Parasiten umschwärmt sieht , deren Interesse ist , unter der Larve einer gränzenlosen Anhänglichkeit an seine Person , seine unaufhörlich von ihnen gereizten und befriedigten Leidenschaften zu Werkzeugen der ihrigen zu machen . Unter einem schwachen Fürsten regieren gewöhnlich die schlechtesten Menschen ; und daß Dionysius , trotz seiner körperlichen Stärke ein sehr schwacher König seyn werde , davon sind bereits Vorbedeutungen genug vorhanden . Der einzige , den er scheut und der ihn , eine Zeitlang wenigstens , zurückhalten wird , ist sein Oheim und Schwager Dion , bekanntlich ein schwärmerischer Verehrer Platons , der keine große Mühe gebraucht haben mag , ihn zu überzeugen , daß Syrakus nicht eher wohl regiert seyn werde , bis es einen Philosophen zum Regenten habe . Zum Unglück fehlt es diesem Dion , bei allem Schein von Weisheit und Tugend den er von sich wirft , gar sehr an allen Eigenschaften , wodurch man sich andern , zumal einem jungen König der das Vergnügen und die Freude liebt , angenehm und liebenswürdig machen kann ; und , was noch schlimmer ist , ich fürchte sehr , daß er selbst etwas mehr Tyrannenblut in den Adern hat , als seine Lobredner in der Akademie sich gern gestehen mögen . Wie dem auch sey , der junge Fürst befindet sich dermalen zwischen dem strengen , Ehrfurcht gebietenden und scharf über den Grundsätzen der Platonischen Republik haltenden Dion , und dem schlauen , gewandten , allgefälligen Gesindel seines Hofes in einer zwang- und peinvollen Klemme . Diese sehen , daß er nicht Muth genug hat , das Joch , das ihm jener über die jungen Hörner geworfen , abzuschütteln ; und das dringende Bedürfniß , dem majestätischen Dion einen Mann von Gewicht entgegen zu stellen , ist es ganz allein , was sie genöthiget hat , mit vereinten Kräften auf die schleunigste Zurückberufung des Philistus anzutragen . Daß dieß die wahre Lage der Sachen am Syrakusischen Hofe sey , habe ich aus den unvollständigen Nachrichten , die mir Philist von Zeit zu Zeit mittheilte , nach und nach herausgebracht . Denn er selbst treibt , wie es scheint , die Freundschaft gegen keinen Sterblichen so weit , daß er sich ihm ganz offen und ohne alle Zurückhaltung entdecken sollte . Da er ein Mann von großer Weltkenntniß und Erfahrenheit ist , die Syrakusischen und Sicilischen Staatsverhältnisse vollkommen inne hat , dabei ( worauf hier alles ankommt ) eine sehr einnehmende Außenseite besitzt , und an Feinheit , Geschmeidigkeit und Besonnenheit es mit dem ausgelerntesten Hofmann aufnehmen kann : so ist nicht schwer vorauszusehen was der Erfolg seyn müsse , und daß Dion bald genug den Rath erhalten werde , eine kleine Gesundheitsreise zu seinem ehrwürdigen Freund Plato vorzunehmen . Uebrigens scheint Philist darauf zu rechnen , daß Korinth , als die Mutterstadt von Syrakus , es seinem Staats- und Handelsinteresse gemäß finden werde , mit dem Thronfolger des alten Dionys in gutem Vernehmen zu bleiben . Auch zweifle ich nicht , daß er sich in dieser Rücksicht unter der Hand mit Nachdruck für den edeln Timophanes47 verwenden wird , welcher ( wie ich höre ) große Anstalten macht , sich mit guter Art der Alleinherrschaft über euch zu bemächtigen . Auch an unserm Himmel , der während der letzten dreißig Jahre so heiter war , steigen , seit dem Tode meines guten Bruders Aristagoras , bereits einige trübe Wolken auf , die uns mit Sturm und Ungewitter zu bedrohen scheinen . Sein ganzes thätiges Leben war der Wohlfahrt von Cyrene gewidmet ; sein Tod wird uns , wie ich große Ursache habe zu befürchten , eben so nachtheilig seyn als sein Leben wohlthätig war . Er war , wiewohl seine Bescheidenheit und Klugheit es immer zu verbergen suchte , der wahre Urheber und die stärkste Stütze unsrer dermaligen Verfassung . Unglücklicherweise ist noch keine Staatsverfassung erfunden worden , die durch sich selbst bestünde ; und da sogar Platons Republik ( seiner eigenen Versicherung nach ) nur unter einer unmöglichen Bedingung von Dauer seyn könnte , von welchem andern Menschenwerk dürften wir uns mehr versprechen ? Seit der Mann nicht mehr ist , der allein Ansehen und Weisheit genug besaß , dem Ehrgeiz des mächtigen Demokles und seiner Söhne das Gegengewicht zu halten , sehe ich einer Abspannung der Springfedern unsrer Staatsmaschine entgegen , wodurch sie nur zu bald ins Stocken gerathen wird . Wir werden in unsre alten Mißbräuche , Parteien und Erschütterungen zurückfallen , und was sollte mir dann ein längerer Aufenthalt in Cyrene ? Doch dieß , bester Learch , ist weder das Einzige , noch das Aergste , was mir bevorsteht und das häusliche Glück , dessen ich seit meiner Verbindung mit der liebenswürdigen Schwester unsers Kleonidas genoß , auf immer zu zerstören droht . Möge mein guter Genius den Unfall noch lange von uns entfernt halten , dessen langsame Annäherung ich mir selbst vergebens zu verbergen suche ! - Trifft er mich , so ist Athen und Korinth - doch weg mit dem unglückweissagenden Gedanken ! Noch ist Hoffnung . Die Aerzte haben zu einer Luftveränderung , wovon sie uns die beste Wirkung versprechen , eine Reise nach Rhodus vorgeschlagen , welche ich mit Kleonen und unsrer Tochter Arete , von Kleonidas , Musarion und dem jungen Kallias , ihrem Sohne , begleitet , zu unternehmen im Begriff bin . Rufe Hygieien mit mir an , mein Freund , daß der Erfolg unsre Wünsche begünstige ! Anmerkungen zum dritten Band . 1. Brief . 1 In der Macedonischen Landschaft , wo der Berg Athos liegt , zwischen zwei Meerbusen , hatten Griechen aus Chalkis in Euböa , wovon die ganze Landschaft den Namen erhielt , die Stadt Olynthus erbaut , welche zu einer so ansehnlichen Größe empor wuchs , daß die zehntausend Krieger , worunter tausend Reiter , ins Feld stellen konnte . Der Krieg , den das , nach dem Frieden des Antalcidas mehr als je stolze , Sparta mit Olympus führte , wurde die Veranlassung zu einer ganz neuen