und » protestantisch « lagen für ihn und vielleicht auch für Benno weit , weit auseinander - , traf heute nicht den alten guten Herrn , bei dem er angeleitet worden war richtig Beicht zu sprechen . Der Pfarrer von Sancta-Maria an den Holzhöfen pflegte in solchen Fällen immer zu sagen : » Geh du man , min lütje Jong ( es war ein Friese , wie die Asselyns ) , dat schall ik wol maken ! « Der gute alte Herr arrangirte , was Thiebold von eingeworfenen Fenstern , Näschereien , sogar schon Schulden ( bei vierzehn Jahren ! ) ihm eingestanden hatte . Hier aber mußte Thiebold erleben , daß seine noble Gesinnung und die » authentische Quelle « und sein » die Güte haben wollten « - nicht den mindesten Anklang fanden ... Bonaventura verurtheilte ihn zwar nur zu einigen Aves und einigen Spenden , sprach ihm aber das Absolvo erst nach folgenden strengen Worten : Und können Sie mir wirklich zumuthen , daß Ich nun auch noch an dem Gewebe Ihrer Unwahrheiten mit fortspinne ? Wollen Sie Ihren Betrug gut machen , den Sie in dem Wagen bei jener nächtlichen Fahrt gespielt haben , so glaub ' ich , daß Sie ihn selbst bekennen müssen . Erleichtern will ich Ihnen diese Beschämung allerdings dadurch , daß ich der Meinung bin , Ihr Geständniß ist zunächst da anzubringen , wo der Betrug stattfand . Zuerst müssen Sie der jungen Dame , die Sie nun ja wiedersehen werden , bekennen , daß Sie es waren , der den Händedruck empfing . Die Täuschung , die Sie begingen , ist freilich eine doppelte . Lassen Sie aber erst das Geständniß vorangehen , das Sie der Dame selbst zu machen haben , und sagen Sie dann mir , da ich gleichfalls in der gemeinten Gegend sein werde , was sie Ihnen erwiderte ; vielleicht wünscht sie den Vorfall jetzt lieber ganz verschwiegen . Soll ihn aber später Ihr Freund erfahren - und ein wirklich dann Ihretwegen besorglicher Fall das - so will ich Ihrem guten Willen , Ihrer Neigung , Ihr Gewissen zu entlasten , vor dem Freunde ein Zeugniß geben , das Ihre Hinterlist nicht zu sehr compromittirt oder wol gar eine Aufkündigung der Freundschaft zur Folge hat , wenn nicht Schlimmeres , was ich nicht wünschen möchte ; denn Ihre Freundschaft ist dem Freunde schon ein Besitz , den er hat ; die Liebe jenes Mädchens aber bisjetzt etwas noch Zweifelhaftes . Ich möchte nicht , daß er um Freundschaft und Liebe zugleich kommt ... Thiebold erhob sich wie angedonnert ... Die Verwickelung wurde immer größer ... Die ganze Freundschaft mit Benno stand auf dem Spiel ... Und - ein Geständniß seiner offenbaren Heimtücke an Armgart selbst ! .. Er sah die vollkommenste Niederlage , die ihm Bonaventura im Stifte Heiligenkreuz bereitete ... Die Vorwürfe Armgart ' s hörte er , hörte die offenkundigste Demüthigung in dem kühlsten : » Sie waren das ? « das je auf Erden gesprochen wurde - Er wankte nur so hinaus und litt mehr , als sich schildern läßt . Denn seine Bewunderung vor Benno ' s Vetter war nicht blos hoch , sondern » höchst « . Er mußte sich gestehen , unter solchen Gefahren und Verwickelungen hätte er sich die Reise nach Witoborn anzutreten nicht für möglich gedacht . Ruhe , Erwägung , Sammlung waren Bonaventura nicht vergönnt ... Wie gern hätte er sich jetzt träumerisch verloren in Benno ' s Liebe , in Armgart ' s Gegenliebe , die er durch seine Thiebold gegebene Vorschrift prüfen , zu vollerem Bewußtsein erheben , zum reichern Schatz für seinen Freund ansammeln wollte . Er dachte : Vielleicht kannst du eine dem dunkeln Lebensschicksal deines Freundes plötzlich aufgebende rosige Beleuchtung in Witoborn ihm selbst ankündigen ! ... Aber schon redete eine andere Stimme ... Es war eine heisere . Aber eine weibliche , soweit ein sonderbares Näseln und stoßweises Schluchzen sie unterscheiden ließen - ein Taschentuch mußte schon an allen Enden gewechselt worden sein , so feucht war es von dem Jammer der Zerknirschung . Eine Nase wurde dem Hörer sichtbar , geschwungen wie der Schnabel eines Geiers . Drüberher ein orangegelber , ganz neuer Atlashut , mit schwarzem Sammet besetzt und mit Spitzengarnitur . Es war dem Hute und dem Taschentuche und dem Weinen zufolge eine Dame . Alles Uebrige konnte einem Manne angehören . So gewandt wie diese Bonaventura bereits hinlänglich bekannte Seele wußte selten eins die vorgeschriebenen Anreden und Formeln auswendig . Die Frau war erst vor vierzehn Tagen dagewesen , aber schon wieder war sie der Sünden so voll , daß der Beichtvater in sein Examen keine andere Ordnung bringen konnte , als systematisch nach sämmtlichen zehn Geboten . Eine Sünderin war es ganz nach dem Schema eines Beichtspiegels . Bei jedem Paragraphen der Moral hatte sie ihrem Innern gleichsam ein » Eselsohr « gemacht . Schon neulich hatte sie unnützerweise dreizehnmal Gott , siebenmal die Heiligen , siebzehnmal die Nothhelfer angerufen . Die Terminologie des Beichtstuhls und der Curialstyl der Gnadenzustände war ihr so geläufig , daß man hätte sagen mögen , sie sündigte auf Stempelpapier . Auch einem Diebe konnte man sie vergleichen , der seine Einbrüche schon nach demjenigen Strafmaß qualificirt , das gerade ausreicht , ihm nach zwei Jahren wieder die Freiheit zu verschaffen . Dies war eine Frau , die im Entzug des allerheiligsten Sakramentes des Altars lebte . Sie behielt nur noch den Beichtstuhl offen zur Erweckung eines besseren Gnadenzustandes . Der junge Domherr war durch vorher nothwendig gewesene officielle Mittheilung der Sachlage über eine Frau orientirt worden , die sich alle vierzehn Tage vor ihm geberdete , als wäre ihr durch Vorenthaltung des heiligen Brotes die notwendigste physische Speisung entzogen . Mit solchem Seelenjammer , dem da nun auch ein Priester , ein Mann , der außerhalb der Ehe leben und dem holden Reiz der Frauen nicht auf sich wirken lassen darf , sein Ohr leihen muß , hätte Bonaventura lieber