weißen Handschuhe fühlen lassen . Lachend zog die Rosarothe die beängstete kleine Blaue aus des Erschrockenen Armen und verschwand mit ihr hinter den Hecken . Die grüne Brille stand von dieser Störung sehr unangenehm überrascht da . Es entging ihr nicht , daß diese Scene Zeugen gefunden hatte . Man umschlich ihn . Er glaubte sogar jenen Oberkommissär zu erkennen , der vorhin mit Hackert gesprochen hatte und der ihn mit sonderbarem Blinzeln betrachtete , während er die rechte Hand in die Brusttasche steckte . Eine lustig daherkommende Gesellschaft , Arm in Arm verschränkt , befreite die grüne Brille zu ihrem Glück von einer unangenehmen ferneren Beaufsichtigung ; denn sie mischte sich , wie zu ihnen gehörend , unter die jubelnden Sänger , die auch seinen erwachenden Husten deckten . Hurrah ! riefen diese , ihre Hüte schwenkend und zogen mit kleinen chinesischen Traglampen unter den Bäumen vorüber . Unter ihnen Mädchen , leicht und behend . Hinterher schwerer Tretende in Reitstiefeln , die entweder wirklich ihr übliches Costüme angelassen hatten oder dies nur trugen , um Das zu scheinen , was sie vielleicht nicht waren . Dabei wurden Flaschen , Gläser , Hüte geschwenkt und Lieder halb angestimmt , halb wieder mit rauhen Dissonanzen abgebrochen ... Oberkommissär Pax fragte eine neben ihm stehende gleichfalls sehr zugeknöpfte Person : Ah ! guten Abend . Herr Assessor Müller ... Sehen Sie sich auch dies Treiben an ? Wer sind diese ? Der Angeredete , der nicht blos zum Vergnügen anwesend war , antwortete : Der sogenannte Jockeyklub ! Aus der Schloßstraße doch nicht ? Nein , nein , die wirklichen Jockeys , die sich wie ihre Herren auch zu einem Verein gebildet haben . Die wüsten Bursche - Ich kannte Einige - von Lasally - nicht wahr ? Die mit den kleinen Reitgerten . Eingebildete Schlingel , die sich in ihren kurzen Jacken und Schnüren für schön halten ! In Schnurjacken durften sie natürlich nicht kommen : aber Sporen und Reitgerten haben sie doch an den Füßen . Zu tanzen ist ihnen mit Sporen verboten worden . Deshalb lärmen sie hier herum . Wer mögen nur die eleganten Herren sein , die mit den Wandstablers dort angebunden haben ? Kann ich nicht sagen . Sie sind schon lange mit ihnen im Gespräch ... Die koketten Mädchen wollen heirathen , deshalb tanzen sie nicht und binden lieber solide Verhältnisse an ... Müssen sie denn aus dem Hohenberg ' schen Palais ? fragte der Assessor Müller , der auf der Polizei die ersten Verhöre führte und von Hackert , wie wir uns entsinnen werden , auf der Landstraße in der Blouse des Prinzen Egon vermuthet wurde . Wenn der Prinz wieder gesund wird , gewiß ; sagte Pax . Jede neue Regierung stürzt die Creaturen der alten . Ich habe die Wandstablers gefragt , der communistische Franzose ist wirklich nur des Prinzen wegen von Paris gekommen ... Wenn der Prinz gesund wird , werden wir schöne Sachen erleben . Der Polizeipräsident schüttelte den Kopf über diese Verbindung ... Auf Bällen und bei den Arbeitern sieht man den Franzosen noch nicht - darin waren die pariser Berichte falsch . Angekündigt ist Herr Armand im Maschinenbauverein , sagte der unterrichtete Assessor Müller . Ich glaubte , vorhin ihn sogar hier zu entdecken . Aber es ist ein Andrer . Wer mag nur hinter der grünen Brille stecken ? Es scheint ein Mädchenjäger zu sein . Politik treibt der nicht . Auch paßt das Signalement nicht . Hat man von Nr. 2 noch nichts beobachtet , ein Signalement , das uns durch gesandtschaftliche Vermittelung über England so dringend anempfohlen wurde ? Von der schwarzen Binde ? Noch nichts ... Sie kommt her , - behalten Sie ja das Signalement vor Augen - Kümmerlein und Mullrich auf der Sternwarte sollen alle Tänzer fixiren - Sechs und fünfzig Jahre und noch tanzen , Herr Assessor ? Wer sich so mit Gewalt jung macht ? So seine Züge versteckt ? So sich an die Weiber hängt ? Friseur Schmidt behauptet , er hätte einen kahlen Schädel ... Begierig bin ich , für wen er beim Juwelier Israëli die vielen Ketten und Brochen gekauft hat ! Ein Engländer ist ' s nicht und wenn er zehnmal Murray heißt und amerikanische Piaster ausgibt . Pst , Herr Assessor ! treten Sie gefälligst zur Seite ! Es kommt da Einer ! Mit Dem hab ' ich zu sprechen . Hackert ! sagte der Assessor Müller lachend . Angeln Sie immer noch nach ihm ? Der Narr soll in Güte kommen , daß man ihn nicht einmal mit Gewalt holt ! Der Assessor entfernte sich und der Oberkommissär trat auf Hackert zu , der in großer Aufregung suchend , umsichblickend daherkam . Nun , sagte Pax , wen suchen Sie denn ? Ihre Rothe ? Was ist denn Das für ein Paradiesvogel ? Das frag ' ich Sie ! So bin ich nie geneckt worden ! sagte Hackert athemlos . Mitten im Tanz ist sie von mir fort : dem Soldaten , der mit der Blauen tanzte , ging ' s ebenso . Der sucht die Blaue , ich die Rothe - verdammte Fledermäuse ! Schonen Sie sich , Hackert ! Sie lassen einmal recht wieder die Zügel schießen . Vor zwei Jahren waren Sie durch Ihre Tanzwuth der Schwindsucht nahe und noch geb ' ich nichts auf Ihre Brust ... Und doch soll ich schreiben - immer schreiben - das niederträchtigste Metier , das nur für die alten Mönche einmal gepaßt hat , die ihren Bäuchen von Herzen die Schwindsucht wünschten ! Und manchmal schließen Sie sich doch ab