Steppensand ! Wo entspringen die Flüsse ? In dem ewigen Schnee , der auf ihren Firnen lagert . Die Menschennatur ist nicht anders . Hab ' ich eine Stimme wie die Catalani ? Sind Sie schön wie Adonis ? Können wir ' s uns geben ? Sie würden mich , ich Sie einen Thor nennen , wenn wir danach trachteten . Wohin hat die Gleichmacherei der Jacobiner geführt ! Frankreich seufzt unter einem neuen Marschallsadel ; so dünn plattirtes Gold es sei , das Volk muß es von seinem Schweiße hergeben , wie es die Säckel der Direktoren füllen , die Guillotinen mit seinem Gelde bauen musste ! Ist der alte Adel darum todt ? Er lauert nur , und lässt seine Nägel wachsen , ums wieder an sich zu scharren , wenn die Gelegenheit kommt . Das die Wirkung der Impetuosen . « » Hier liegt aber vor uns die Arbeit eines Jahrhunderts und darüber . Wir sehen nicht mehr die Arbeit , nur das fertige Werk . « - » Ist es fertig ? « - Er schüttelte den Kopf . - » Was wäre der schönste Gliederbau werth , dem der Kopf fehlte ? - Man fängt an , auf Friedrich zu schmälen . Man hat Unrecht , auch der wackere Arndt irrt . Was er als Sünde des Individuums züchtigt , war nur der Instinkt des Blutes , es war die wunderbare Aufgabe der Dynastie , die Naturen und ihre Summitäten zu ertödten , um aus sich heraus allein das Werk zu erschaffen . Wär ' s ihnen gelungen , gelingt es ihnen , dann sind sie im Recht , es war eine Mission , eine Aufgabe von Gott , aber - « Das plötzliche Verstummen des Ministers war nicht von den Zeichen begleitet , welche den Willen , ein Gespräch abzubrechen , andeuten . Er wollte Widerspruch . Walter aber lenkte es von einer Seite ab , von der er wusste , daß sie für den Freiherrn immer empfindlich war . Er lenkte es auf die Fragen hin : ob denn die großen Reorganisationspläne des Staatsmannes grade in dem kritischen Augenblicke an der Zeit seien ? » Jetzt oder nie ! « fiel der Freiherr ein . » Preußens Geschichte laß ich als eine seltene Rarität unberührt . Wir empfingen das Werk mit dem Stempel , den seine Schöpfer darauf gedrückt . Diese Schöpfer sind todt . Und wenn sie als Geister aus ihren Grüften um uns schwebten , sie könnten uns doch nicht zuflüstern , was wir thun müssen , denn ihre Kenntniß ist aus ihrer Zeit . Wir müssen aus der schöpfen , die ist . Ein stolzes Orlogschiff schaukelt im stürmischen Meere . Seine Kapitäne und Steuerleute sind gestorben , ihre Papiere verloren , selbst die Traditionen , wohin es steuern müsse , sind es . Was soll man thun ? Die Hände in den Schooß legen , es den Winden überlassen , wohin sie treiben ? - Ja , dann verdienten sie , Mann und Maus , elendiglich auf dem Wrack umzukommen . - Nein , das Volk wird zusammentreten , berathen , die Tüchtigsten aus sich , die Erfahrensten , die Kühnsten auswählen , sie in die Masten schicken , ihnen das Steuer in die Hand geben , und , mit Gott , sie werden thun , was an ihnen ist , sich und das Fahrzeug zu retten . - Ein solches Schiff ist Preußen , ein solcher Augenblick ist dieser . - Jetzt gilt es das Volk aufrufen , jetzt oder nie . Erwacht , erwägt , was es Euch ist , dies Vaterland , ob es werth , daß Ihr Alles dran setzt , Alles , nicht nur Gut und Blut , auch die Gewöhnung , das eingeschrumpfte Dasein , den Stolz . Sie müssen neu geboren , sie müssen wieder Kinder werden , um der Gnade empfänglich . « - » Und wenn das Volk den Ruf nicht hörte ! « - » So haben wir gerufen , und der Schall vibrirt fort durch die Luft - er weckt nach uns , Andre werden uns hören , wenn wir längst untergegangen . « Der Freiherr ging wieder in Gedanken versunken auf und ab . Er blickte noch einmal zum Fenster hinaus , und das Sternenlicht schien wieder seine Ruhe und Klarheit auf das charakterfeste Gesicht des Mannes gehaucht zu haben , als er zurückkehrend sich Walter gegenüber am Tische niedersetzte . » Wir dürfen uns nicht in Empfindungen verlieren , es drängt . Nehmen Sie wieder die Feder - « Walter schrieb - hingeworfene Sätze , die von den Lippen des Ministers , wie ein immer lebendigerer Quell , sprudelten . » Gedenken Excellenz auch dieses Memorial durch die Hand der Königin an die höchste Stelle zu befördern ? « - » Ja , die Königin - wenn sie - ! « Die Gedanken flogen , sie drängten und überstürzten sich , konvulsivisch , wie die Bewegungen der Lippen . » Und warum es uns verhehlen , was eine nur zu sichere Ahnung uns sagt ! Auch dieser Versuch wird scheitern ! Zu einem Titus in Tagen des Friedens war er geboren . Die Zeit forderte einen Sulla . Dieser bürgerliche Gerechtigkeitssinn reicht aus in Zeiten , wo das Rechte aufhört . Daß es da ein Höheres giebt , was der geweihte Priester aus den Wolken greifen muß , wer darf ihn tadeln , daß ihn Gott zu diesem Glauben nicht geweiht . Er hat eine Scheu vor außerordentlichen Schritten - es wird ad acta gelegt werden wie das andere . Sollen wir darum nicht unsere Pflicht thun ? - Wir werden Napoleon unterliegen . « - » Seiner Uebermacht ? « - » Nein , unserer Unmacht ! Unserm Dünkel , der den im Sturm und Donner neu schaffenden Gott nicht sieht . - Schreiben Sie weiter - « » Und mit dieser Vorahnung - « » Vorbewusstsein , « korrigirte der Minister , » will