Caplan ein , hat Ihnen reichen Lohn getragen . Die Freundschaft , die Ergebenheit , welche Baron Renatus für Sie hegt , sind wahr und tief . Ich weiß das , Herr Caplan ; ich bin mir meines Einflusses auf ihn vollauf bewußt . Ich weiß es , daß ich auf ihn zählen kann , obschon er es in neuester Zeit und durch mich selbst erfahren hat , daß meine Liebe niemals seinem Vater angehörte , daß ich nur Einen , Einen Mann geliebt , und daß derselbe nicht mehr ist . O , rief sie , indem sie ihren schwarzen Trauerschleier mit beiden Händen an ihre Lippen drückte , o , wenn Sie ahnen könnten , wie frei und glücklich ich mich in diesen Trauerkleidern fühle , wie meine Seele nach den schwarzen Gewändern verlangt hat ! Niemals , Niemals werde ich sie wieder von mir legen ! Ich werde sie tragen bis zu meinem letzten Athemzuge , als Erinnerung an die große Liebe , die Sie mir zur Sünde machen und die vor Gott kein Verbrechen sein kann , weil mein schöner Valerio ihr sein fröhliches Dasein verdankt . Sie hatte über den Gedanken an ihre Liebe , über die Wonne , von derselben jetzt in Freiheit sprechen zu dürfen , abermals die religiösen Bekenntnisse vergessen , welche sie dem Geistlichen zu machen entschlossen gewesen war , und der Caplan hatte große Mühe , sie auf dieselben zurückzuführen . Die Freisinnigkeit ihres verstorbenen Gatten , die völlige Glaubenslosigkeit ihres Geliebten hatten ihren eigenen Glauben erschüttert , und die unklaren religiösen Begriffe , die kindlichen Ueberlieferungen , welche aus ihrem Klosterleben in ihr haften geblieben waren , hatten nur dazu beigetragen , ihren Sinn vollends zum Zweifel und zum Unglauben hinzulenken . Sie war in ihrem Kloster in der Lehre von der Vorherbestimmung auferzogen worden , und ohne sich von den Einwendungen des Caplans im mindesten beirren zu lassen , hatte sie ihr Zusammentreffen mit Mariano von Anfang an als ein ihr von Gott vorherbestimmtes Schicksal , ihre Liebe für ihn als eine Naturnothwendigkeit angesehen , der sich zu entziehen nicht in ihrer Macht gelegen habe . Sie selbst , sprach sie , Sie selbst , Hochwürden , haben mir oft genug wiederholt , daß kein Zufall in der Weltordnung eines allweisen Gottes möglich oder auch nur denkbar sei . Noch als ich ein Kind war , hat man mich gelehrt , daß kein Sperling vom Dache fällt , ohne daß der Allwissende es wolle ; und ich sollte hierher gekommen sein , weit ab von den Meinigen und meiner Heimath , in dieses unwirthliche , kalte Land , ohne Gottes Fügung ? Hierher , in den fernen , grauen Norden sollte Mariano von des Krieges Wogen geschleudert worden sein , ohne Gottes ausdrücklichen Rathschluß ? Unmöglich , unmöglich ! Entweder es lebt kein Gott , es ist Alles , Alles Zufall und wir des Zufalls blindes Spiel , oder was ich erlebte , litt und that , war mir von Gott bestimmt : ich that , was er mich thun lassen wollte - und was Sie mir als Sünde anrechnen , war mein vorherbestimmtes Müssen ; ich mußte sündigen ! Mit jener grausamen und bis zur Selbstvernichtung rücksichtslosen Freiheitslust des Sclaven , dessen Fesseln gebrochen worden sind , bekannte sie sich zu ihrem Unglauben , zu ihrem Abfalle von allen Ueberzeugungen , die sie einst gehegt hatte . Der Caplan verhinderte sie nicht daran . Er wollte die Tiefe der Wunde untersuchen und sie ausbluten lassen , ehe er sie zu schließen und zu heilen unternahm . Er hörte sie schweigend an , als sie ihm eingestand , wie sie ihn in der Beichte getäuscht , wie sie kein Abmahnen dagegen , und keine Reue in sich empfunden habe über ihre Liebe und ihren Ehebruch , und wie sie auf diese Weise auch von dem ihr in dem Kloster eingeimpften Wahne zurückgekommen sei , daß eine unvollständige , eine unwahre Beichte eine der schwersten aller Sünden , daß zeitliches und ewiges Verderben ihre sichere Folge sei . Aehnlich wie es einst die Baronin Angelika gethan hatte und wie die überwältigende Leidenschaft es mit sich bringt , stützte sie sich immer wieder auf ihr inneres Müssen und Nichtanderskönnen als auf ein Zeichen der Vorherbestimmung ; nur daß Angelika ' s sanfte Seele in Demuth und Zerschlagenheit vom Himmel Kraft und Trost begehrte , wo Vittoria ' s stolzer Sinn völlig in seinem Rechte zu sein behauptete . Selbst als der Caplan ihr zu bedenken gab , daß Gott innerhalb seiner Vorherbestimmung dem Menschen ein gemessenes Theil von Freiheit zugestehe , an welchem er seine Kraft und Tugend zu prüfen und zu üben habe , und daß er es ihm in seiner Gnade an Zeichen und Mahnungen nicht fehlen lasse , wenn er von dem rechten Wege abgeirrt sei , machte sie das in ihren Ueberzeugungen nicht wankend , in ihrem Selbstgefühle nicht ungewiß . Ich habe viele Nächte durchwacht , sprach sie , viele Tage durchweint , und in Leid durchwachte Nächte und im Schmerze durchweinte Tage währen lange . Ich bin einsam gewesen in diesem Schlosse , ich hätte nicht einsamer mich fühlen können im Bergesgeklüft in verlassener Karthause . Es hat mir an Muße nicht gemangelt zum Denken und zum Prüfen . Was blieb mir denn auch übrig , wenn ich gelächelt und gesungen hatte , den Freiherrn zu vergnügen , was blieb mir übrig , als zu denken , immerfort zu denken und zu sinnen ? Ich habe Zeiten gehabt , in denen ich mich überreden wollte , daß ich fehle , daß ich eine schlechte Gattin sei - meine innerste Empfindung hat dem widersprochen . Ich bin dem Freiherrn vollständig gewesen , was er in mir gesucht , von mir begehrt hat . Ich habe sein Vertrauen , seine Achtung nie besessen , er hat die Liebe , die ich noch nicht kannte , als ich mich ihm vermählte , und die er mich nicht