Ahnherrn zum Geschenk gemacht . Jahre vergingen und General von Schöning starb . Bei Öffnung seines Testaments fand man in demselben folgendes : » § 12. Das Bild vom Generalfeldmarschall Grafen Schwerin erhält der liebenswürdige , edle Herr Graf Schwerin auf Tamsel . Nur wenn derselbe eher als ich das Zeitliche segnen sollte , erhält es das Schloß von Tamsel in Anerkennung der treu-bewahrten Alt-Schöningschen Erinnerungen über und unter der Erde . « So kam das Bild nach Tamsel . Ein Schöning hatte nunmehr einem Schwerin das Bildnis des berühmtesten Schwerinschen Ahnherrn als Gegengeschenk überreicht . Ich habe geglaubt , bei Aufzählung alles dessen , was Tamsel einerseits an Erinnerungen , andererseits an Kunstschätzen bietet , ausführlicher verweilen zu sollen , weil diesem schönen Landsitze , durch länger als ein Jahrhundert hin , die Rolle zufiel , nicht nur ein historischer Schauplatz , sondern auch eine Pflegestätte für die Künste zu sein . Wir haben Stätten in unserer Provinz , die , wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf , glänzender debütiert , oder vorübergehend ein intensiveres Leben geführt haben , aber was dem Ruhme Tamsels an Intensität abgehen mag , das ersetzt er durch Dauer , durch ein konsequentes Sich-auf-dem-Niveau-halten . Es gibt märkische Schlösser , aus denen berühmtere Feldherrn als Feldmarschall von Schöning , schönere Frauen als Frau von Wreech und glänzendere Poeten als Graf Ludwig Wreech oder Graf Hermann Schwerin hervorgegangen sind , aber es gibt keinen Landsitz , der , wie Tamsel , durch sechs Generationen hin , in bewußter Ausübung und Pflege jeglicher Kunst sich immer gleich geblieben wäre . Schloß Rheinsberg , mit dem es überhaupt vieles gemeinsam hat , steht ihm hierin am nächsten , da die Zeit seiner Blüte siebzig Jahre umfaßt . Alle übrigen Schlösser aber , die hierlandes den schönen Künsten ihr gastliches Tor öffneten , sahen die Muse nur zeitweilig in ihren Mauern . Sie kam und ging . Tegel : die Humboldts , Blumberg : Canitz , Wiepersdorf : Achim von Arnim , Nennhausen : Fouqué , Madlitz und Ziebingen : Tieck – alle hatten ihre Zeit und die literarische Bedeutung dessen , was in ihnen geboren wurde , ging weit über das hinaus , was Tamsel hervorbrachte . Aber dilettantisch wie alles sein mochte , was der schöne neumärkische Herrensitz entstehen sah , klein wie das Feuer war , es losch nie aus . Der Besitz wechselte vielfach und ging durch Erbschaft auf immer neue Namen über , jeder folgende jedoch empfand sich stets als Erbe gewisser Traditionen , und die Schönings , die Wreechs , die Dönhoffs , die Schwerins , wie verschieden sonst auch , sie zeigten sich einig in gefälliger Pflege der Kunst . Und um dieser Eigentümlichkeit Tamsels gerecht zu werden , bedurfte es einer ins einzelne gehenden Aufzählung des reichen Materials , das sich daselbst in Schloß und Park und Kirche zusammenfindet . Zorndorf Zorndorf Moskoviens Bär mit eisbehangnen Haaren Dürstete Friedrichs Blut . Christian Fr . Daniel Schubart Mit Vergunst , Der Will ' ist eins , ein andres ist die Kunst . Eine halbe Meile nördlich von Tamsel liegt Zorndorf . Der Weg führt zunächst durch eine tiefe Schlucht , die hier , unmittelbar im Rücken des Dorfes , die Hügelkette torartig durchbricht und immer ansteigend auf ein Plateau von mäßiger Höhe mündet . Die Fahrt , die sehr malerisch beginnt , verliert sehr bald ihren Charakter ; Sand und Baumwurzeln treten an die Stelle von mit Laubholz besetzten Berglehnen , bis endlich das freundlich daliegende Zorndorf die ziemlich reizlose Öde wieder unterbricht . Zorndorf ist wohlhabend , wie fast alle Dörfer , wo Schlachten geschlagen wurden . Ob es lediglich daran liegt , daß die während des Kampfes zerstörten Dörfer besser und hübscher wieder aufgebaut werden , oder ob die Schlachtfelder , wie große Kirchhöfe , einen reicheren Acker schaffen ? Es stehe dahin . Vielleicht auch kommt noch ein drittes hinzu . Das Auferbauen aus Trümmern schafft nicht nur einfach ein neues Dorf , es schafft auch , in nötig gewordener Anspannung , ein rührigeres Geschlecht . Und Fleiß und Energie , einmal wachgerufen , vererben sich weiter von Vater auf Sohn . Unser Wagen hielt vor dem Krug , und mein in Zorndorf halb heimischer Reisegefährte rief nach dem Krüger . Und siehe da , aus einem kleinen dürftigen Laden trat eine Hünengestalt heraus , grüßte , und stellte sich halb dienstlich neben den Tritt unseres Wagens . Seine riesige Gestalt und die kleine Ladentür paßten wenig zusammen . Ein ähnlich komisches Verhältnis bestand zwischen seiner Gestalt und seinem Namen . » Guten Tag , Herr Nonnenprediger . « Der Angeredete erwiderte ruhig den Gruß und verzog keine Miene . » Herr Nonnenprediger « , fuhr mein Reisegefährte fort , » einer von den Bauern hier sammelt ja wohl alles , was auf dem Schlachtfelde gefunden wird . Verlohnt es sich , bei ihm vorzufahren ? « Nonnenpredigers Mund ging in ein leises Grinsen über , das über seine Stellung zu » vaterländischen Altertümern « keine weiteren Zweifel gestattete . » Können Sie uns nicht ungefähr sagen , was der Bauer alles hat ? « » Kanonenkugeln , Gewehrläufe , Schäfte , Flintensteine . « » Nicht den Lehnstuhl , darauf Friedrich der Große die Nacht vorher geschlafen hat ? « » Nein , der steht in der Neudammschen Mühle . « » Sonst nichts ? « » Nicht daß ich wüßte . « » Danke schön . Guten Abend , Herr Nonnenprediger . – Fahr zu ! « Und so ging es weiter an der hübschen neuen Kirche vorbei , hinaus ins Freie . Unmittelbar hinter Zorndorf beginnt das Schlachtfeld . Es ist ein Viereck , das von der Neumühlschen Forst und dem Zicher Bach im Westen und Osten , und von der Mietzel und einem Höhenzug im Norden und Süden gebildet wird . An dem Höhenzuge liegen Wilkersdorf und Zorndorf . Auf diesem Stückchen Erde wurde die Schlacht geschlagen . Der Boden ist wellenförmig ,