wollt ' ich zu Ihnen kommen - nur warf mich die Verzweiflung aufs Krankenlager . Meine Mutter behauptete , wenn ich anders handelte , würd ' ich jetzt Gott um die Erfüllung eines Gelübdes betrügen ... Das ist eine Thorheit ! erwiederte Bonaventura entrüstet . Wer lehrte Ihre Mutter , daß Gott unserer Opfer bedarf ! Ein Gelübde kann einen Werth für unsere Seele haben , aber nur der Heide kauft seinem Götzen mit einem Gelübde etwas ab . Eher könnte Ihr Gewissen sich gedrückt fühlen von dem Vorwurf , die religiöse Denkungsart der Ihrigen , vollends einer Mutter zu verletzen ... Auch mußt ' ich bittere Thränen darüber weinen und war in meinem Vorsatz wankend geworden ! Ein junges Mädchen , das in meinen Diensten steht , sprach täglich von diesen Exercitien , an denen sie so gern theilgenommen hätte . Das junge Kind , das ich so lieb habe , vergegenwärtigt mir den Glauben , den ich immermehr verliere ... ... Ist das Treudchen ? dachte Bonaventura voll Bangen . Treudchens Beichtvater war - Cajetan Rother ... Leider aber läßt der Peiniger meiner Lebensruhe nicht nach ! fuhr Hendrika Delring fort . Es ist mein eigener Bruder ! Früher war mein Gatte Führer des Geschäfts . Aufrecht gehalten hat er ' s in schwieriger Zeit . Die Zeit ist nicht mehr günstig wie sonst , andere überflügeln den alten Kaufmannsschritt und darauf fußt mein Bruder , um meinen Gatten täglich zu verletzen . Während er selbst sich der sinnlosesten Verschwendung ergibt , wirft er uns die kleinste Ausgabe vor und schon war unser Entschluß reif , ganz aus dem Geschäft auszutreten . Leider ist meine Mitgift , wie es bei Kaufleuten Sitte , nur klein ; meine Einnahme hängt von dem Ertrag des Geschäftes ab . Eine ihr entsprechende größere Summe herauszuziehen , ist immer mit Schwierigkeiten für unser ganzes Haus verbunden . Darum , weil mein Mann von vorn anfangen müßte und auch des Salairs für die Führung des Ganzen zu entbehren hätte , bekämpfte ich diesen Schritt , hielt aber zu meinem Mann und brach mit meiner ganzen Familie . Deshalb auch schenkt ' ich ihm im Geist meine Hoffnung , ohne daß der Edle es begehrt . Aber jetzt ist keine Wahl mehr . Mein Gatte muß weichen . Heute in der ersten Frühe fand eine Scene statt , die jede Aussöhnung unmöglich macht . Um das Geringfügigste erhob schon sonst unser Tyrann einen Streit . Diesmal darüber , daß er eine Gesellschaft geben will und zu dem Ende Ansprüche macht auf einen Theil meiner Zimmer . Ich verweigerte sie ihm aus Gründen , die eine Hausfrau haben darf . Nicht um eine Ladung Waaren , nicht um einen Werth von Tausenden begann er jemals einen solchen Streit , wie jetzt über diesen Gesellschaftsabend . Mein Gatte kam hinzu . Das ganze Haus wurde Zeuge eines Auftritts , der nur damit enden konnte , daß wir das Haus und das Geschäft für immer zu räumen erklärten . Mein Gatte wird eine Stelle suchen , meine Mitgift und ein uns angewiesenes Zehntel vom Reinertrage des Geschäfts reicht vielleicht aus , ihn irgendwo zum Associé zu machen . Wir ziehen weg von hier und wenn ich dann an seiner Seite lebe - - Nun dann , dann - unterbrach Bonaventura das plötzlich stockende Bekenntniß , dann schenken Sie Ihr Kind Ihrer Mutter - Ihr Gatte bedarf dann keinen weitern Beweis Ihrer Liebe mehr ! Hendrika schwankte , aber in ihrem Worte : Hochwürdiger Vater , ich zweifle schon an allem - ! lag eine Zustimmung ... Der sanfte Ton des Priesters hatte sie überwunden ... Das sagen Sie doch nicht ! unterbrach Bonaventura . Die Liebe ist ja mächtig in Ihnen ! Auch Liebe zu Ihrer andern Mutter , zur Kirche , haben Sie noch ! Sie ringt nur mit der Gott ja gleichfalls wohlgefälligen Liebe zu Ihrem Gatten . So ist ja ein Ausgang da aus diesem Labyrinth , der Sie vorläufig vor Conflicten mit der Seelsorge bewahrt ! In den Ihnen nun verhängten künftigen Entbehrungen kann ich nur eine Gnade des Himmels erkennen . Wie glücklich werden Sie sein ! Ganz nur Ihrem Gatten hingegeben ! Seine Sorgen , seine Erfolge theilend ! Ich will Sie in mein Gebet einschließen ! ... Eine Weile dauerte es , bis Madame Delring weiter sprach ... Sie hatte ihr Taschentuch an ihr Auge gedrückt ... Mit gebrochener Stimme hauchte sie : Und ist es denn wirklich wahr - Und auch Sie , Sie sagen es - mein Kind würde im Jenseits - Sie vollendete ihre Rede nicht . Denn Bonaventura unterbrach sie : Wir haben eben eine so schöne Einigung gehabt , eine Einigung , auf die hin ich Ihnen freudig die Absolution für Ihre Zweifel ertheile und Sie auf Sonntag zum Tisch des Herrn lade . Warum kehren Sie zu dem alten Unmuth zurück ? Die Kirche hat den Abfall so vieler Millionen Bekenner erleben müssen , sie hat ihn zu einer Zeit erlebt , wo in der That ihr Wesen mannichfach entstellt wurde . Muß sie nun nicht streng sein , die Ihrigen zusammenzuhalten ? Darf sie gering denken von dem , was ihre Lehre über die Stufenfolge und die Ordnung des Heils aufgestellt hat ? Eine Sprosse daraus weggezogen und das ganze Gebäude wankt . Zu unserer Kirche zu gehören ist nun einmal nach unserer Lehre eine Wohlthat . Denken Sie doch nur immer an das , was Sie selbst als Kind glücklich gemacht hat , als Sie die erste Annäherung an die Gemeinschaft mit der sichtbaren Vertretung Ihres Glaubens fühlten ! Diese sanften Klänge an einem Palmensonntag , diese heiligen Schauer des Ostertages , diese Wonnen einer höheren Liebe zu jeder Stunde des hochheiligen Kirchenjahres - gönnen Sie sie , ich bitte , auch Ihrem Kinde , dessen Ankunft und weiteren Lebensgang Gott segnen möge ! Nun ertheilte Bonaventura den Segen . Die Beichtende erhob sich langsam ... Ein Diener , der in einiger