Augenblick wäre zur Versöhnung geeigneter gewesen ? Dagobert reichte fröhlich dem Ritter die Hand , und Frau Margarethe lispelte mit niedergeschlagnen Augen : » Ich habe Euch nie gezürnt , gestrenger Herr . Ich beklagte nur Eure Verblendund , und bin erfreut , daß Ihr mir Eure Hochachtung ferner nicht versagt . Wo ist aber mein Eheherr ? fragte sie lebhafter , den Knaben an sich drückend : Wo weilt er ? Ihr spracht von drohenden Gefahren ? Sind sie vorüber , oder ? ... « - » Vorüber ; « erwiderte der Ritter beruhigend : » vorüber durch die redliche Hochherzigkeit einer schlichten Magd , die unter dem härnen Kittel ein Gemüth voll Adel bürgt . Ohrenzeuge einer Verschwörung geworden , die Leben und Habe aller Bürger , - die Eure vor allen - betraf , wollte sie , was sie gehört , entdecken . Teuflische Schadenfreude am Bösen trat ihr hinterlistig in den Weg . Die arme Dirne konnte aus einem Kerker , in den man sie gesperrt , nicht entwischen , als in den letzten Augenblicken vor der bestimmten Stunde des Verbrechens , wo es ihr gelungen war , ihre Stimme Andern vernehmbar zu machen . Die Tücke ihrer Gegnerin , - einer Klosterfrau , leider diesem Hause befreundet , - kam schnell an den Tag . Die Oberin ließ die Strenge walten , und hat die Unverbesserliche zu ewiger Clausur verdammt . Für die Welt , der sie nur schaden wollte , ist sie verloren . Indessen , rief Judith , die wackre Magd , mich und die Bürgermeister aus dem Schlummer ; mit uns die Stadt . Gott hat gnädig den Schild vor uns gehalten . Viele verdächtige Gesellen fielen in unsere Hände . Ein Schiff , angefüllt mit andern , entkam auf dem Strome . Einen abscheulichen Rädelsführer hat die Vehme gerichtet ; einen andern , bis zur Unkenntlichkeit von Rossen und Menschen zerstampften Leichnam fand man auf der Straße . Mit der größten Wachsamkeit konnte man dennoch nicht verhüten , daß ein Haus , von Meßfremden größtentheils bewohnt , von dem mord- und raublustigen Gesindel mit Feuer angestoßen wurde . Dort , begriffen zu löschen , zu retten und zu schirmen , befindet sich Euer Gemahl , ehrbare Frau . Bald wird er heimkehren , seine Bürgerkrone , Euch zu Füßen zu legen , und sich mit den Freuden des Wiedersehens seines Sohns zu bekränzen . Glück auf ! aber auch Dank dem Biedermanne , der also sein Unrecht gut gemacht , und vergessen an der Thüre steht , wie ein Fremder . Komm näher , David , den ich wohl erkenne ! fürchte nichts ! Der Bann soll von Dir genommen werden , und , dies bewirkend , will ich beweisen , daß ich ' s fürder redlich meine mit diesem Hause und seinem Frieden . « - Die Zuhörer , die bisher der Rede des Schultheißen mit ängstlichem Schauer gelauscht hatten , verklärten nun ihr Antlitz zum Lächeln der Zufriedenheit und beeiferten sich um die Wette , dem Juden , dem die innere Gemüthsbewegung auf dem unschönen Gesichte stand , die redlich verdiente Dankbarkeit durch Wort und Handschlag zu beweisen . Sogar Ammon , der an der Thüre lauschte , fühlte sich davon ergriffen , spürte eine Thräne in seinem Auge , und hätte es nicht über sich gewinnen können , dieses Fest der Herzen durch die Kunde seiner That zu stören . » Gott segne meine Edelfrau ! « sprach er in sich hinein : » Sie und ihre Tochter sind so selig , wie fast nie . Darum sollen sie auch nie erfahren , daß ihr Vater und Gatte blutig gerächt wurde . Weiß ich ' s doch , und war doch die That gerächt . « - Plötzlich schoß der Diener Eitel an ihm vorüber , riß die Thüre auf , und rief freudig : » Der Herr kehrt heim ! Der gute Herr ! welche Freude wird das seyn ! « - Dem Ankommenden strömte Alles entgegen , und alle Zungen sprachen zu ihm , und alle Augen strahlten ihm Freude zu , und alle Hände legten dem von Lust und Überraschung Trunknen seinen Knaben , seinen Sohn in die zitternden Vaterarme . » Vater ! Vater ! bist Du ' s , und kennst Du das liebe Junkerlein aus Frankfurt noch ? « fragte der wahre Johannes in seiner kindischen ausgelassenen Wonne : » Gelt ! ich hab ' Euch wiedergefunden , ihr meine Eltern ? Gelt , ich bin gesund heimgekommen , und ich darf jetzt bei Euch bleiben ? Ich muß nicht wieder zu Willhild , auf das Dorf , wo man die schlafenden Kindlein stiehlt ? « - » Nein , nein ! « betheuerte der begeisterte Greis : » Nicht mehr aus diesem Hause , nicht mehr aus diesen Armen ! « - Indem nun Diether , vorschreitend , den um ihn gesammelten Kreis durchbrach , und vergebend und vergessend dem Schultheiß die Hand schüttelte , wurden hinter ihm zwei Gestalten sichtbar : ein Mann in wohlhabender Kleidung und ein verschleiert Frauenbild . - Dagobert erschrack heftig , denn der Mann war Joël , der Wechsler aus Lüttich , und unter dem bergenden Schleier konnte nur Esther athmen . Es schnürte ihm das Herz zusammen , während Margarethe den Eheherrn nach den Fremden fragte . - » Das Haus , in dem sie wohnten , brannte nieder , erklärte , sich entschuldigend , der Altbürger . Ihr Habe habe ich gerettet , und bot ihnen ein Unterkommen für diese Nacht , obschon sie sich sträubten , mir hieher zu folgen . Aber , - seh ich recht ? setzte er bei : Hier erst , guter Freund , erkenne ich Eure Züge . Beim Blitz , Ihr seyd der Mann , dem ich das Geld gezahlt , das seinem Schwähervater zugehört , und diese Frau .... « - » Gottes Wunder ! « schrie hier plötzlich Ben David auf , dessen bis