genossen hatte « . Um meine Verlegenheit zu vermehren , gab die dankbare Freundin unserer Herzen nun auch mir die Hand , als wollte sie sagen : Ganz zu kurz kommen sollen auch Sie nicht , lieber Herr de Jonge ! Und dies offenbar viel kältere Benehmen sah mein Freund nicht ohne Befremden . Schwerlich schrieb er ' s auf » Rechnung meines Wagens « , den er zwar zu loben anfing ; aber ich gestehe , daß ich schon damals beschämt war , nicht im mindesten » honnet genug « gewesen zu sein und gesagt zu haben : Erlauben Sie , mein Fräulein ; vorhin - das bin ich auch gewesen ! Kurz , mein armer Freund blieb ohne alle Aufklärung ! Ich , ich sonst ein Mensch von » Reellität « , habe aus » Liebesglut « meinen Betrug verschwiegen bis zum heutigen Tage und » ich muß gestehen « , diese Lüge » entstellt meinen ganzen Charakter « . Denn nicht nur nicht - wie gesagt - sie einzugestehen war alle Tage Zeit - sondern auch - meine Schlechtigkeiten in diesem » Punkte « nahmen noch zu ... Bonaventura hatte schon oft Gelegenheit gehabt , sich zu überzeugen , daß Benno nicht Unrecht hatte , seinen Freund Thiebold de Jonge einen » närrischen Kerl « zu nennen . Diese so wunderlich stylisirten Gewissensscrupel überraschten ihn daher nicht im mindesten ... Ich kann sagen , ich habe eine so gründliche Abneigung gegen mich selbst gefaßt , fuhr Thiebold fort , daß ich jede Nacht um einige Stunden meines Schlafes » verkürzt « werde . Auch werde ich keine Ruhe finden , ehe es nicht wieder » Tag in meinem Innern « wird ! Eines muß der Mensch haben , was seine Religion ist und die Ehrlichkeit , glaub ' ich , » spielt dabei keine unansehnliche Rolle « . Welche andere » Schlechtigkeiten « sind es denn sonst noch , die Sie vorhin erwähnten ? fragte Bonaventura ... Die bodenloseste Verstellung ! sagte Thiebold und trocknete sich den Angstschweiß von der Stirn . Ich schmeichle nämlich meinem Freunde mit der » stereotypen Versicherung « , daß die » Palme des Sieges « nur er allein davontragen könne . Regelmäßig aber habe ich davon das absolute Gegentheil im Herzen ! Ich sage ihm : Asselyn - bitte um Entschuldigung ! ( Für die unerlaubte Angabe eines Namens - ) Ich sage : Freund , Sie sind der Glücklichste der Sterblichen ! Im Gegentheil aber erwäg ' ich meine bessern Umstände , sogar meinen » scheinbaren Adel « und ähnliche » Chancen « . Diese » vorhabende « Reise morgen nach Witoborn ist z.B. eine solche schlechte Erfindung meiner Doppelzüngigkeit ! Nicht im entferntesten liegt für mich ein Interesse vor , Wälder zu kaufen , die an keinem » schiffbaren Wasser « liegen . Nichtsdestoweniger hab ' ich dies schlechte Geschäft als eine außerordentliche » Conjunctur « hingestellt , ja dem Freunde sogar » schmählicherweise « mein Bedauern ausgedrückt , daß ich ihm durch meine Anwesenheit in Witoborn ein » lästiger Zeuge « sein würde . Wie gesagt , ich fange an stündlich über mich selbst zu stolpern und mich dem schaudervollsten Trübsinn zu ergeben aus Desperation über mich selbst ! Hochwürdiger Vater ! Ich möchte auf die ehrliche Straße zurück ! Es würde mir dies » stellenweise « erleichtert werden , wenn Sie , hochwürdiger Vater , die Güte haben wollten , meinen Freund zu versichern , Sie wüßten aus » authentischer Quelle « , daß er geliebt wird . Ich würde dann mit einer gewissen Erleichterung neben ihm meinen Platz im Postwagen einnehmen ; denn wir wollen diesmal mit der gewöhnlichen Diligence fahren ... Mit diesem schwungvollen Schluß endete Thiebold ' s gründlich einstudirte Beredsamkeit ... Jeder andere , der dieser Flüstersprache zugehört haben würde , hätte sicher seinem Ohr nicht getraut . Aber ein katholischer Priester hört dergleichen Herzensergießungen täglich . Die Neigung , die man bei Schulkindern das » Anbringen « nennt , wird durch den Beichtstuhl in Bezug wenigstens des » Anbringens über sich selbst « sogar geschult und erzogen . Und will man ein guter Erzieher sein , muß man zugestehen , daß in dem Anbringen selbst über andere in der Schule ein Keim liegt , der etwas Gutes enthält . Es kann ein Wahrheits- und Gerechtigkeitstrieb sein , der nichts Unrechtes sehen oder leiden kann . Ein Kind , dem man das Anbringen unter allen Umständen verleiden wollte , könnte leicht in Gefahr gerathen , am Guten irre zu werden ; denn immer wird es denken : Ei , das Böse ist doch dafür da , daß es entlarvt und bestraft werde ; wie hindert man mich denn , das Gute herzurichten ? Und der Beichtstuhl hört deshalb mit Geduld alles , was in ihm angebracht wird . Auch behülflich ist er , die Entdeckungen zu fördern und das Gute so wieder einzurichten und einzufugen , daß die , die es verletzten , nicht zu sehr dabei bloßgestellt werden . Er legt Strafe und Züchtigung vorzugsweise für die innere Gesinnung auf , übernimmt dann aber fürs Praktische gern , wie wol ein liebender Vater auch thut , das von seinem Kind gestohlene Gut wieder an den rechten Platz zu legen , ohne daß der Thäter auf ewig zu Schaden kommt . Der Beichtstuhl möchte gern auf diese Art die Harmonie des Lebens ergänzen . Und da die Sünden , in allgemeiner Formel ausgedrückt , oft nur Redensarten sind , so muß er zu dem Ende ausführlich die Facta hören , muß wissen , welche Rubrik in der Moral verletzt wurde und welche Arznei zu wählen ist , ob eine heroische , erschütternde , ein Taraxakum , oder eine sanfte und lind auflösende ... Thiebold , der sich in dem Augenblick vorkommen mochte , wie der heilige Aloysius , Thiebold , der als » Aufgeklärter « nur festhielt an dem , was » an seiner Kirche wirklich gut « ist - » aufgeklärt «