im Kriegerrock , und dann - dann ! Die besten Berechnungen schlagen am ehesten fehl . - Und wenn Krieg ward , was sollte Adelheid in ihrer Begleitung ! - Aber was sollte sie bei der Königin ? - Das würde Gott am besten fügen . Die Fürstin war heute von einem Gottvertrauen , das durch die Ereignisse bestärkt werden sollte . Denn während sie noch am Frühstückstisch saß , war die Hofdame der Königin , Fräulein von Viereck , vorgefahren und hatte unter andern Dingen von der Verwunderung der Königin gesprochen , daß Erlaucht ihre Pflegetochter Ihrer Majestät noch nicht vorgestellt . Die andern Dinge waren bald bei Seite geschoben , die Viereck war nur darum gekommen . Die Königin durfte es nicht offiziell wünschen , auch war die Façon schwer zu finden , wie die Fürstin das junge Bürgermädchen präsentiren solle . Also sollte ein gelegentliches Zusammentreffen arrangirt werden . Die Kammerfrau der Königin , Mamsell Schadow , war eine Bekannte der Alltagschen Familie . Adelheid konnte die Kammerfrau besuchen , und so wenig dabei etwas Auffälliges war , konnte es sein , wenn Ihre Majestät bei der Gelegenheit das junge Mädchen traf . Die Fürstin war über den Vorschlag um so mehr erfreut , als sie nicht nöthig hatte Mutterrolle zu spielen . Sie fürchtete nur Widerstand von dem kapriziösen Kopfe ihres Schützlings , eine Befürchtung , die um so größer ward , als sie hörte , daß Herr van Asten sich schon früh am Morgen bei Adelheid melden lassen , daß er angenommen worden und noch jetzt bei ihr sei . Was wollte der abgesetzte Liebhaber bei ihr ! Er konnte doch nicht beabsichtigen , seinen Nebenbuhler und Freund wieder aus dem Sattel zu heben ? Das Kammermädchen hatte zwar an der Thür gehorcht , aber nichts von Thränen und Betheuerungen . Die Sprache hatte so ernst geklungen , feierlich und - doch auch zärtlich , meinte das Kammermädchen . Sie musste die Sprache , welche drinnen gesprochen ward , nicht verstehen . Jetzt ging er . Adelheid begleitete ihn bis an die Gartentreppe . Die Fürstin sah durch die Glasthür wenigstens den Abschied . Der junge Mann schien verändert , aber zu seinem Vortheil , seine Haltung war fester , entschlossener , vornehmer . Er ergriff Adelheids Hand , er schien sie an die Lippen bringen zu wollen , aber besann sich . Er hob sie nur bis ungefähr an die Brust und drückte dann seine Hand darauf . Er sah sie dabei nicht zärtlich , aber innig an . Sie musste ihn wieder so ansehen . Sie sprachen noch einige Worte , welche die Gargazin nicht hörte . Dann war es Adelheid , welche ihm kräftig die Hand schüttelte und etwas ihm nachrief . Als er verschwunden , kehrte sie um und trat durch die Glasthür . Sie war nicht betroffen , als sie der Fürstin hier begegnete . Das Betroffensein war an der Gargazin , als Adelheid ohne Umschweife , bescheiden , aber kurz und entschlossen , mit der Bitte vorrückte , die Fürstin möge ihr vergönnen , die Königin heut um eine Audienz angehn zu dürfen . - Mamsell Schadow empfing das schöne Mädchen mit Herzlichkeit , obwohl sie wusste , daß der Besuch nicht ihr gelte , und führte sie sogleich in den Garten und in den Gang , wo die Königin ihre Morgenpromenade zu machen pflegte . » Wir gehen hier an den Gebüschen langsam auf und ab , und wenn sie kommt , thun wir , als sähen wir sie nicht . Wenn sie in Gedanken ist und uns nicht sehen will , was man gleich merkt , treten wir ins Gebüsch zurück . Will sie uns aber sehen , dann thun wir sehr überrascht und etwas erschrocken . Das lieben die hohen Herrschaften und dann encouragiren sie uns . « Eine Mittheilung der Schadow war aber nicht geeignet , Adelheid zu encouragiren . Ihr Vater , der Geheimrath , hatte vor einigen Tagen eine kurze Unterhaltung mit der Königin gehabt . Adelheids Name war dabei genannt worden . » Das ist schade , das darf nicht sein ! « hatte die Königin geäußert . Nachher hatte die Schadow Ihre Majestät zur Viereck sagen gehört : » Ich muß das junge Mädchen einmal sprechen . « Adelheids Vater hatte eine Abneigung gegen ihre Verlobung mit Louis Bovillard . Die Mutter betrachtete sie als ein Glück . Sie wusste von häuslichem Verdruß deshalb . Ueber diesen Kampf war Adelheid hinaus . Beim kindlichsten Gefühl der Dankbarkeit fühlte sie sich frei geworden . Sie hatte es keinen Hehl gegen ihren Vater gehabt : Ihr habt mich hinausgesetzt in eine andere Welt , wo andere Gesetze gelten . Wenn ich mich den Pflichten unterwerfen musste , die sie fordern , so darf ich auch ihre Rechte für mich anrufen So war ungefähr der Sinn eines Gespräches , in dem der Vater unterlegen war . Es war ja nicht eigentlich sein Departement ; er fühlte , daß der Geist seiner Tochter auf Fittigen flog , die im Staube des Aktenlebens nicht wachsen . Nun , wenn er in seinem Mißmuth Seufzern und Klagen gegen die erhabene Person Luft gegeben , so fühlte Adelheid eine andere Lebensluft in sich . - Sie fühlte sich nicht decouragirt . Die Königin kam , aber nicht allein . Ein Kavalier ging an ihrer Seite , mit dem sie in lebhaftem Gespräche schien . Es war ein stattlicher , schöner Mann , von einem gewinnenden Ansehen , jede Bewegung weltmännische Grazie , obwohl sein rechter Arm , früh vom Schlage getroffen , gelähmt an der Seite hing . » Graf Hoym , « flüsterte die Schadow , » der Vicekönig von Schlesien . Wir müssen zurücktreten . « Beide gingen vorüber , und die Königin bemerkte sie in ihrer Aufregung wirklich nicht . » Palm ! Palm ! lieber Hoym , das bleibt doch das Abscheulichste . - So unschuldig , in der Nacht fortgerissen von Frau und