aber die Einschnitte ziehen sich nicht horizontal von West nach Ost , sondern senkrecht von Nord nach Süd , so daß das ganze Terrain mit seinen Höhen und Tiefen einer Tischplatte gleicht , auf der eine Riesenhand mit gespreizten Fingern liegt . Das an jenem Tage den Mittelpunkt der russischen Stellung bildende Dorf Quartschen entspricht dem Handgelenk . Hier trafen alle Höhen und Tiefen in einem Punkte fächerförmig zusammen . Auf einem zwischen zwei dieser Vertiefungen , dem Zabern- und dem Galgengrunde gelegenen Hügelrücken , entschied sich die Schlacht . Richtiger : von hier aus wurde sie entschieden . Von Zorndorf her den Zaberngrund hinaufrückend , begleitete Seydlitz am äußersten linken Flügel der preußischen Aufstellung den Auf- und Vormarsch der Angriffskolonnen . Selber ungesehen sah er seinerseits alles . Auf die Aufforderung des Königs , » anzugreifen , bei Gefahr seines Kopfes « , gab er die bekannte Antwort : » Nach der Schlacht stehe dem Könige sein Kopf zu Befehl ; während derselben möge er ihm noch erlauben , davon in seinem Dienste Gebrauch zu machen . « Der Zeitpunkt war eben noch nicht da . Im Moment aber , als die bereits siegreichen Russen ihre Reiterei vorschickten , um in die fliehenden preußischen Bataillone einzuhauen , schwenkte Seydlitz plötzlich rechts , passierte den Bach und stieg aus der Tiefe herauf . Und nun wie Sturm über das Plateau zwischen dem Zabern- und Galgengrund hinfegend , führte er jene weltberühmte Attacke aus , die mit der Niederwerfung des zunächst stehenden russischen Flügels endigte , und sechs Stunden später gegen den andern Flügel wiederholt , den Tag zugunsten des Königs abschloß . » Seydlitz , auch diesen Sieg verdank ich ihm . « » Nicht mir , Majestät . Hier diesem Löwen , dem Rittmeister von Wakenitz . « Es war überhaupt , wie ein Tag glänzender Attacken , so auch ein Tag glänzender Impromptus und Repliken . » Keine Schlacht ist verloren , solange das Regiment Garde du Corps nicht angegriffen hat « usw. Die Chaussee von Zorndorf nach Quartschen läuft auf der Höhe des flachen Hügelrückens zwischen dem Zabern- und Galgengrunde hin und durchschneidet also genau denjenigen Teil des Schlachtfeldes , auf dem die Würfel fielen . Wir machen den Weg bei Sonnenuntergang . Der goldene Ball hängt verschleiert am Horizont , die Luft ist still und nur hoch im Blauen singt es und klingt es noch . So geht es zwischen dem wogenden Korn dahin . Etwa tausend Schritt hinter Zorndorf passieren wir einen altmodischen Bauernhof mit Plankenzaun und Strohdach . Wieder fünfhundert Schritte weiter fällt uns , rechts am Wege , ein auf verschiedenen Stufen errichtetes und das Kornfeld weithin überragendes Steinmonument auf , das am 25. August 1826 von Männern des Kreises an ebendem Punkte aufgebaut wurde , wo , alter Überlieferung zufolge , der König hielt und den Gang der Schlacht ordnete und überblickte . Diesem Punkte gilt unser Besuch . Wir lassen halten und suchen nach einem Feldweg . Aber nichts derart ist zu finden . Besucher auf dem Schlachtfelde von Zorndorf sind so selten , daß es sich nicht verlohnt , einen Weg nach dem Denkmale hin offenzuhalten . Lauter Ackerland . Oder wie es in dem Chamissoschen Liede heißt : » Der Pflug geht drüber hin . « Nach langem Suchen entdecken wir endlich eine Furche , die uns in gerader Linie , wenn auch von schräg liegenden Halmen völlig verdeckt , dem Denkmal entgegenführt . Wir stehen nun vor einem Sand-und Lehmhügel von der Form eines Backofens , auf dem sich das Monument erhebt . Der Aufgang ist steil und man kann deutlich erkennen , daß die früher sich allmählich abflachenden Wände von dem Bauer , dem jetzt das Feld gehört , ab- und niedergepflügt wurden , um dadurch ein paar Qudratruten Ackerland zu gewinnen . Bauernegoismus ist sicherlich das einzige Motiv gewesen , aber der Egoismus ist hier zum Segen ausgeschlagen und der Hügel mit seinen jetzt steil abfallenden Wänden , hier und dort von Liguster und Distelbüschen überwachsen , nimmt sich vortrefflich aus als Postament für das auf seiner Höhe errichtete Denkmal . Dieses ist einfachster Art. Es besteht aus drei Granitstufen , auf deren oberster sich ein Oblong , ebenfalls aus Granit , erhebt . Das Ganze ein etwa mannshoher , höchst schlichter Steinbau , der früher an einer seiner Fronten eine Inschrift trug . Man liest noch jetzt : » Hier stand Friedrich ... M.D.C.C.L.VIII. « Alles andere ist verlöscht . Das Monument ist schlicht genug . Aber der Blick über das Schlachtfeld hin , das jetzt schattenhaft-grau vor der dahinter gelagerten Abendröte liegt , ist entzückend . Der Abend schickt einen Luftzug ; ein leises Rauschen und Knistern ist in den Halmen ; die Lerchen sind eben still geworden und nur von rechts und links her rufen die Unken über das Feld hin . Die hausen noch im Zabern- und Galgengrund , wenn auch freilich nicht mehr wie sonst . Denn die beiden Gründe haben längst aufgehört eigentliche Wasserrinnen zu sein ; die Kultur hat sie trocken gelegt , und nur wo hier und da noch ein Restchen Sumpfwasser in der Vertiefung steht , halten sich ihre alten Bewohner . Noch einmal , es ist ein schlichtes Monument , das an dieser Stelle das Gedächtnis an den Tag von Zorndorf zu wahren trachtet . Aber es ist gut , daß es schlicht ist . Prächtige Monumente gehören in die Stadt , in das Bereich der Kunst . Zu Wald und Feld stimmen Denkmäler , die sich einreihen in den Hausrat der Natur . Übergang und Verschmelzung , nicht Gegensatz . Würfel und Obelisk werden auf Schlachtfeldern noch lange das beste bleiben . Mein Reisegefährte , zu dem ich in diesem Sinne gesprochen haben mochte , legte seine Hand auf meine Schulter und sagte lächelnd : » Sie haben recht . Dieser Stein weiß davon zu erzählen . Es schleicht sich nämlich etwas von höherer Kunstexistenz in sein Leben ein . Aber es waren keine glücklichen