alle vor Deinem Tode verheirathet zu sehen , ich denke , Du hast schon im Leben gefunden , wonach Dein liebevolles , liebebedürftiges Herz so treu gesucht . Ja , ja , die Reihe der alten bekannten , lieben Gesichter hat sich sehr gelichtet ; aber wir wollen dankbar sein , daß uns noch so Manche geblieben sind - so Manche , die zu ersetzen einfach unmöglich wäre . Wer oder was sollte mir Dich ersetzen , mein wackerer Klaus , Du , oberster der Meister , und auch Obermeister , seitdem der brave Roland mit sammt seinem Lächeln unter dem buschigen Barte in den Urwald sich verloren hat , aus dem noch keiner wiederkam ! Nichts könnte Dich mir ersetzen , so wenig , wie Dir alle Schätze Polynesiens , die Euch einst die Tante aus Java bringen wird , Deine Christel ersetzen könnte , oder Deine acht Jungen , die , da sie , als Jungen , der Mutter nicht gleichen können , sich wenigstens bestreben , ihr möglichst ähnlich zu sehen und alle ihre blauen , holländischen Augen und ihr blondes , holländisches Haar haben . Die alte javanesische Tante ! daß sie noch immer nicht kommen will ! Aber ich glaube , Du hast ihr diese Unhöflichkeit eigentlich schon vergeben ; nur einmal bist Du ihr wirklich bös gewesen , und das war zu der Zeit , als für Deinen Freund Georg fünftausend Thaler mehr oder weniger eine Frage um Sein oder Nichtsein war und Du den Himmel anflehtest , er möchte Dir jetzt die Tante senden , und wenn es auch ein Onkel wäre . Ja , ja , ein paar Freunde sind noch geblieben und werden , will ' s der Himmel , bleiben - trotzdem sie vielleicht schon seit fünfzig Jahren jeden Tag am Gehirnschlage - » Nein , nein , Doctor , ich will die schändliche Phrase nicht zu Ende bringen ! Sie sind ja so schon außer sich , daß ich Sie in meinem Buche erwähnt habe - als ob die Geschichte meines Lebens ohne Sie noch die Geschichte meines Lebens wäre ! - und behaupten , ich hätte , nachdem Sie nun bereits ein halbes Jahrhundert mit Ehren kahl seien , zu guterletzt noch einen Kinderspott aus Ihnen gemacht , und Sie könnten sich nicht mehr auf der Straße sehen lassen . Schelten Sie , soviel Sie wollen , Doctor , meinetwegen in den höchsten und allerhöchsten Tönen ; ich weiß doch , wie Sie es meinen und daß Sie sich gelegentlich wieder herabstimmen ; und weiter weiß ich , daß , wenn nicht alle Leute auf der Straße den Hut vor Ihnen ehrfurchtsvoll ziehen , es einfach daran liegt , daß nicht alle Sie kennen . « » Und ich will auch nicht gekannt sein , « schreit der Doctor , » und der Menge gezeigt werden , wie eine naturgeschichtliche Merkwürdigkeit , am wenigsten von Ihnen , der Sie mich immer in dem falschen Lichte gesehen haben , wenn ein Mammuth , wie Sie , überhaupt irgend etwas im richtigen Lichte sehen kann . Will ich einmal abconterfeit sein , so werde ich mich von Ihrer Frau malen lassen , die sich schämen sollte , aus purer abgöttischer Liebe zu Ihnen und ihren Kindern die edle Kunst so zu vernachlässigen ; oder von Oskar . Apropos ! wollen Sie nicht vielleicht auch eine ausführliche Analyse sämmtlicher oder doch wenigstens der Hauptwerke Oskar ' s in Ihr Buch aufnehmen und sich dabei schauderhaft blamiren ? denn Sie verstehen von der Kunst wirklich gar nichts - oder wollen Sie nicht Kurt , weil er doch nun einmal die Bescheidenheit selbst ist , in die fürchterlichste Verlegenheit setzen , indem Sie seine Verdienste um unser Eisenbahnwesen und seine Erfindungen im Maschinenbau einzeln aufführen ? oder wollen Sie Benno nicht der Regierung denunciren , weil seine in aller Stille blühende landwirthschaftliche Schule in Zehrendorf den betreffenden Landesinstituten die gefährlichste Concurrenz macht ? « » Schelten Sie nur ruhig weiter , lieber Doctor ; Sie glauben nicht , wie gelegen mir das Alles für mein Schlußcapitel kommt . Ich möchte Ihnen dort , wie überall , gern das letzte Wort lassen . « » Das fehlte mir noch gerade ! « ruft der Erzürnte , und läuft - als der letzte unserer Gäste - zur Thür hinaus . Die Scene spielte gestern Abend , und ich sagte zu Paula , ob es nicht ein guter Einfall sei , meinem besten , ältesten , theuersten Freunde , dem ich mehr zu verdanken hätte , als ich sagen könnte , das letzte Wort zu lassen ? » Ich wußte nie , welches der letzte Pinselstrich bei meinen Bildern sein würde , bis ich ihn gemacht hatte , « sagte Paula , » vielleicht wird es Dir bei dem Buche ähnlich ergehen . « Heute in der ersten Morgenfrühe finde ich , daß Paula recht hat . Ich fühle , daß ich schließen muß , und dabei ist mir immer , als dürfe ich noch keineswegs schließen , als habe ich noch , ich weiß nicht was , vergessen , als sei ich noch dem Leser , meinem Freunde , trotz meiner feierlichen Verwahrung von vorhin , über hunderterlei Auskunft schuldig . Zum Beispiel darüber , wie es kommt , daß ich » in der ersten Morgenfrühe « am Schreibtisch sitze , nachdem ich gestern Abend , wie es scheint , eine kleine Gesellschaft bei mir gehabt ; ob ich mich etwa verschrieben habe ? Nein , ich habe mich nicht verschrieben ; die erste Morgenfrühe , das heißt im Winter die vierte und im Hochsommer , wie jetzt , manchmal schon die zweite Stunde findet mich seit Jahren in meinem Arbeitszimmer lesend , rechnend , zeichnend und , seitdem ich dies Buch unter der Feder habe , meistens schreibend . Ich bin alle Zeit ein guter Schläfer gewesen und bin es noch , insofern , als mein Schlaf sehr tief und meistens traumlos ist ;