jetzt die dem alten Erzählenden in der Freude ihres Herzens kaum erwähnt hatten , und der demüthig hinter den Vornehmern stand : » Gottes Wunder ! es ist nicht gewesen sein Geist ... er ist es selbst ! Ascher ! Ascher ! mein Sohn ! mein Sohn ! seh ich Dich wieder , ... und weg geschrieen , ... wie seh ich Dich wieder ? « - » Vater ! Vater ! hochgelobter Gott in Deiner Gnade ! « rief mittlerweile die Verschleierte , deren Verhüllung sank , deren Züge Esther ' s waren , deren Knie brachen , und welche hingleitete in des bestürzten Dagobert ' s Arm , sogleich unterstützt von ihrer glücklichen Nebenbuhlerin Regina . Dieser Auftritt wandelte die Zuschauer zu Stein , den Schultheiß ausgenommen , der , von Esther ' s Anblick beschämt , davon schlich aus dem Saale , und ausgenommen Ascher , der auf seinen Vater zugelaufen war , und mit ihm , lebhaft und unterwürfig sich geberdend , einen wichtigen Zweisprach hielt in hebräischer Zunge . » Esther ! Tochter Ben David ' s ! « rief Dagobert der Erwachenden in ' s Ohr : » Sage , Du hier ? Du betrittst dies Haus ? « - Die Augen öffnend , aus welchen die zärtlichste Liebe auf Dagobert strahlte , erwiederte die Liebliche , reizend selbst in der Blässe der Ohnmacht : » Euch , verehrter Herr , sollte ich noch einmal sehen ; Zeuge Euers Glücks seyn sollte ich ; Euch finden mußte ich im Arme der Braut und der wonnevollen Eltern . So wollte es das Schicksal und der hochgelobte Gott , der noch einmal prüfen wollte dies Herz . - Aber , « - setzte sie mit himmlischer Zufriedenheit auf Stirn ' und Wange hinzu : » gepriesen sey seine Huld ! Ich kann Euch offen sehen in ' s Auge , ohne neidisch zu seyn auf Euer Wohl , und gut hat er ' s gemacht und recht in seiner unerforschlichen Weisheit ! « - Wie staunend und sprachlos auch Dagobert und seine junge Gattin an den Lippen der Redenden hingen ; - ihre Staunen , ihre Überraschung steigerte sich , da Esther in ihres Vaters Arme flog , der gerade seinen wiedergefundenen Sohn gesegnet hatte ; denn Ben David sprach : » Gesegnet sey der Herr , der meine Augen offen gehalten , daß ich sehe zurückkehren zu den schönen Hütten Jakobs den Verlornen , und preisen darf das Loos derjenigen , die ich liebe , trotz einem Sohne , weil sie nicht gefallen ist in die Schlingen der Abtrünnigkeit ! Ist mir ' s jedoch gewesen wie ein Traum , daß man mir gesagt , Du seyst vermählt , mein Kind ! wo ist Dein Mann , Kind , daß ich ihn segne mit den Fingern meiner Hand und dem Spruche des Gerechten ? « - Da blühte das Geständniß des größten Edelmuths , den je ein Weib bewiesen , in Purpurflammen auf Esther ' s Angesichte auf ; und sie schüttelte ehrerbietig den Kopf , und beugte sich nieder vor Ben David , und ihre Lippe stammelte : » Bei dem Gedächtniß des Raaf ! Ich bin Jungfrau , und unvermählt ! « - Dagobert ' s Hand zuckte heftig in Regina ' s Hand bei diesem Geständniß , und noch einmal erhob sich mit Sturmesgewalt eine Bewegung in seiner Brust , auf welcher sich der böse Geist , der in den Tiefen schlummert , herauf arbeiten wollte , zur Geschäftigkeit und That . » Du warst getäuscht ! « raunte er dem erbleichenden Bräutigam zu : » Verrathen und betrogen um Dein Lebensglück ! Warum ist sie schon fern Fiorilla , die Lügnerin ? warum Dir so nahe , - unauflöslich an Dich geschmiedet , die minder als Esther geliebte Regina ? Giebt es kein Mittel , zu ändern , was vorgegangen ? « - Das Geflüster des bösen Geistes verstummte jedoch , und zurück wogte die finstre Welle , auf welcher er gekommen , denn Dagoberts Treue und Männlichkeit behielt den Sieg . Beruhigend und liebevoll blickte er auf Reginen hernieder , die , von Esthers Bekenntniß erschreckt , mehr denn Dagobert , ängstlich das Haupt an seine Brust gelegt hatte , das Auge zu ihm emporgerichtet , als wollte sie fragen : » Mein Geliebter ! wankst Du nun ? bereuest Du nun ? und bin ich die Deine noch , oder schon von Dir getrennt ? « Er umschlang sie mit der Innigkeit eines wahren und redlichen Gefühls , drückte einen Kuß auf ihre Stirne , und wendete sich mit offnem Gesichte zu Esther , die , in den Armen des Vaters liegend , mit wehmüthiger Freundlichkeit nach ihm herüber sah . - » Seltsames Mädchen ! « sprach er , ohne Vorwurf , ohne Bitterkeit : » Ich weiß nicht , soll ich Dir zürnen , oder Deinem Gedächtniß eine doppelte Liebe schenken ? Bunt und täuschend schimmernd , wie eine Schlange , windest Du Dich zu dem Ziele der Tugend , und fürchtest nicht , einst zu bereuen ? « - » Nimmermehr , mein theurer Freund , den ich also nennen darf , vor allen , die uns umstehen ! « erwiederte Esther himmlisch lächelnd : » So wie wir getheilt haben die Liebe einer abwechselnd düstern und rosigen Zeit , also müßten wir auch die Reue theilen , und man fühlt diese nicht im Besitze eines reinen , schönen , tugendhaften Wesens , wie Eure Braut ; man fühlt sie nicht in dem Bewußtseyn erfüllter Pflicht . Glänzen nicht hier in jedem Auge Thränen der Freude und der Rührung ? Zwei Väter , zwei Mütter segnen meinen Entschluß , und aus der schlechten Jüdin , die , hatte sie auch erschlichen durch die Taufe das Bürgerrecht in diesem Hause , dennoch immer darin geblieben wäre eine Fremde , ist geworden auf einmal eine Freundin , ein Geschöpf , das man duldet um ihres Gemüths willen .