bist , die trotz ihrer Liebenswürdigkeit und übrigen » accomplishments « für die Erörterung technischer Fragen keine augesprochene Vorliebe hat , ja die mir bereits dafür , daß ich bisher nur immer an den Saum solcher heiligen Dinge gestreift bin , herzlichen Dank weiß - einen Dank , den ich um Vieles nicht verschmerzen möchte . Wie gesagt , ich weiß das Alles nicht ; Eins aber weiß ich , daß Du , um mit dem guten Professor Lederer zu reden , ein Mensch bist , dem nichts Menschliches fremd ist : und wie ich Dir bis jetzt hoffentlich nur erzählt habe , was Deine Theilnahme leicht erweckte , weil es einem Menschen begegnete , der nicht besser und nicht schlechter , nicht klüger und nicht dümmer , nicht interessanter und nicht langweiliger war , als die Menschen zu sein pflegen und in dessen Gedanken und Empfindungen , in dessen Wollen und Streben , ja in dessen Verirrungen Du Dich daher ohne große Mühe zurechtfandest , so meine ich , Du müßtest , als ein guter Mensch und als mein Freund , mir nachfühlen , weshalb ich Dich bitte , Dir die weitere Geschichte meines Lebens nach Deiner herzlichen Gesinnung und liebenswürdigen Phantasie freundlichst auszumalen . Und das » Freundlichst « wollest Du ja wörtlich nehmen , denn es ist - ich sage das mit tiefster Dankbarkeit gegen ein gütiges Geschick und ohne Furcht vor dem Neid der Götter , an den ich nicht glaube - es ist viel , viel herrlicher Sonnenschein in mein Leben gefallen . Meine Thätigkeit ist mit äußerem Erfolge gekrönt , weit über meine kühnsten Erwartungen und weit , weit über meine bescheidenen Ansprüche und mäßigen Bedürfnisse ; und , was viel mehr bedeutet : ich habe , um zu diesen Erfolgen zu gelangen , die Lehre meines Meisters nicht zu verleugnen brauchen , habe nicht ein harter Hammer zu sein brauchen für einen armen , vielgeplagten Amboß - im Gegentheil : ich weiß es so gewiß , als ich lebe , daß ich nicht nur nicht der frohe Mensch wäre , der ich bin , sondern daß ich auch nicht der reiche Mann sein würde , wenn ich nicht Zeit meines Lebens voll des Glaubens gewesen wäre an die große schöne Lehre von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft , der Brüderlichkeit , der Gemeinschaft aller menschlichen Interessen . Dieser lebendige , thatenfrohe und thatenkräftige Glaube - er hat mir Segen gebracht hundert- und tausendfältig , und ich empfehle ihn aus bester Ueberzeugung Allen , die Erfolge haben wollen , selbst denen , welche auf den Besitz eines guten Gewissens keinen besonderen Werth legen und hernach doch vielleicht finden , daß dies gering geschätzte , verächtliche Ding , wenn man es einmal hat , gar nicht so wenig zum Comfort des Lebens beiträgt . Du erläßt mir gern die weitere Ausführung dieser Wahrheiten , lieber Freund , denn Du hast sie durch Dein eigenes Leben bestätigt gefunden ; Du bist auch gern bereit , Dir mein Leben in der Weise , wie ich gebeten , weiter auszumalen , mir die Angabe aller Details zu erlassen , so weit sie mich und die Meinen betreffen : die Zahl und das Alter und die Namen meiner Kinder und ob die Jungen intelligent und tüchtig und die Mädchen » bedeutend « und schön sind ; - Du bist durchaus geneigt , sämmtliche Ehren-Qualitäten auf ihre jungen Scheitel zu häufen ; - aber Du meinst , was mir , meiner Gattin und etwa meinen Kindern - obgleich die letzteren in der Geschichte gar nicht vorkämen und also eigentlich auch keine Ansprüche zu machen hätten - was , sage ich , für uns billig wäre , sei deswegen den andern Personen , die wirklich in der Geschichte aufträten und an die Du deshalb entschiedene Ansprüche machen dürftest - doch keineswegs recht ; und Du wünschtest vor dem » Ende « denn doch zu wissen , was aus ihnen geworden . Ach ! gar manche sind , wie Du Dir denken kannst , in den fünf und zwanzig Jahren , die seitdem beinahe verflossen , eine Beute des Todes geworden , der sich ja keinen abbitten und abringen läßt , wie verzweiflungsvoll auch die Zurückbleibenden den zerflatternden Lebensfaden in liebenden Händen festzuhalten suchen . So starbst Du , gute Mutter , und verwandelst Dich in ein leuchtendes Bild der Milde , Güte , Duldsamkeit und zugleich des stillen , starken , opferfreudigen Muthes , zu welchem wir alle Zeit , wie zu dem Deines hehren Gatten , voll Anbetung aufgeblickt , von dem wir uns oft und oft Rath und Trost geholt haben . So starbst Du , alter , braver Wachtmeister , treue , goldene Seele , hochbetagt und hochgeehrt und heißbeweint , von Niemand heißer als von unseren Jungen , die Du reiten und fechten lehrtest , und die Wahrheit sagen , komme heraus , was wolle . Und auch Du , lieber guter Hans , Letzter vom alten Heldenstamm ! Zürne mir nicht , theurer Freund , wenn ich hier und da mir ein Wort des Scherzes über die Wunderlichkeiten erlaubt habe , die Dir anhafteten , als noch Dein mächtiger Körper seinen breiten Schatten auf die Erde warf ! Glaub mir , es hat Dich trotzdem Keiner so geliebt , wie ich ; vielleicht , weil Keiner Dir so nahe getreten ist , Keiner so Gelegenheit gehabt hat , zu erfahren , wie auch nicht ein Blutstropfen von Falschheit je durch Dein großes , edles Herz gerollt , und wie Du vom Wirbel bis zur Sohle ein echter Ritter ohne Furcht und Tadel gewesen bist . Du auch starbst , enthusiastische Freundin mit dem thörichten Gebahren , der affectirten Rede und der echten Liebe in der weichen , freundlichen Seele , gute Duff ! Ich danke Dir , daß Du uns erlaubt hast , die Pflege Deiner letzten Jahre zu übernehmen ; und wenn Dir auch Dein heißer Wunsch nicht erfüllt ist , unsere Töchter , Deine Schülerinnen ,